Ulli und Erich an Bord

In Kardamena auf Kos haben wir unsere lieben Gäste abgeholt. Der Meltemi war wieder einmal aktiv und die Prognose für die nächsten Tage war lila in den Böen, das bedeutet mehr als 35 Knoten. Kein Wind bei dem man segeln möchte. Nachdem wir die Prognose schon gekannt haben, wurden die beiden über den bevorstehenden Wind informiert.

Nachdem wir nun mit dem Meltemi etwas Erfahrung haben, sie aber nicht, kam es ein bisschen zu unterschiedlichen Vorstellungen. Sie sahen sich bibbernd vor Kälte und Regen unter Deck ausharrend, bis der Wind wieder nachlässt.

Das Taxi brachte sie vom Flughafen direkt vor die Bar, wo wir warteten. Sie kamen direkt von ihrem Segeltörn auf einer Bali 42, Open Space. Einem Katamaran mit sehr viel Platz. Die Anreise war spannend und anstrengend mit Flügen von Zadar nach Mailand und dann nach Kos.

Aber alles hatte gut geklappt und unter den erstaunten Blicken der Barbesucher umarmten wir uns alle mit Pippi in den Augen. Nach dem Begrüßungsdrink genossen wir ein sehr gutes Essen in einem Tripadvisor Tipp weiter hinten im Ort. Die OF wartete wackelnd auf uns und am nächsten Tag war frühes Aufstehen mit starkem Wind angekündigt. Da wir mit dem Wind segelten war es nicht so schlimm. Nur die Genua war gesetzt und wir überlegten lange, ob wir eine Abkürzung durch türkische Gewässer nehmen sollen. Von „sicher nicht“ bis „ged scho“ war alles dabei. Ich entschied dann eine kleine Abkürzung zu machen, um zu sehen was passiert. Es ist nix passiert, keine Cost Guard und der Anker fiel nach einer flotten und doch ein bisschen wackeligen Überfahrt. Die tiefe Bucht auf Symi beherbergt ein Kloster und ein paar Häuser, eine Taverne und ein Kaffeehaus. Reicht doch für zwei Tage.

Mit Symi hatten wir uns eine Insel ausgesucht, die nicht ganz in der Meltemi Zone liegt. Der Wind dort war dann sogar schwächer als angekündigt. Wir konnten Baden, das Kloster besuchen und den Dorfwirten einen Besuch abstatten.

Das Kloster ist dem Erzengel Michael gewidmet und der beschützt hier die Seeleute. Einmal im Jahr wird das auch groß gefeiert. Pilger bringen Besen mit, damit das große Kloster auch immer schön sauber ist – kein Scherz.

Mönche gibt es auch hier und die nehmen ihre Aufgabe anscheinend sehr ernst. Als wir uns in einen der Arkadengänge zur Besichtigung wagten, hörten wir das Schmerz erfüllte Stöhnen. Beim ersten Mal zuckten wir zusammen, beim zweiten Mal ergriffen Erich und ich die Flucht. Nur Evi hörte es sich ein drittes Mal an. Wir nehmen an, dass es sich um selbst beigefügte Schmerzen als Bestrafung handelte. Die Fantasie war ausreichend beflügelt und wir spazierten lieber zur Windmühle, zum Sonnenuntergang des vergessenen Sundowners.

Überall fanden wir Steinmuster am Boden, die aus schwarzen und weißen, runden Steinen in mühsamer Kleinarbeit verlegt wurden. Auch später in der Hauptstadt der Insel fanden wir die schöne Handarbeit.

Anlegende Fähren und ein bisschen Ankersalat verkürzten uns den Tag. Als ein Nachbar das Schiff verließ und sich der OF bis auf zwei Meter näherte waren wir auch wieder einmal Teil des Hafenkinos.

Dabei haben wir ein fast immer wirkendes Abwehrsystem. Kommt uns ein Anfängerboot zu Nahe beginnt unser mehrstufiger Plan. Zuerst geht Evi nackert an Deck und schaut mal, was sie so treiben. Hilft das nicht, folge ich, auch nackert. Ist die Reaktion nicht wie gewünscht, fangen wir langsam an die Fender zu montieren. Hilft das auch nicht, frage ich den Skipper wie viel Kette er gesteckt hat.

Das führt meistens zu einem klärenden Gespräch. So konnten wir für zwei andere Schiffe und uns eine ruhigere Nacht garantieren. Einer wusste aber alles besser und kam uns dann sehr nahe. Diesen, die gleiche Sprache sprechenden Skipper, mussten wir dann doch bitten seinen Anker aufzunehmen und ein bisschen wo anders fallen zu lassen. Murrend und Zähne knirschend wurde unserer Bitte folge geleistet.

