Mein Sohn

Nach unseren Abenteuern in Kalimnos freuten wir uns schon sehr auf Thomas, meinen Sohn. Er flog nach Kos und in wir holten ihn an der Nordseite, in Mastichari ab. Der Wind war ein bissi mau, aber der Hunger trieb Tom in ein Lokal am Kreisverkehr. Von dort schickte er uns ein kleines Video mit einem Schwenk von seinem Bier zur OF, die in der Entfernung vor sich hin wackelte. Trotz des wenigen Windes war eine ordentliche Dünung recht störend beim Dinghy ins Wasser bringen. Ich habe mich sehr gefreut meinen Buben nach so langer Zeit wieder umarmen zu können und Evi musste noch ein bisschen warten, bis wir unser Begrüßungsbierchen getrunken hatten. Wieder an Bord war das hochkurbeln des Dinghys eine sehr wackelige Angelegenheit. Nachdem wir eine ruhige Nacht wollten, segelten wir um Kos herum und ankerten in einer Bucht im Süden. Es war schon fast finster als der Anker fiel.

Am nächsten Tag war mehr Wind angesagt und deshalb hatten wir den längeren Schlag nach Astypalea geplant.

Früh waren alle auf und nach einem Kaffee ging es gleich los. Am südlichen Kap von Kos befragte ich noch unser Routing Programm, wohin es uns denn leiten möchte. Eigentlich wären wir ziemlich gerade auf Astypalea zugesegelt, doch das Programm schickte uns zuerst Richtung Norden um dann nach einer Wende das Ziel anzuvisieren. Und gut war es. Eine ziemlich dicke Gewitter Wolke zog südlich durch und wir konnten Blitze sehen und Donner hören. Das Sekundenzählen ergab eine Entfernung von vier Kilometern. Dort wären wir gesegelt, wenn wir nicht das Programm befragt hätten.

In der Abenddämmerung näherten wir uns der Insel und sahen seit langem wieder Thunfische jagen. Das Wort jagen löst bei Thomas einiges aus und so sind wir eine halbe Stunde mit den Angeln im Kreis gefahren, um die Sprudel der Fische zu verfolgen. Leider ohne Erfolg.

Die erste Nacht verbrachten wir in einer ruhigen Bucht.

Der nächste Morgen brachte uns nur ein paar Meilen weiter in die Hauptstadt.

Wir ankerten um die Ecke und fuhren zur Stadtbesichtigung mit dem Dinghy in den Hafen. Die Straßen sind steil, die Burg am höchsten Punkt. Eine erstaunliche Geschichte wurde uns von den Schautafeln erzählt. Die Burg wurde von den Venezianern erbaut. Hauptsächlich um vor Piraten zu schützen, dann von den Osmanen erobert und irgendwann dann wurde sie wieder griechisch. Jetzt hat man einen tollen Ausblick von da oben.

Am Hauptplatz stehen die Windmühlen, die jetzt als Bibliothek, als Wohnhaus oder als Bar dienen. Das Rätsel, wie das Getreide zu den Mühlen gekommen ist, konnten wir noch immer nicht lösen. Auch diese Insel schaut nicht so aus, als ob hier je Getreide angebaut wurde.

Wir staunen, dass die vorbei ziehende Hochzeitsgesellschaft nicht vor Hitze umkommt. Die Männer mit Anzug und Krawatte, Thomas und ich schwitzen schon im Leiberl mit kurzer Hose.

Die Häuser der ganzen Stadt sind weiß und blau. Alle Kirchen sind auch im typischen blau-weiß gestrichen, dahinter das blaue Meer. Eine Postkartenidylle, wie man sie von den Dodekanos Inseln kennt.

Die nächste Nacht verbrachten wir in einer tiefen Bucht noch auf Astypalea. Thomas musste schauen, was die Thunfische machten. Mit dem Dinghy jagte er ihnen hinter her und erst als es schon zappenduster war, hörte der besorgte Papi das knatternde Geräusch des Zweitakters. Leider ohne Fang, dafür mit einem Grinsen kam der Bub zurück an Bord.

Der nächste Schlag, wieder Richtung Osten war länger und deshalb war frühes Aufstehen angesagt. Auch in der Früh bissen die Thunfische leider nicht und wir segelten in den Sonnenaufgang.

Die kleine Insel Gyali südlich von Kos war unser Ziel. Ein türkises Meer mit Sand als Untergrund wurde uns versprochen. So war es dann auch. Beim Tauchen entdeckten wir Plattfische, die das schleifen der Ankerkette am Grund als willkommene Unterstützung sahen, um nicht selbst buddeln zu müssen.

Außerdem sehen wir den ersten Rochen unserer Reise. Es ist ein Stachelrochen, eines der acht giftigen Tiere in Griechenland. Kurze Zeit später sehen wir dann Nummer zwei und das näher als wir wollten. Ein Petermännchen ging uns sogar an den Haken.

Thomas hat die Umgebung der Insel erkundet und ein Riff als optimalen Fischgrund erkoren. Alleine war das Leinenhandling etwas umständlich, also durfte Papi mit.

Langsam tuckerten wir um die Insel herum und schwupp – di wupp ging uns ein Barrakuda an den Haken. Der Kampf war eher mau, wir waren schon anderes gewohnt. Am nächsten Abend nutzten wir wieder die Dämmerung für unser Anglerglück. Als erstes war das Petermännchen dran, das wir gleich wieder zurück setzten. Und kurz darauf, es wurde schon dunkel, zappelte der zweite Barrakuda. Schnell wurde Evi angerufen, die bereits den ersten Barrakuda in den Ofen schob. „Stopp, wir ham no an!“. Petri Heil, Petri Dank. Evi zaubert uns ein herrliches Fischgericht. Die Köpfe mussten runter, zu groß war der Fang für den Ofen.

Den Rest der Zeit verbrachten wir im Wasser, am Strand bei der Bimssteinsuche. Auf den Fotos sieht man nicht, dass es sich um ein Bergwerk im Tagebau handelt. Den ganzen Tag quietschten Planierraupen, die den wertvollen Rohstoff zu den Förderbändern bringen. Am Ende des Förderbandes liegen die großen Schiffe, Bulk carrier. Wir beobachteten zwei Tage und Nächte, wie der Massengutfrachter immer tiefer im Wasser versank, bis er schließlich voll beladen ablegte, nach Hull, in England.

Wir sammelten Bimsstein, der soll ja ganz toll als Hornhautraspel geeignet sein.

Ein wirklicher netter Ort mit türkisem Wasser, reinem Sandgrund, vielen Tieren, wenn man nach links schaut, rechts ist das Bergwerk und die Quietschefahrzeuge. Evi hat meistens nach Links geschaut, wir nach rechts.

Am Weg zurück nach Kos versuchten wir uns zum ersten Mal an unserem Spinnaker Baum. Wir wollen ihn zum Ausbaumen der Genua verwenden. Mit der dritten Hand von Tom gelang es auf Anhieb gut und wir sind zuversichtlich, dass wir das Ding auch zu zweit gut handhaben können.

So schnell war eine Woche wieder um. Wir ankerten vor der Stadt Kos und gingen in Kos Essen. Am nächsten Morgen war Abschied angesagt. Ich begleitete Thomas zum Busbahnhof und nach einem Kaffee war es dann wirklich so weit. Der Bus zum Flughafen war da und Tom eingestiegen. Die verflixten Scheiben waren verdunkelt, dass ich nur ins leere Winken konnte. Mit Pipi in den Augen machte ich mich auf den Weg zurück zur OF.

Danke Thomas, dass du da warst, ich bin sehr stolz auf dich!

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