Schäffe an Bord

Oder eigentlich Ex-Chef oder eigentlich mittlerweile guter Freund. Franz und Noemi haben uns für ein paar Tage besucht. Eigentlich hätten wir geplant gehabt mit ihnen ein bisschen in der Türkei zu segeln, aber der Wind hat uns wieder mal den Plan ändern lassen.

Ihr Flug war so und so nach Kos gebucht und so kamen sie in Kardamena an Bord. Zum ersten Mal hatten wir mit Noemi einen Gast, den wir gar nicht kannten. Wir haben auf Franz guten Geschmack vertraut und schnell eine neue Freundin gefunden. Wir gingen noch in ein gutes griechisches Restaurant direkt am Kai und lichteten den Anker Richtung Gyali. Franz hatte uns eine ziemliche Aufgabe gestellt, er wollte einen Fisch fangen, Delfine sehen und gut Essen gehen. Nummer drei war schon gut erledigt und in Gyali fing ich mit Thomas die beiden Barracudas.

Bei Dämmerung rüsteten wir uns mit Angeln und Haken aus und gingen im Riff auf Lauer.

Und wirklich ging uns wieder ein kapitaler Barracuda an die Angel. Wir konnten ihn schon sehen und der Kescher war schon ausgebracht, als sich der Lauser vom Haken riss und im Dunkel des Riffs verschwand. Konnte man das schon als „gefangen“ zählen? Man weiß es nicht, spannend war es auf jeden Fall.

Auch das Tauchen in der Bucht bescherte uns wieder Rochen, Seesterne und Plattfische. Beim Bimsstein sammeln musste ich Evi zurückhalten, unsere OF hat schon Schlagseite.

Franz ist auch Imker und so bekamen wir nicht nur die bestellten Weizenkeime sondern auch selbst gemachten Honig, Marmelade, harte Würstel, Salami und guten Wein. Vielen Dank für die lieben Mitbringsel.

Der nächste Tag brachte uns bei tollem Segelwind nach Tilos. Wir ankerten vor der kleinen Stadt und gingen mit dem Dinghy an Land. Evi hat eine verlassene Stadt als Sehenswürdigkeit gefunden.

Zuerst ging es der Straße entlang immer bergauf Richtung Dorf. Als wir den markierten Wanderweg fanden, konnten wir wilden Oregano erschnüffeln und auch tote Ziegen. Der Oregano riecht besser und wurde beim Rückweg ordentlich gerupft.

Der Oregano wurde nach dem Pflücken im Cockpit für drei Tage getrocknet und dann mit der Hand von den Stielen und anderem Unkraut befreit. Danach wurden die letzten Unreinheiten mit dem Sieb entfernt.

Am Schluss wurde das Gewürz in Gläser gefüllt, beschriftet und Noemi bekam ein großes Glas zum mit nach Hause nehmen.

Einen griechischen Salat mit selbst gepflücktem durften wir gleich an Bord genießen.

Ziegen haben uns den ganzen Weg begleitet und im Dorf erschreckten sie uns, als sie unvermutet aus Fenstern hüpften. Der Ausblick von da oben war hinreißend.

Mikro Chorio heißt die verlassene Stadt. Es gibt Steinhäuser, eine Kirche und ein Kaffeehaus, das wieder in Betrieb ist. Leider nicht, als wir da waren. Man konnte sich gut vorstellen, wie die Leute hier gelebt haben und auch wie mühsam die Häuser gebaut werden mussten.

Die Stadt wurden in den 1950ern verlassen, warum genau konnten wir nicht herausfinden.

Jetzt wird sie von Ziegen und Katzen bevölkert und von Touristen besucht. Eine eigene, neue Straße wurde dazu gebaut.

Vor fast jedem Haus steht eine Ölmühle und oft fanden wir tiefe, verputzte Gruben, deren Sinn sich uns nicht erschloss.

Nach einem sehr guten Abendessen im Ort ging es am nächsten Tag weiter nach Symi. Wir hatten den beiden schon vom Mönch mit den komischen Lauten erzählt. Beim diesmaligen Besuch des Klosters hörten wir aber nichts, zum Glück.

