Türkei

Einen kleinen Nachtrag zu Griechenland habe ich noch, weil es so lustig war. Wir ankerten in Gyali, als ein Charterboot angesegelt kam. Sie fuhren sehr langsam zum Ankerplatz. Die junge Dame am Steuer rief die Tiefe des Wassers nach vorne und der junge Mann am Anker nickte beflissen. Wir waren uns einig, die haben ein Problem. Sie hatten nämlich noch das Großsegel gesetzt. Und unter Segel zu Ankern macht man entweder zum Üben oder wenn man ein Problem hat. Irgendwann fiel der Anker und die Crew begann sich abzukühlen. Das Boot schwojte bedenklich hin und her, da der Wind immer wieder in das Segel blies und das Schiff damit auf die Seite drückte. Als dann auch noch der junge Mann ins Wasser sprang und damit niemand mehr an Bord war, musste ich handeln. Die Yacht drehte sich manchmal sehr zur Seite und ihr Bug zeigte genau auf uns, wenn da der Anker nicht hält, nicht auszudenken. Also hüpfte ich ins Wasser und schwamm zur vierköpfigen Crew. Eine der Damen fragte ich, wer denn der Skipper sei. Sie deutete auf den jungen Mann und ich fragte ihn: „Sorry, do you have a problem with your boat, can i help you?“ „Why?“ war die verdutzte Antwort. „Because you have your sail up“. Worauf seine Augen größer wurden „Oh my goodness, i forgot it“. Er schwamm zurück zum Boot und barg das Segel und ich zurück zur OF um Evi zu berichten. Es gab doch ein Problem, aber ein anderes…

Beim setzen der türkischen Flagge fiel mir gar nicht auf, dass die griechische Flagge bei mir im A… war. Was für ein Fauxpas.

Welcome Marmaris – Nachdem wir ein gutes Platzer gefunden hatten um mit unserem Dingsy Dongsy anzulanden, begannen wir Marmaris kennen zu lernen. Als erstes wollten wir (oder ich?) türkisch Essen gehen. Wir hatten schon viel von der türkischen Küche gehört und nach sechs Monaten Souvlaki et al stand uns der Sinn nach Abwechslung.

Und wir wurden nicht enttäuscht. Wir empfinden die Küche in diesem Land als eine Gaumenfreude.

Es gibt Suppen, viel frisches Gemüse, auch als Vorspeisen und die Hauptspeisen werden reichlich mit unterschiedlichsten Beilagen garniert. Die Schärfe variiert nach belieben. Das Fleisch ist saftig und nicht zu lange gegrillt oder gebraten.

In jeder Stadt gibt es einen Atatürk Boulevard, einen Platz und auch ein Denkmal. In den meisten Geschäften hängt ein beeindruckendes Bild von ihm. Im Marinegeschäft unseres Vertrauens hing das Foto des Geschäftsinhabers mit seinem Vater direkt neben dem Konterfei von Mustafa Kemal Atatürk.

Sogar fast hundert Jahre nach seinem Tod wehen die Flaggen an seinem Sterbetag auf Halbmast. Ein beeindruckendes Vermächtnis.

Der Spruch auf dem Sockel seines Denkmals hat uns sehr gut gefallen: „Peace at home. Peace in the World“

Leider hat ein riesiger Waldbrand unseren Besuch überschattet. Vier Löschflugzeuge zogen ihre Runden über der Bucht von Marmaris. Über Funk hörten wir immer wieder die Aufrufe, dass die Schiffe auf die Seite fahren sollten, damit die Flugzeuge Wasser tanken konnten.

Die Anzahl der Helikopter schätzen wir auf 15, die mit ihren riesigen Wassersäcken auch am Löschen beteiligt waren. Das Feuer wurde durch einen 83 jährigen Imker ausgelöst, der beim Entfachen des Rauches für seinen Job etwas Glut verloren hat, der Arme.

Für den nächsten Tag hatten wir eine Flussfahrt gebucht. Der Bus kam um 8:30. Das bedeute für uns, dass wir wieder einmal dieses Ding, wie heißt es doch gleich, aja Wecker benötigen.