Als wir wieder einmal am Ufer entlang sparzierten fiel uns eine große Flasche auf, die verkehrt herum in einem Gestell montiert war. Unten war eine kleiner Hahn angebracht, aus dem man die Flüssigkeit in kleine Gebinde umfüllen kann. Die kleinen Fläschchen waren aus Plastik, zirka 3 Zentimeter groß, wie Augentropfen, die Flüssigkeit Öl. Nach kurzem Rätseln sprachen wir den Mann an und fragten ihn ob er Englisch kann. Er konnte es nicht, dafür aber Deutsch. Er erklärte uns, dass es sich um Olivenöl handelt. Der Großteil aus dem Supermarkt und ein kleiner Teil aus dem Olivenhain hinter dem Kloster. Dazu hob er eine kleine Wasserflasche, gefüllt mit Olivenöl über den Trichter und füllte demonstrativ ein paar Schlucke in die Flasche. Aha, das Öl wird also gestreckt und dann als „original Symi Kloster Öl“ verkauft. Aber, das kleine Fläschchen kann noch mehr, es wird nämlich in der Kirche geweiht, was der Mann so ausdrückte: „Ich fülle ab, dann kommt in Kirche, dann macht Pope ein bisschen Bla Bla und dann wird verkauft“.

Wir konnten uns fast nicht halten vor lauter Lachen.

Einen „schen Donk“ auch noch für die sehr liebe Geste uns ein paar Heimatgrüsse mit zu nehmen und das trotz Handgepäcks und Direktanreise vom letzten Segeltörn.

Den kleinen Rubik haben wir verdreht und so wird er jetzt wohl ein Zeitl herumliegen.

Nach zwei Tagen in dieser sehr sicheren Bucht umsegelten wir Symi, auf deren Ostseite sich Pedi befindet. Auch eine sichere Bucht und der Weg zur Hauptstadt, Symi ist nicht weit. Man kann zu Fuß gehen oder bei der Hitze, mit dem Taxi oder Bus fahren.

Symi und die Oberstadt sind sehr pittoresk und wir verbrachten einige Zeit durch die Straßen zu streunen.

Wir hatten genug Zeit um verschiedene Lokale bei uns in der Bucht, in der Oberstadt und auch in Symi am Hafen auszuprobieren. Für einen schnellen Snack wollten wir direkt am Meer sitzen und die Aussicht genießen. Diese Aussicht wird auch der Grund sein, warum sich die Kellner nicht um ihre Gäste bemühen müssen. Es war ein bisschen eine Tourifalle.

Die beiden Lokale in der Bucht waren sehr griechisch, freundlich und gut, so wie wir es kannten. Das Lokal in der Oberstadt war vom Feinsten.

Überall in der Stadt gibt es nette Plätze, die auf einen Drink einladen.

Ulli und Evi besuchten das kleine Museum in der Oberstadt. Erich und ich hatten einen trockenen Mund, den wir dann aufgrund fehlender Lokalitäten doch nicht benetzen konnten. Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass das Museum SEHR sehenswert sei. Erst Stunden später wurde uns in kleinen Happen erzählt, was es alles so tolles dort gegeben hat.

In der Zwischenzeit konnten wir unseren Spinnaker über Willhaben verkaufen und Erich half mir das 25 kg Ding zum örtlichen Paketdienst zu bringen. Schweiß gebadet fanden wir dort endlich eine Mundbenetzungsversorgungsstelle.

Wahrscheinlich war es ihr Segeltörn mit den wenigsten Meilen bisher. Wir konnten aber aufgrund der Windsituation nicht riskieren noch andere Inseln zu besuchen. Sie haben uns bestätigt, dass es ihnen trotzdem gut gefallen hat und wir haben uns sehr gefreut, dass sie mit uns Zeit verbracht haben.

Schon wieder war Abschiedstag, die beiden hatten eine lange Reise vor sich. Zuerst mit dem Dinghy an Land, mit dem Taxi nach Symi, mit der Fähre nach Kos, mit dem Bus zum Flughafen, mit dem Flieger nach Wien und den Rest kann man sich denken. In Kos konnten sie noch ein bisschen chillen und das Meer genießen.

Danke, dass ihr da wart und, selbstredend, hatten wieder alle vier beim Abschied Pippi in den Augen.

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