Ein bisschen Technik gefällig?

GPX Datei übertragen

Wenn wir nicht gerade Besuch haben, schauen wir auf unsere Liste und da findet sich immer etwas, was repariert gehört.

Für unsere Routenplanung bei längeren Strecken, so ab 40 Seemeilen, verwenden wir ein Routingprogramm. Es heißt QtVLM und wird von einem Franzosen programmiert. Hat man Fragen, gibt es ein Forum und bekommt, sehr prompt, sehr gute Antworten.

Bei der Planung gibt man den Startpunkt, das Ziel und die Uhrzeit der Abfahrt ein. Dann werden die Winddaten aus dem Internet geladen. Diese verstecken sich in GRIB Dateien und stehen kostenlos zur Verfügung. Wir verwenden XyGrib, einfach googeln bei Interesse. Ein weiterer Eingabeparameter ist eine Polar-Datei des Bootes. Diese beschreibt, wie schnell das Boot bei welchem Kurs und Wind fahren kann. Wir planen fast alle Richtungen und Winde mit 5 Knoten. Wir haben schon erlebt, dass wir bei viel Wind und starker Welle nur 3 Knoten fahren konnten und bei wenig Wind und wenig Welle bis zu 7 Knoten flitzen. Nach der Berechnung ist das Ergebnis eine Routendatei, die wir auch auf unseren Plotter laden können. Dort sehen wir dann, ob wir am richtigen Ort zur richtigen Zeit sind.

Nur wie kommt die gpx-Datei vom Computer auf den Plotter. Ganz einfach: Der Plotter hat hinten einen Anschluss für eine micro-SD Karte. Da steckt aber die Navionics Seekarte drin. Außerdem kann man die kleine Karte nicht greifen, wenn man den Plotter nicht abbaut. Der Vorgang ist also: gpx Datei am Computer auf microSD Karte kopieren, Karte in Software am Plotter auswerfen, Plotter abschrauben, Karte herausfummeln, andere microSD-Karte einlegen, gpx-Datei importieren, Karte am Plotter auswerfen, Navionics Karte einstecken, Plotter montieren.

Viel zu mühsam. Der Plotter hat ja drahtlose Verbindungen. Zuerst Wifi. Damit kann man sich mit einem Handy zum Plotter verbinden und ihn fernsteuern, aber keine Dateien kopieren. Man kann auch damit ins Internet um z.B.Netflix zu schauen, aber Dateien kopieren kann man nicht. Ganz genial zur Fernwartung kann man auch AnyDesk verwenden (sowas ähnliches wie mein Bruder und ich verwenden, wenn wir Mutti am PC helfen), aber Dateien kopieren ist deaktiviert. Was soll’s,gibt ja auch noch Bluetooth, damit kann man ja auch kopieren. Aber nicht bei Raymarine. Bluetooth ist dazu da um Audiodateien abspielen zu können. Man kann also mit dem Handy Musik hören und das am Plotter wiedergeben.

Aber es gibt noch einen microUSB Anschluss. Da braucht man dann nur mehr ein micro-USB OTG Kabel, das es beim großen Fluss um 5€ gibt, aber an Bord nicht vorhanden ist. Dafür aber alle benötigten Stecker. Nach ein paar heißen Finger konnten wir dann die Dateien relativ einfach durch Anstecken eines USB-Sticks mit dem selbst gemachten Kabel übertragen, ohne den Plotter abzubauen.

Unser „Freund“ Panos

Immer des G’schiss mit den Handwerkern. Panos kann gut malen, wir sind nach wie vor mit den Lackierarbeiten zufrieden. Aber was alles rundherum schief gegangen ist, füllt eine Liste. Es war wieder Zeit für einen neuen Eintrag. Das Bimini, unser Sonnenschutz, ist mit einem Gestänge montiert. Dieses wurde abmontiert, damit darunter schön lackiert werden konnte.