Wir waren beide gespannt, ob wir ihn hören würden, waren dann aber vor Aufregung schon beide vor dem Klingeln wach. Das Dingsy legten wir wieder am Strand ab und gingen zu Fuß zum vereinbarten Treffpunkt. Fast pünktlich erschien der gelbe Doppeldecker. Es waren noch genau zwei Plätze im oberen Stockwerk frei, leider nicht nebeneinander. 100 Leute in einem Bus, Corona lässt grüßen. Wir hatten als Einzige Masken auf. Nachdem die Türkei eines der wenigen Länder ist, das russische BürgerInnen bereisen können, war der Bus mit zirka 90% Russen belegt. Der Rest waren Briten und wir zwei. Unser Reiseführer, Dimitri, war einer von der ganz lustigen Sorte, was haben wir gelacht. Dimitri ist vor zehn Jahren aus Russland in die Türkei ausgewandert. Sein gutes Englisch hat er sich in den USA angeeignet. Und so erzählt er zuerst auf Russisch und dann auf Englisch den Tagesablauf. Als wir zum zweiten Mal auf die Frage „where are my English speakers?“ nicht laut aufschreien, wirft er uns einen bösen Blick zu. Als wir dann noch bei „are we having fun?“ nicht laut grölen, sind wir unten durch und werden dem Boot B zugewiesen. Im A Boot sitzen nur Russen und im B Boot der Rest. Warum wir bei voll besetztem Boot alleine auf einem sechser Tisch sitzen, wissen wir auch nicht.

Nun lernen wir die feinen Unterschiede zwischen „a meal is served“ und „a meal is included“ sowie „there are beach chairs“ und „beach chairs are included“. Als Mittagsmenü stehen zur Auswahl Fisch (Seabream = Dorade) oder Chicken. Für den Abend können wir zwischen Fisch und Krabbe wählen.

Evi und ich beraten kurz und ich bestelle für den Mittagstisch einmal Fisch und einmal Krabbe. An seinem Gesicht entdecke ich in Millisekunden meinen Fehler, dass es zu Mittag keine Krabben gibt. Ich öffne den Mund um mich zu entschuldigen und die Bestellung zu korrigieren, doch es ist zu spät. Ein „you don’t listen, do you?“ trifft mich voll ins Antlitz und wir sind endgültig unten durch.

Die Landschaft entschädigt und für alles. Der See ist wunderschön und die bergige Landschaft liegt in einem leichten Dunst. So geht es über eine Stunde lang quer über den See. Unsere jungen Nachbarn dürstet es. Der frisch gepresste Granatapfelsaft ist nicht das, was sie wollen. Sie verlangen Vodka. Unser Schiffsmann mit den vielen Funktionen (Koch, Anlegehilfe, Krabbenalleinunterhalter, Getränkelieferant,…) schreit dem Kapitän etwas zu.

Darauf hin wird unser Boot Seite an Seite mit dem anderen Boot gebracht. Ein, zwei Personen steigen über, ein paar Gläser kommen zu uns an Bord und eine Flasche mit klarer Flüssigkeit. Seref serviert den jungen Gästen die türkische Antwort auf Vodka, Raki. Nachdem anscheinend nicht zu oft Raki verlangt wird, erhellen sich die Gesichter unserer Freunde als Seref die Viertelgläser gut mit dem Anis-Schnaps füllt. Zum Herunterspülen wird Granatapfelsaft, Wein und Bier gereicht. Die Sonne am Oberdeck wird dann später den Rest mit unseren Nachbarn erledigen.

Die erste Station unserer Reise ist das Schlammbad. Es werden uns noch an Bord die Verhaltensregeln erklärt. Eine lautet, dass wir mit dem Dreck am Körper nicht ins Wasser hupfen dürfen, zuerst duschen.

Wir suhlen uns genüsslich im leicht faulig riechenden Schlamm, das muss gesund sein. Danach muss man den Matsch trocknen lassen um die volle, gesunde Wirkung zu erreichen. Als wir uns nach dem Duschen dem See zuwenden, sind wir erstaunt, welche Menge an Ungeduschten gleich ins Wasser hüpft. Wir springen auch hinein und versuchen den feinen Schlamm aus dem Badegewand zu waschen, er wird uns noch Tage begleiten.

Danach genießen wir das 40 grädige Thermalwasser. Eine Kuppel sorgt für interessanten Lichteinfall und dafür, dass die Dämpfe im Raum bleiben. Die sind laut Dimitri sehr gesund für unsere Lungen, sprachs und zündete sich eine Papirossa an.

