Fethiye und Umgebung

Wir bleiben in der Gegend und segeln nur ein paar Meilen Richtung Fethiye um vor einem Resort vor Anker zu gehen. Der Zugang ist streng kontrolliert. Zaun, Schranken mit Chip und Security machen einen Zugang nicht möglich.

Also bleiben wir am Schiff und genießen das türkise Wasser und unseren neuen Rattenschutz. Den haben wir in Göcek erworben und probieren ihn gleich aus. Nach drei Stunden warten nehmen wir an, dass er funktioniert und beobachten nicht weiter.

Aber wir werden beobachtet. Von der Küstenwache. Sie klappern Schiff für Schiff ab und kontrollieren ganz genau. So auch uns. Am wichtigsten ist ihnen, dass wir unser Häusl ausgepumpt haben, der Rest wird eher nebenbei betrachtet. Sie sind sehr freundlich und Evi bittet um ein Selfie, das sie grinsend genehmigen.

Was lösen diese meist jungen Männer in Uniform eigentlich bei den Damen aus, dass diese immer so verzückt sind? Evi ist immer ganz begeistert, wenn wir kontrolliert werden. Es passt eh immer alles, trotzdem bin ich froh, wenn sie weg sind. „Ich weiß nicht, was du hast, die sind doch eh nett!“, meint sie dann.

Nach dem bisschen Ruhe begeben wir uns in die nächste Stadt, nach Fethiye. In dieser 170 tausend Einwohner Gemeinde wurlet es schon ganz ordentlich. Wir gehen in der Nähe der Marina vor Anker und staunen, was hier Mitte Oktober noch los ist.

Wir streunen durch die Gegend, lernen den Basar, den Fischmarkt und die Shopping Meile kennen. Am Fischmarkt werden wir von mehreren Personen angesprochen, die uns erklären, dass man sich den Fisch aussuchen und dann im Restaurant zubereiten lassen kann.

Gewürze duften überall und wenn man mehr als 7 Millisekunden hinschaut, kommt schon jemand, lässt kosten, bietet Granatapfelsaft an und drückt seine Klauen immer enger zusammen, bis man um etliche Lira erleichtert den Raum verlässt.

Direkt vor einer Moschee werden wir angesprochen. Sehr freundlich gefragt, ob wir uns – gegen eine kleine Spende zur Renovierung – die Moschee anschauen wollen. Wollen wir, wir wussten nicht, dass man da rein darf, also wir Andersgläubigen. Wir müssen uns nicht waschen, sondern nur umziehen. Die Gläubigen müssen sich waschen- „no wash, no inside“, wie uns Kaya, unser Führer erklärt. Die Schuhe werden ausgezogen und Evi bekommt einen Rock und ein Kopftuch. Nachdem das Erste Tuch nicht hält, zieht Kaya ihr mitten in der Moschee das Tuch weg und lässt sie in einen Kittel mit Gummizug steigen. „better!“. Wir dürfen nur in den oberen Bereich, dorthin wo die Frauen beten. Unten beten die Männer. Er erzählt sehr nett und manchmal auch lustig. Aber lachen dürfen wir nicht, schon gar nicht laut. Das fünfmalige Beten pro Tag ist immer schnell vorbei und dauert nur ein paar Minuten. Gebetet wird auf arabisch. Der Muezzin verwendet gleich ein Mikrofon, damit die, die nicht kommen konnten auch zuhören können.

Am Schluss bittet er uns mit recht genauen Angaben um die bereits angekündigte Spende. Er erwischt mich dann aber doch kalt, als ich ihm den Geldschein in die Hand drücke und er mich fragt, ob das für ihn oder die Moschee sei. Um Hilfe ringend suche ich mit Blicken meine Frau, die war aber schon in der Umkleide. Also muss noch ein Schein her, einer für Mohamed und einer für Kaya.

Beim Verlassen passiert Evi noch der Fauxpas, dass sie ihre Schuhe schon herinnen angezogen hat.

Eines war klar, als wir uns entschieden, die Türkei zu besuchen, wir wollen unbedingt in ein Hamam. Diese alte Form des Bades soll wahre Wunder bewirken. Wir googeln uns ein altes Bad mit recht guten Rezessionen. Wir wählen die Familien Variante, da dürfen wir beide rein. Wir waren dann eh alleine. Aufgewärmt wird zwanzig Minuten auf einem feuchten Steinsockel. Da kugelt man einfach herum. Dann kommen die beiden Waschmaschinen. Meine war männlich, Evis eine Dame. Zuerst wird mit warmen Wasser gespült. Mit Schalen wird man schwallartig überschüttet. Dann wird gerubbelt. Mit einem recht groben Handschuh wird man von oben bis unten geschrubbt, dabei wird das Handtuch immer kunstvoll um das Allerheiligste drapiert. Ein bisschen komisch ist es dann schon, wenn dann trotzdem eine Berührung in dieser Gegend zustande kommt.

Nach dem Rubbeln waren überall schwarze Hautwuzerln. Ich hab mich selten schmutziger gefühlt und es war ein bissi peinlich. Erst später wurde ich aufgeklärt, dass das normal sei.

Ich war ein bisschen an meine Kindheit und den Rand an der Badewanne, nach einer Stunde einweichen, erinnert.

Die letzte Stufe ist die Schaumphase. Ein zu einem Sack zusammengenähtes Handtuch wird in Seifenlauge getunkt, dann wird Luft in den Sack geschwungen und so entsteht eine Menge Schaum.

Wir haben uns danach richtig sauber gefühlt und gleich noch eine Aroma Wohlfühlmassage angehängt. Das Rotzen der Dame, die mich massiert hat, hätte mich wachsam machen sollen. Einen Tag Fieber und ein paar Tage Husti, husti hat es gekostet. Gut dass Evi so gern pflegt.

