Sie hat es wieder getan

Meine Mutter! Sie hat die beschwerliche Reise auf sich genommen und ist nach Athen geflogen. Von dort waren es mit dem Taxi nur mehr 20 Minuten nach Porto Rafti. Dort haben wir auf sie gewartet. Dem Taxler hat sie am Handy den Standort gezeigt und nach ein paar hin und her auf italienisch „al mare“, Englisch „to the sea“, entdeckte sie die Statue, bei der wir auf sie warteten. Es hat ziemlich stark geregnet und so mussten wir erst einmal in der Taverne Willkommen feiern.

Da wir noch immer im Meltemi-Einfluss waren, segelten wir am nächsten Tag, stark gerefft, den ersten Schlag auf die Insel Euböa. Eine schöne Bucht mit duftendem Ginster und Thymian lud zum spazieren gehen ein. Ein bisschen Beine vertreten tut immer gut nach einer Überfahrt.

Das Ein- und Austeigen aus dem Dinghy klappt auch noch mit 80+ sehr gut und wenn es dann beim Wirten ein kühles griechisches Bier gibt, dann kehren die Kräfte zurück. Wir genießen die einsame Taverne in der abgelegenen Bucht.

Der nächste Tag bringt wieder sehr viel Wind und wir motoren, um zumindest die Schräglage zu vermeiden. Nach ein paar Stunden ist das Schiff ordentlich eingesalzen und wir liegen in einer tiefen Bucht sicher vor Anker. Porto Bufalo war unser Ziel. Evi bekocht uns wie immer hervorragend und wir nutzen den nahen Strand zum Schwimmen.

Auch der nächste Tag bringt Windstärken um die 20 Knoten. Diesmal passt die Richtung aber besser und wir können gut nach Eretria segeln. Hier gibt es eine Fährverbindung ans Festland. Mutti hat als Geschenk zum 80er, von ihren Buben ein paar gemeinsame Tage auf der OF bekommen. Und das wird jetzt eingelöst.

Zuvor gibt es aber noch ordentlich Kulturprogramm. Zuerst die alten Bäder, 600 v.C., ein Steinehaufen, dann der Tempel des Apollo, ein Steinehaufen, aber dann, die alten Mosaike. Um die Mosaike wurden zum Schutz Gebäude gebaut. Der Erhaltungszustand ist beeindruckend und die Mosaike selbst auch.

Das alte Theater lassen wir dann wegen der vielen bellenden Hunde aus. Es stellt sich später bei einer Laufrunde als Baustelle heraus. Es wird gerade hergerichtet.

Und dann ist er da, der Familienturn. Ich „opfere“ mich und fahre mit der Fähre den beiden entgegen, um meinen Bruder und seine Frau in Empfang zu nehmen. Gemeinsam geht es zurück auf die Insel.

Wir werden schon sehnsüchtig erwartet und Andrea und Andreas können Evi und Mutti winkend auf der OF erkennen. Sie haben uns schon lange mit dem Gucker ausgemacht. Das Wiedersehen wird gehörig gefeiert und wir können wieder einmal richtig gut griechisch Essen gehen. Es wird noch lange geplaudert und die Sundowner werden noch immer verlangt, obwohl die Sun schon lange down ist. Als der Erste Moon Upper verlangt wird, gehen wir schlafen.

Der nächste Tag verspricht spannend zu werden. Wir wollen durch die engste Meerenge der Welt. Nur zirka 27 Meter ist die Stelle zwischen dem Festland und der Insel Euböa breit. Eine Brücke, die unter der Straße verschwindet, das klingt spannend. Davor eine 35 Meter hohe Brücke. Und damit das ganze nicht langweilig wird, wird die Brücke nur einmal täglich zwischen 22 Uhr und 4 Uhr früh geöffnet, je nach Strömung und Wind.

Schon aus größerer Entfernung sieht man die Tragseilbrücke. Zwei mächtige Pfeiler tragen die Autobahn. Wir machen kurz vor der Brücke noch einen Industriegebiet-Badestopp und schauen beim Abriss einer Zementfabrik zu.

Die Seekarte sagt zwar, dass wir noch gut 15 Meter Platz oberhalb der Mastspitze haben werden, aber es schaut dann doch recht knapp aus, als wir unten durch fahren. Etappe eins ist geschafft.