Während wir plantschten und gatschten wurde am Schiff fleissig gekocht. Der Fisch war schon gegrillt als wir wieder an Bord kamen. Mit Salat und Brot gereicht, waren wir erstaunt wie in der Miniküche unter Deck so eine Menge an Essen, und das durchaus gut gebraten, serviert wurde. Während wir aßen wurde abgelegt und wir fuhren in den mäandernden Fluss ein. Hier konnten wir die lykischen Felsengräber bewundern. Eine Art der Bestattung, die für besonders Reiche um 600 vor Christus gewählt wurde. Die Gräber hatten ungeplündert bis in das 11 Jahrhundert überdauert, bis sie von den Osmanen ausgeraubt wurden, wie uns Dimitri grinsend erzählte.

Ab jetzt gab es auch die Möglichkeit, dass Schildkröten auftauchen könnten, wir sollten auf der Hut sein. Wie auf Befehl reckten alle ihre Hälse, entdeckten aber nichts.

Die beschauliche Landschaft mit Eseln, Ziegen, Kühen zog an uns vorbei und wir genossen es sehr, dass wir uns weder um die Tiefe des Wassers noch um den Wind kümmern mussten.

Als nächste Attraktion wurden uns die blauen Krabben, die unser Nachtmahl darstellten präsentiert. Jeder musste sie einmal halten und unser Unterhaltungschef zeigte seine schönsten Zahnlücken, bis die jungen Damen zu kieren begannen.

An der Mündung des Flusses liegt eine sehr schöne Sandbank. Hier landen drei verschiedene Schildkrötenarten und legen ihre Eier ab. Viele Schilder erklären den Ablauf und verschiedene Bereiche sind zum Schutz abgesperrt. Wir verbringen knappe zwei Stunden am Strand – ohne Liegen – und genießen das Rauschen der Wellen.

Besonders ermahnt wurden wir pünktlich zurück zu sein. Da gäbe es dann die große Möglichkeit Schildkröten zu beobachten. Wir lieben es auch, diese riesigen Meeresbewohner zu betrachten. Das Schauspiel hier an Bord ließen wir aber aus. Sie wurden mit den Resten der Krabben angelockt und unser Schiff senkte sich bedenklich als sich fast die gesamte Besatzung am Heck versammelte. Unter lautem „oh“ und „ah“ konnten wir rein akustisch feststellen, wann sie auftauchten. Dimitri schüttelte nur mehr den Kopf, als er uns alleine auf unserem Tisch sitzen sah, ohne das Spektakel mitzumachen.

Die Krabben wurden kalt in einer Plastikschale serviert. Dazu gab es einen kleinen Hammer, mit dem man direkt am Tisch die Scheren zertrümmern konnte. Viel dran ist nicht, aber schmecken tut es gut.

Die Reste wurden sauber getrennt, wir nehmen an, dass sie am nächsten Tag als Schildkrötenfutter dienen sollten.

Schön langsam ging es wieder zurück. Viele Hotels und Restaurants sowie eine kleine Stadt finden sich links und rechts am Ufer. Eine Hochzeitsfeier war gerade im Gange, als wir daran vorbei fuhren.

Eine Gulet Werft konnte man auch sehen, hier werden große Holzboote nach alter Tradition gebaut, da würde ich gerne einmal mitarbeiten. Der Rückweg verlief ruhig und man konnte sich vom Plätschern der Wellen zum träumen anregen lassen. Auch unsere Freunde am Nebentisch lagen übereinander auf den Bänken in einem gewissen Erschöpfungszustand.

Wir ergatterten zwei Sitzplätze nebeneinander im Bus und ich war erstaunt, dass alles was einen Motor hatte unseren Bus überholte. Nur an zwei Pferdefuhrwerken fuhren wir unter lautem Hupen vorbei. Müde und geschafft, aber sehr zufrieden, stiegen wir am Atatürk Platz wieder aus und verabschiedeten uns höflich. Auch wenn der Zynismus im Bericht auf Anderes schließen lässt, der Ausflug hat uns wirklich gefallen.

Dingsy Dongsy picki

Wie schon hinlänglich bekannt geht unserem Dingsy wieder einmal die Luft aus. Wir verbrachten einige Zeit mit der Suche und fanden auch wieder eine Stelle. Leider blubberte es unter einer frischen Klebestelle heraus.