Dafür schwammen jede Menge Schildkröten um uns herum und wir konnten wieder das Spielchen „Wer sieht die Schildkröte“ spielen. Das Spiel gefiel den beiden so gut, dass Franz es als Ersatz für eine Delfinsichtung akzeptierte.

Bei der Windmühle bereiteten wir uns diesmal professioneller auf den Sundown vor. Mit Kühltasche und entsprechendem Inhalt warteten wir, bis der Gluatmugel hinter der kleinen Insel im Meer versank. Die letzten Sonnenstrahlen nutzten wir für schöne Fotos.

Bei tollen Windverhältnissen ging es am nächsten Tag weiter. Der Wind kam direkt von hinten und wir konnten mit dem ausgebaumten Yankee und dem Grossegel Schmetterling segeln. Rascher als gedacht waren wir an unserem nächsten Ziel, Rhodos. Vielleicht auch deshalb, weil wir einen Abschneider genommen hatten und zwei Stunden lang in der Türkei gesegelt sind. Keiner hat’s gemerkt, glauben wir, zumindest hat uns keiner geschimpft. Evi hat am Vortag am Funk gehört, dass ein „turkish warship“ einen Segler gerufen hat, der zu nahe segelte. Wo genau zu nahe fanden wir aber nicht heraus.

Die Reise war ein bisschen rollig und Franz musste unsere Akkupressurbänder ausprobieren, die aber gut halfen.

Am Ankerplatz gab es ein kleines Riff zum Tauchen, das die beiden mit Taucherbrille und Schnorchel besuchten.

Hinter uns lag die riesige Segelyacht von Bill Joy, einem Mitbegründer von Sun Systems und Entwickler des vi. Wir prägten uns sein Gesicht ein, vielleicht würden wir ihn ja in der Stadt treffen.

Die Altstadt von Rhodos hat uns alle verzaubert. Umzäunt von einer intakten Stadtmauer findet man im Inneren zahlreiche mittelalterliche Häuser. Wir speisten sehr gut in einem Haus, das um 1500 die Ritter der Zeit beherbergte.

Ritterrüstungen kann man überall in Rhodos kaufen, genauso wie Pelzmäntel und Ledertaschen.

Jeden Tag legen hier mindestens drei Kreuzfahrtschiffe an. Pro Schiff zirka 3.000 Gäste, die dann auf die Altstadt losgelassen werden.

Da für den nächsten Tag leider schon die Abreise von Franz und Noemi geplant war, verlegten wir uns in den Stadthafen, von dem aus die Fähre nach Kos gut erreichbar war.

Wir verbrachten den zweiten Tag in der mittelalterlichen Stadt mit streunen und baden. Am Badestrand entdeckten wir einen Sprungturm. Der war mitten ins Meer gebaut und hatte vier Sprungebenen. Wir testeten alle Höhen und von ganz oben gesprungen, schießt das Salzwasser direkt bis ins Hirn, wenn man sich nicht die Nase zuhält.

Den Abend verbrachten wir wieder in der Altstadt. Die vielen Händler preisen ihre Waren an und es ist recht schwierig ihren Angeboten zu entgehen.

Der letzte Abend wurde zu einem Wok Abend mit anderen als griechischen Geschmäckern. Nachdem wir alle vier Freunde des asiatischen Essens sind, war uns die Abwechslung willkommen.

Wir hatten viel Zeit an Bord zu plaudern und Noemi hat uns viel über Ihren Beruf als Pferdetrainerin und Westernreiterin erzählt. Komplettes Neuland für uns und damit sehr interessant.

Auch, dass die beiden unter die Hendlzüchter gegangen sind war spannend. Mittlerweile wuselt schon einiges an Tieren auf ihrem Hof.

Wir waren froh, so nette Gäste gehabt zu haben und freuen uns schon auf ein Wiedersehen in der Heimat.

Die Heimreise mit Fähre, Bus, Flug und Auto klappte gut und noch vor Mitternacht waren die zwei nach einem anstrengenden Reisetag daheim.

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