Schon länger hatten wir den einen Beschlag argwöhnisch im Auge, da er einen Luftspalt zum Deck hatte, aber nur auf der Steuerbord Seite, nicht an Backbord. Und plötzlich ging es Klonk und der Beschlag war mit allen vier Schrauben ausgerissen. Wie vermutet wurde beim Zusammenschrauben wieder gepfuscht. Zwei Schrauben haben gar nicht gehalten und die anderen beiden schafften den Druck nicht. Glücklicherweise haben wir solche Probleme schon öfter gelöst. Selbst bei Dämmerung konnten wir die Löcher aufbohren, normale Buchenholzdübel auf die richtige Länge bringen und mit Epoxy einkleben. Das musste über Nacht trocknen.

Auf diesem Bild sieht man einen Teil des Übels, es wurden zu lange Schrauben verwendet, die dann den Luftspalt ergaben und damit die vier anderen Schrauben nicht genug tief angeschraubt werden konnten.

In der Früh konnten dann die Löcher in die Dübel gebohrt werden und der Beschlag, nach einer Reinigung, angeschraubt werden.

Mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden und es hält bis heute sehr stabil.

Und das alles mit Bordmitteln ohne einkaufen gehen zu müssen.

Unser lieber Watermaker

Der tut nicht mehr so wie er soll. Er produziert nur mehr um die 40 Liter pro Stunde, obwohl er eigentlich 55 Liter können sollte.

So richtig bewusst ist es uns erst geworden, als wir mit Kamila und Christian, unseren neuen Freunden von der SY Bluefish, geplaudert haben. Die haben genau den selben Watermaker.

Exkurs Freunde: Eine der Sachen, die mir am besten an unserer Reise gefällt ist, dass wir sehr leicht mit Leuten ins Plaudern kommen und dabei immer wieder sehr nette Leute kennen lernen.

Ich finde, das ist ein bisschen so, wie in der Sandkiste. Kinder fragen nicht nach Stand, Einkommen, Rasse und haben, nach fünf Minuten gemeinsamen sandkuchenbacken, einen neuen Freund/Freundin. Fast so unbeschwert kommen wir uns auch vor. Ich gebe zu, dass man am Schiff der Anderen schon einiges vermuten kann, aber trotzdem geht man sehr unbeschwert an solche Begegnungen, wie eben mit Kamila und Christian, heran. Und das finden wir sehr schön.

Evi und ich dachten eigentlich, dass unser Watermaker nur 50 Liter kann, nicht 55. Deshalb haben wir ihn auch immer mit dem Maximum von 50 Litern verwendet. Der Hersteller, Aquatec hat ein ganz tolles Service. Meistens wird eine Frage per Email am selben Tag beantwortet, auch am Wochenende. Und so wussten wir nach kurzem, dass entweder elektrisch was nicht passt, oder die Membran defekt ist. Um den elektrischen Teil auszuschließen zerlegten wir – immer mit tatkräftiger Unterstützung von Evi – die Hochdruckpumpe (HP) und konnten die vermeintlichen Abnutzungen nicht finden. Als nächstes wurde die Spannung an der HP gemessen. Oje, zu wenig, nur 11,7 V statt erforderlichen 12,5V

Was kann denn das schon wieder sein. Evi fragte mich, warum ich so viele Schweißperlen auf der Stirn hätte. Erwischt! Ich habe beim Kabelquerschnitt gespart. Ich dachte, es geht auch mit einem dünneren Kabel und habe den Verlust auf einer Länge von fast 10 Metern unterschätzt. Also mussten wir in Kos zum Apothekerpreis des lokalen Seefahrerbedarfsgeschäftes 35mm² dicke Kabel kaufen.

Das ist ganz schön dick und ziemlich umständlich zu verlegen. Noch dazu war es schon Abend und das ist nicht meine Lieblingsarbeitszeit. Unter gutem Zureden und dem Versprechen auf ein gutes Essen von Evi, machten wir uns aber doch noch daran die Kabel in den Untiefen der OF einzuziehen. Kurz vor 23 Uhr war alles fertig und wir freuten uns auf eine richtige Plätscherdusche in der Marina.