Wir legen am Stadtkai an und werden sofort von der Port Authority begutachtet. Der Name wird notiert und mit viel Zeichensprache wird uns erklärt, dass das Büro um 18 Uhr öffnet. Dort können wir dann die 35 Euro für die Durchfahrt bezahlen, eine Wasser/Strom Karte kaufen und erfragen, dass es gestern 23 Uhr war, als die Brücke aufging. Viel googeln hat uns schon verraten, dass auf der Brücke ein Leuchtschild für die Autofahrer prangt, das verrät, wann die Brücke geschlossen wird. Diese Info wird den Seglern nicht so einfach gegeben, ein kurzer Sparziergang zur Brücke gibt uns bekannt, dass es zwischen 22:45 und 23:45 sein wird. Unter der Brücke tummeln sich Kajakfahrer, die den Strom von bis zu 7 Knoten für ihre Übungen nutzen.

Wir essen an Bord, Evi zaubert für die ganze Familie in der Küche. Ab neun Uhr müssen wir am Funk Wache halten. Um 23 Uhr ist es soweit. Zuerst werden zwei Tanker auf griechisch gerufen, dann die beiden Engländer, dann wir und am Schluss der Amerikaner. Die Tanker sind riesig und ich hätte nie gedacht, dass die durch die schmale Stelle passen.

Bis die beiden ihre Anker gelichtet, in Fahrt gekommen und mit Sicherheitsabstand durch die Brücke gegangen sind, vergeht einiges an Zeit. Wir werden am Funk wieder gerufen, dass wir jetzt dran sind. Wie aufgefordert, haben wir brav den Tankern die Vorfahrt gelassen.

Die Durchfahrt selbst geht recht rasch, ist aber ein Riesenspektakel. Sowohl für uns, als auch die vielen Zuschauer an beiden Seiten. Als wir zu winken beginnen, gröhlen uns Hunderte begeistert zu. Vielleicht hätten wir die Handtücher doch wegräumen sollen.

Wer sich das ganze live anschauen möchte und Nachts nicht schlafen kann, der kann hier auf die Durchfahrt warten: Link.

Kurz nach der Brücke haben wir auf einem sehr schlechten, felsigen Ankergrund die Nacht verbracht. Evi und ich waren gar nicht froh über diesen Ankerplatz. Als in der Früh der Wind auffrischte, sind wir gleich losgefahren. Nur ein Stück weiter empfing uns eine schöne Bucht, die sehr gut geschützt vor den starken Winden lag.

Und schon war er da, der letzte Familienabend. Morgen steigt Mutti wieder aus, fährt mit dem Taxi zum Flughafen und wird daheim ihre „WhatsApp Status Follower“ mit Liveberichten erfreuen. (Wir hätten ihr nicht verraten sollen, dass man nachschauen kann, wer den Status angeschaut hat. Ab da ging es dann nur mehr „Ah, die Bibi hat auch schon geschaut und die Hilde auch.“)

Wieder führen uns die Bewertungen in ein sehr gutes Restaurant. Wir scheinen die einzigen nicht Griechen zu sein und genießen unter anderem Ouzo und fried Squid.

Der Erste Teil der Rückreise beginnt mit dem Dinghy und einer Söhne-Eskorte bis zum Taxi. Dort wird noch kräftig umarmt und ein paar Tränen zerdrückt. Ein paar Stunden später erreicht uns die Nachricht, dass Mutti wieder gut daheim angekommen ist.

Liebe Mutti, wir haben uns sehr gefreut, dass du da warst und die anstrengende Reise auf dich genommen hast. Danke auch, dass du uns die bestellten Sachen mitgenommen hast. Der Kühlschrank hat wieder ein Licht und der Staubsauger einen Filter.

Schön, dass du uns besucht hast, Bussi Michi und Evi

4 Gedanken zu „Sie hat es wieder getan

  1. Sie wird es immer wieder tun!
    Das soll keine Drohung sein. Es war, wie immer, sehr schön bei euch. Ich durfte überhaupt nichts tun, sosehr wurde ich verwöhnt! Mit meinen beiden Söhnen auf (in) einem Boot zu sein, das hat schon was!!! Vielen Dank auch meinen Schwiegertöchtern, was Besseres konnte mir gar nicht passieren! Hab euch Alle sehr lieb!
    Bis zum nächsten Mal – Bussi. 🙂

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  2. Super, dass ihr das gemeinsam genießen könnt und Hut ab vor der Frau Mama!
    Toll, euch bei diesen Abenteuern immer wieder begleiten zu können, die Druchfahrt schaut spannend aus 😉 Alles Gute weiterhin! Bussi Caroline

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