Es half alles nichts, ein Spezialist musste her. Den fanden wir dank google auch recht schnell. Wir vereinbarten ein Treffen am Strand und nach Kurzem war klar, dass uns rasch geholfen werden konnte.

Wir sollten am nächsten Tag in den Fluss bei der Marina einfahren und das Brüderpaar dort treffen. Schnell war unser Scooter aus dem Wasser gehoben und auf den Pickup verladen. Die Werkstatt der Beiden ist der Gehsteig. Dort wurde das Dingsy nass gemacht und dann mit einem Besen und viel Spüli ordentlich eingeweicht. Links, rechts, umdrehen, oben und unten. Drei Minuten später war die Stelle gefunden und wir hörten die Botschaft „not today“. Er musste den Schlauch von innen und außen kleben, das ging sich nicht an einem Tag aus. Es war Freitag und wir einigten uns auf Montag, dafür bekamen wir ein Ersatzdinghy, allerdings ohne Motor. Evi ging zu Fuß und ich ruderte gegen Wind und Welle. Nach drei Minuten brach eine Ruderhalterung und den Rest musste ich unter erschwerten Bedingungen mit einem Provisorium arbeiten.

Am Montag darauf ruderte ich wieder zurück und wir konnten unser repariertes Dinghy übernehmen. Seit dem sind wir stolze Besitzer eines Schlauchbootes mit Luft.

Immer wieder kreuzten Militärschiffe unseren Weg. Dieses war mit dem Flaggen Alphabet über Topp und Takel beflaggt. Die ganze Mannschaft war herausgeputzt und hatte ihre weißen Galauniformen an. Und nein, wir fahren jetzt da nicht zu den jungen Männern, sagte ich zu Evi, als ich ihr das Fernglas wegnahm, von dem Sie schon rote Ringe um die Augen hatte.

Die Bucht von Marmaris ist sehr gut geschützt und am Abend, wenn sich der Wind legt, glaubt man in einem Ententeich zu sein. Wir wachten in der Nacht auf, ungläubig ob wir nicht an Land stehen.

Danke Christian für den Tipp, dass dieses Schiff ein Müllsammelschiff ist. Mit einem Rechen und einem Förderband fährt es durch die Bucht und liest den Abfall auf.

Den Sonntag ließen wir nicht ungenutzt verstreichen und widmeten uns wieder einmal der Kultur.

In der Burg von Marmaris ist ein Museum eingerichtet und man kann bestaunen, wie eng die griechische und türkische Geschichte in dieser Gegend verbunden ist.

Amphoren dienten viele hunderte Jahre als Transportmittel für Wein, Öl, Oliven und anderer Handelsware, die bis England transportiert wurde. Natürlich waren auch wieder überall Kanonenkugeln und anderes Kriegszeug als Zeugen des Jahrtausende langen Schädeleinschlagens, das scheint ja bis heute nicht aufzuhören.

Mit unserem Ersatzdinghy ruderten wir von der OF in die Stadt und zurück. Beim Streunen hatte Evi ein Elektronikgeschäft entdeckt, der auch gebrauchte Sachen verkaufte, als sie meinte „Dem verkaufen wir jetzt den alten Plotter“

Gesagt getan nahmen wir unseren alten, defekten Plotter in einem Sackerl mit und boten ihn an. Der Verkäufer testete ihn gleich und beim Test hat alles einwandfrei funktioniert. Ich bremste seine Euphorie um ihm zu sagen, dass er dann in fünf Minuten nur mehr Streifen sehen werden, der Plotter ist nicht ok. Die Verhandlungen überließ ich dann meiner Frau. Sie kicherten hin und her und Evi versuchte keinen Preis zu nennen.

Eigentlich wollten wir ihn wegschmeißen und wären so mit jedem Betrag zufrieden gewesen. Irgendwann öffnete der Kaufmann sein Geldbörserl und nahm einen Hundert-Euroschein heraus. Evi lachte vor Freude und ich steckte ihn gleich ein. Damit hätte ich nicht gerechnet. Schnell noch ein Selfie vom Vertragsabschluss und wir verplanten schon, was wir mit dem überraschenden Geldsegen machen wollten.