Duschen so lange man will, kein Wassersparen, einfach laufen lassen. Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass die Duschen um 21:30 zugesperrt wurden. Mist, wieder nur Sparduschen.

Am nächsten Tag, außerhalb der Marina war Showdown. Wasser machen mit den neuen Kabeln. Aber leider, leider sagt der Schneider, wieder nur 40 Liter.

Der Anruf unter Tränen beim Hersteller erweckte sein Mitleid und er gab uns den Tipp die Alkaline Spülung durchzuführen, wenn das nicht hilft, jene mit Zitronensäure und wenn das nix nutzt, dann ist die Membran kaputt.

Und da stehen wir jetzt, wir wissen wie man Alkaline spült, Zitronensäure spült und dass die Membran defekt ist.

Anscheinend habe ich sie durch die zu dünnen Kabel und damit geringerer Drehzahl der HP Pumpe, kaputt gemacht.

Wir werden uns jetzt noch bis Ende November mit der geringen Leistung abfinden und dann im Frühjahr die neue Membran einbauen.

Evi und ich kennen die Anleitung schon fast auswendig. Manchmal wache ich auf und Frage sie schlaftrunken, Seite 14, 2ter Absatz. „Langsam den Druck auf 30bar erhöhen“ kommt wie aus der Pistole geschossen.

Und da war sie wieder unsere Diskussion. Was ist langsam? Evi und ich hatten hier komplett andere Ansichten. Für mich war langsam so zirka 10 Sekunden, vielleicht 15. Evi meinte, dass 2 Minuten langsam sind. Um den Druck zu erhöhen, dreht man an einem Druckregelventil, solange bis der gewünschte Druck am Manometer angezeigt wird. Wie löst man diese Frage? Herr Matz muss wieder her. Ich habe dann bei der Formulierung ein bisschen geschummelt und geschrieben, dass ich immer 20 Sekunden bis 30bar benötige. Die Antwort war klar. 20 Sekunden sind das Minimum, ein zu lange gibt es nicht.

Und täglich grüßt das Dinghy

Wir wissen schon ganz gut, wie man Löcher in einem Dinghy findet und noch besser, wie man sie flickt. Auch dazu haben wir alles an Bord. Evi kennt sich aus mit Millilitern und Spritzen und was 4% Verdünnung bedeuten. Ich schmiere den Batz dann gekonnt auf, und meistens ist es dann auch dicht.

Wenn man das Dinghy nicht unter einer Betonmole mit scharfen Kanten parkt. Die vorbei fahrenden Fähren haben unser Kleines unter die Kante gedrückt und die Wellen haben dann lange Zeit daran gescheuert.

Diesmal hat sich Evi am Anfang geweigert zu helfen, da sie mich energisch auf die Verwendung des kleinen Heckankers hingewiesen hat, mit dem es zu diesem Schaden nicht gekommen wäre. „Ah, des geht scho!“ führte dazu, dass ich die erste halbe Stunde alleine Flicken schneiden musste, bis sie sich doch erbarmte. Jetzt hat das Dinghy wieder sieben neue Flicken. Evi meint wir sollten bunte kaufen, dann schaut es aus wie ein Marienkäfer. Die sieben Flicken picken hervorragend. Leider ist das Dinghy nicht dicht und wir sind auf der Suche nach weiteren Löchern …

Spinnaker Baum

Der Spinnaker Baum wird, wie der Name verrät, verwendet um einen Spinnaker zu segeln. Unseren Spinnaker haben wir bisher gaaanz tief unten im Boot verstaut und mittlerweile haben wir ihn auch verkauft. Zu zweit ist er uns zu schwer zu handhaben und ich habe noch nie einen Spinnaker gesegelt.