Montag Früh wickelten wir den Dinghytausch ab und dann war es genug. Eine Woche Marmaris reicht uns vollkommen, wir wollten hier raus und in eine einsame Bucht. Richtung Göcek, dort soll es tolle Buchten geben. Nach einem wirklich geilen Segeltag erreichten wir eine nette kleine Bucht im Ententeich von Göcek.

Mit Landleinen und Anker legten wir in an. Das Manöver mag ich eigentlich nicht, da bei Problemen wenig Zeit zum Reagieren bleibt. Bei wenig Wind und Welle ist es nett, man hat dann sein eigenes Pool.

In diesem Fall nicht ganz, da hier Mistkübeln abgestellt sind. Die werden von den Bootsfahrern gut besucht. Aber nicht nur die Bootsfahrer freuen sich, sondern auch die Ziegen. Immer wenn ein Sackerl in den Kübel fällt, springt auch schon eine Ziege hinterher und schaut, was es Neues gibt. Auch am Strand werden die Müllsäcke gleich inspiziert oder zumindest eine Streicheleinheit abgeholt.

Wenn die Ziegen dann zur Kontrolle aus dem Kübel blicken, schaut das dann recht witzig aus, besonders wenn zwei gleichzeitig heraus gaffen. Täglich werden die Kübel in Säcke umgeladen und vom Müllschiff mitgenommen.

Und wenn man ihnen dabei hilft zwischen dem Leinengewirr durchzukommen, dann holen sie sogar den Müll direkt vom Boot ab, sehr praktisch.

Schwimmende Kaufläden haben wir schon einige gesehen. Ob Brot, Obst, Getränke, das kannten wir schon. Neu war hier der Kaffee und Kuchen Service, das Eisboot und das Massage Boot.

Ganz toll fanden wir, dass die beiden Supermärkte Migros und Carrefour schwimmende Filialen betreiben.

Am Heck hat man einen Dinghy Landeplatz und drinnen kann man mit dem Einkaufswagerl fahren.

Also ganz toll nur solange, bis uns der Nachbar verriet: „they have no beer“. Ok, dann muss ich dort jetzt doch nicht unbedingt hin.

Nach zwei Nächten segelten wir zur nächsten Bucht. Wir wollten wieder frei Ankern. Dort lernten wir Österreicher kennen, die seit langem in der Türkei segeln. Sie gaben uns den Tipp, dass man in der Gegend auf einen Zweitausender mit einer Seilbahn fahren kann, das werden wir probieren.

Beim Einklarieren bekamen wir unsere Bluecard zugewiesen. Mit diesem Code kann man dann bei einer Abpumpstation seinen Schwarzwassertank entleeren. Das hält die Buchten sauber und ist schnell erledigt. War für uns auch neu, hat gut geklappt.

Nächster Stopp war Göcek. Schon wenn man sich dieser sehr touristischen Stadt nähert, kann man nicht glauben wie viele riesige Motoryachten hier stehen. Dazwischen Ankern die großen Gulets und irgendwo gibt es ein kleines Ankerfeld für alle anderen. Man muss bei zirka 20 Meter Tiefe ankern, was recht tief ist und einiges an Kette bräuchte. Die kann man aber nicht, wie es man sich wünscht, stecken, da die Nachbarn so nahe sind.

Eine Marina bezeichnet sich gleich als Megayacht Marina, entsprechende Boote waren dort zu sehen. Wir gingen an Land und schauten uns um.

Im D-Resort, das zur D-Marina gehört kann man direkt an einem Kanal ein Häuschen mieten und mit dem Boot gleich davor anlegen.

Und dann haben wir die Quelle des türkischen Honigs entdeckt. Daheim war er uns eher als hart und Plomben ziehend in Erinnerung. Hier ist er ganz weich, in vielen Geschmacksrichtungen und eigentlich unwiderstehlich.

Ein ganzes Kilo wanderte in unsere Einkaufstasche, für daheim, für die Verwandtschaft. Aus heutiger Sicht wird daraus leider nichts, ein Drittel haben wir schon verputzt. Er passt einfach zu jeder Tageszeit und zu jedem Getränk.

Den Abend verbrachten wir wieder in einem ausgezeichneten Restaurant. Der Fisch war mit Gemüse und Erdäpfelstampf garniert und sehr gut gebraten.