Man kann den Spinnaker Baum aber auch dazu verwenden um das Vorsegel, in unserem Fall einen Yankee (eine hoch geschnittene Genua) auszubaumen. Aber auch das war mir bisher zu gefährlich. Als ich einmal bei der Round Palagruza Regatta mitfahren durfte, hatten die, die für den Spinnaker Baum zuständig waren Helme auf. Auch Unfallstatistiken wiesen auf die Gefährlichkeit dieses Ausrüstungsgegenstandes hin.

Mit nicht ausgebaumter Genua zu segeln bedeutet aber, dass sie oft einfällt, um sich kurz darauf mit einem lauten Knall wieder mit Wind zu füllen. Ein Geräusch, das mitten in die Magengegend drückt. Also haben wir (hauptsächlich Evi) sich eingelesen und viel über den sicheren Umgang mit Spinnaker Bäumen gelernt – theoretisch. Alle beschriebenen Leinen kamen mir bekannt vor, so eine hatte ich doch irgendwo an Bord gesehen. Als Thomas uns besuchte, wagten wir den Versuch. Zwei starke Männer am Vordeck, eine starke Frau an der Winch, was soll da schief gehen. Und wirklich, wenn alle Leinen richtig angebracht sind, verliert der Spinnaker Baum seine Gefährlichkeit und kann gut bedient werden. Wichtig ist, dass man ausreichend viele Leine verwendet. Das sind mindestens drei, besser vier. Wir werden dann vier verwenden.

Zuerst ist da der Toppnant. Der zieht den Baum nach oben. Er ist ganz vorne am Baum und hoch auf dem Mast montiert, umgelenkt durch den Mast ins Cockpit. Und als wir ihn zum ersten Mal verwendet haben, merkten wir, dass wir ihn gar nicht bedienen müssen. Wenn der Baum am Mast abgesenkt wird und dabei die Spitze des Baumes nach außen geht, stimmt die Länge des Toppnants automatisch und er muss – bei uns – nicht verändert werden.

Der Niederholer verhindert das Steigen des Baumes. Er ist auch vorne am Baum angeschlagen. Er wird über eine Umlenkrolle zum Cockpit geführt und kann von dort bedient werden. Einmal festgemacht bleibt der Baum an seiner Position und kann nicht mehr schwingen.

Die dritte Leine ist die Spinnaker Schot, die hält Segel und Baum nach außen und stabilisiert zusätzlich. Sie ist am Schothorn der Genua angeschlagen und führt außen über eine Umlenkrolle zum Heck und zurück ins Cockpit.

Die beiden Genuaschoten bleiben angeschlagen und werden lose gefahren.

Die vierte Leine, die man am Bild noch nicht sieht, ist der Achterholer, eine Leine die dann den Baum in einer Position hält, auch wenn die Spinnaker Schot gefiert werden muss, um zum Beispiel das Segel zu reffen.

Wir haben diese Technik bei leichterem Wind auch schon ausprobieren können und waren mit dem Ergebnis sehr zu frieden. Ein bisschen viele Schnüreln an Deck, dafür gab es keine schlagende Genua und keinen schwingenden Spinnaker Baum. Wir werden fleißig weiter üben.

Solche lustigen Dinge machen wir, wenn wir gerade keinen Besuch haben.

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4 Gedanken zu „Ein bisschen Technik gefällig?

    1. Lieber Jürgen, danke für deinen Kommentar. Ich sammle schon wieder, damit ich noch einen Artikel zusammen bringe. Derzeit suchen wir aber Löcher im Dinghy und finden sie nicht…
      lg Michi
      PS: Heute gabs Bier: 2 zum Preis von einem

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  1. Hallo ihr Lieben,
    dein Text erinnert mich an einige der Texte, die ich übersetze. Ich finde zwar die richtigen norw. Fachausdrücke, habe aber nicht wirklich eine Ahnung, wie das Ding / die Dinge funktionieren… Das muss ich in diesem Fall ja auch nicht, ihr kommt ja Gott sei Dank problemlos ohne meine Hilfe aus 😉

    Liebe Grüße aus dem stürmischen Himberg

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