Am Sonntag gibt es hier einen Markt. Eine Halle mit alten Segeln als Dach bietet alles mögliche an Gewand an. Original Gucci Taschen und Hugo Boss Jeans können zu einem sehr guten Preis erworben werden. Uns interessiert aber vielmehr die Gemüse- und Obsthalle. Gleich beim Eingang werden Fladenbrote mit verschiedensten Füllungen angeboten. Dazu frisch gepresster Granatapfelsaft, sehr sauer oder gemischt mit Organgensaft.

Die Füllungen reichen von süß, über Früchte bis zu frischem Gemüse mit Käse. Wir könnten uns eingraben.

Am Markt gab es alle Sorten von Gemüse und Obst, sehr frisch und für uns zu sehr günstigen Preisen.

An so herrlichen Waren können wir nicht vorbeigehen und es wandern einige Kilo Obst und Gemüse in unsere Einkaufstaschen.

Evi versucht zwei Handtücher zu erwerben und lässt nicht locker, als der Verkäufer keinen Rabatt gewähren möchte. Evi bleibt auch konsequent und der Deal kommt nicht zu Stande.

Mit gefüllten Taschen ging es zurück zur OF.

Um Mitternacht, wir wollten gerade ins Bett gehen, begann ein stärkerer Wind zu wehen. Unsere Ankerwache verriet uns, dass unser Anker hält. Nicht so bei den Nachbarn. Zuerst trieb ein kleinerer Gulet an uns vorüber. Die Mannschaft war recht entspannt und zündete sich erst mal eine Zigarette an. Erst als sie auf unseren Hintermann trieben und sich die Anker verhedderten kam Leben in die Bude. Wilde Vor- und Zurückmanöver ließen uns dann doch auch den Motor starten. Der Wind frischte weiter auf, um uns waren zirka 20 Boote. Von denen kamen jetzt im fünf Minuten Abstand ungefähr die Hälfte ins Rutschen. Die meisten weit genug weg, dass es uns nicht betraf. Da wir nicht wussten, wie lange der Wind anhält ging ich schlafen und Evi hielt Wache. Sie weckte mich noch zwei Mal, als direkt vor uns sich zwei Boote bedrohlich nahe kamen. Dann legten sich der Wind und kurz darauf auch Evi.

Es reicht, kurz nach dem obligatorischen Frühstück, früher Kaffee mit Milch, jetzt Kaffee mit Milch und türkischem Honig, brachen wir auf. Genug der Hektik. Alleine, wie viele Dinghys mit ordentlicher Geschwindigkeit durchs Ankerfeld rasten, war zu anstrengend.

Als die Küstenwache unseren Nachbar kontrollierte und sich dann einiger rasender Dinghys annahm, kamen uns doch ein paar Grinser aus. Besonders, wenn die Fahrer nichts merkten und die Coast Guard mit immer lauter werdender Stimme den Rasern nachfuhr.

Wir wollten wieder in eine einsame Bucht. Am Weg dorthin besuchten wir noch eines der Postkartenmotive der Region und um die Ecke lag die viertgrößte Yacht der Welt. Sie gehört dem Roman.

Auf die Frage, ob wir auf einen Kaffee kommen dürften, ernteten wir nur ein kurzes „Njet“ und so segelten wir weiter. Zum ersten Mal sahen wir auch ein Gulet unter Segel.

Nur fünf Meilen weiter fanden wir unsere Bucht vor einem Campingplatz. Wir waren das einzige Boot und hatten herrliche Ruhe am Ankerplatz. Beim Spaziergang am Strand stellte ich fest, dass jedem Zeltplatz ein eigener, normal großer Kühlschrank, der im Freien steht, zugewiesen ist. Schaut lustig aus.

Hier verbrachten wir eine friedliche Nacht mit einem leichten Geschaukel, das uns in den Schlaf wiegte.

3 Gedanken zu „Türkei

  1. Hallo ihr Zwei!
    Es gefällt mir was ihr in den wenigen Tagen in der Türkei schon alles erlebt habt, inklusive dem Spassvogel im Ausflugsbus. Oder: Großsegel vergessen beim Ankern, das gefällt mir besonders, was hat der Skipper eigentlich getrunken (oder sich sonst so eingeworfen), möcht‘ ich auch mal kosten 🙂 Raki war das sicher nicht…
    Weiterhin viel Vergnügen und bis bald!
    Jürgen

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