Aber der Ausflug am nächsten Tag mit dem Roller ging sich noch aus. Zuerst fuhren wir durch das Hinterland nach Tlos, einer lykischen Stadt in den Bergen. Sie überblickt ein ganzes Tal und hat uns zum Staunen gebracht. Eine riesige Arena für damalige Spiele, ein Theater mit mehreren tausend Plätzen und natürlich wieder die lykischen, in den Fels gehauenen, Gräber.

Interessant ist auch, welche Widmung ein Gebäude im Laufe der Zeit erfährt. War es in lykischer Zeit noch ein Bad mit einem Pool von dem man das ganze Tal überblicken konnte, wurde es später zur christlichen Kirche.

Ausgegraben wird auch an vielen Stellen und am Theater ist eine Gruppe beschäftigt die Grundmauern freizulegen.

Die einzelnen Abschnitte sind gut mit Tafeln erklärt und man kann sich vorstellen, wie hier früher das Leben so lief.

Hier wird mit Schubkarren gearbeitet. Eine kleine Ameisenstraße bringt den Aushub an eine andere Stelle und legt die Grundmauern unter strenger Aufsicht frei.

Direkt beim Ausgang gibt es noch zwei Wirten, die Granatapfelsaft und Gözleme anbieten, die türkische Palatschinke, diesmal mit Käse und Petersilie.

Am Weg zu unserem nächsten Halt sehen wir ein Baumwollfeld.

Wir besuchen den Yakapark. Ein natürlicher Wasserfall, der über einen 300 Meter langen Flusspfad zu erreichen ist. Zuerst geht man Stiegen bergab, dann den Fluss im Wasser entlang, um dann vor dem Wasserfall zu stehen.

Rundherum ist es sehr touristisch. Man kann eine Seilrutsche benutzen, raften, eine Jeep Safari machen und Paintball spielen. Das ganze wird von einigen Restaurants, Labestellen und der Vermietung von Schuhen für den Flussweg unterstützt.

Die Landschaft ist sehr reizvoll und wir werden an die Schwarza und ein bisschen an die Weichtalklamm erinnert.

Beim Wasserfall spielen sich dann Selfiedramen ab, die wir eine zeitlang fasziniert beobachten. Mit Hidjab oder ohne, mit Kind (schreiend und nicht schreiend) und Frau, ganz alleine am Felsen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das schiefe Selfiegrinsen kennen wir schon, das überrascht uns nicht so sehr.

Wir versuchen uns auch, und sind immer wieder verärgert, wie oft ein Finger im Bild ist, das Bild verwackelt ist und spiegelverkehrt sind sie so und so alle.

Am Rückweg erleben wir dann das Highlight unseres Ausflugs. Die drohenden Regenwolken rücken immer näher und als es tröpfelt versuchen wir Schutz zu finden. Beim ersten starken Guss biegen wir ab und stellen uns einfach unter ein Blechdach. Es ist ein kleiner Bauernhof. Verdutzt betrachten uns die Bauersleute und als es dann sogar unter dem Blechdach bachartig gießt, bitten sie uns in das kleine Haus. Es ist ein Raum mit einem vierflammigen Gasherd, einer Kredenz, einem Kühlschrank und sonst nichts. Am Boden wird gerade ein türkisches Fladenbrot zusammengefaltet. Sie haben die Monatsration vorgebacken und diese wird nun in Plastiksäcken portioniert.

Am Anfang stehen wir herum, nur die Bäuerin sitzt am Steinboden und faltet das Brot. Dann bringen sie uns zwei Plastiksessel, von denen einer zerbrochen ist und bieten sie uns an. Die 80 jährige Oma bleibt stehen. Wir lächeln uns an und können uns nicht verständigen. Kein Englisch, kein Deutsch, kein Türkisch.

Dann bricht Dr. Google das Schweigen. Ich lasse den Hausherren etwas in das Handy sagen und Dr. Google übersetzt. Meistens richtig. Es kommt eine richtige Unterhaltung zustande. Worüber man halt so spricht, die Familie, wie alt man ist, wie viele Kinder man hat usw. Mittlerweile wird Cai gereicht und dazu Feigen. Oma hat jetzt auch einen Sessel bekommen und zeigt uns ihr schönstes Lächeln. Die Türe wird mit einer Kiste Äpfel verschlossen, da sie immer wieder aufspringt und ein nasser Wind in den Raum dringt.

Jetzt kommen noch der Mann der Jungbäuerin und sein Freund dazu, die uns am Anfang sehr skeptisch begutäugeln.

Nach einer Dreiviertelstunde ist der Platzregen vorbei, wir bedanken uns höflich und verabschieden uns.

Die uns entgegen gebrachte Freundlichkeit werden wir nicht vergessen.

Schon in Tlos haben wir eine gesehen und auf einmal watschelte eine Schildkröte mitten auf der Straße, als wir mit dem Roller vorbei fuhren. Die musste gerettet werden. Die vorbei fahrende Polizei drehte kurz das Blaulicht auf und fuhr dann doch weiter. Schildkröte gerettet, wir hoffen sie wollte auf die Seite, auf die wir sie gebracht haben.

Als nächste Attraktion haben wir uns die Geisterstadt Kayaköy ausgesucht. Hier fand in den 19-zwanziger Jahren eine Zwangsumsiedlung griechisch stämmiger Christen statt. Das Ergebnis haben wir schon in Griechenland in einem Kloster bestaunen müssen.

Die Muslime aus Thessaloniki , die hier nach der Vertreibung der Christen angesiedelt werden sollten, wollten nicht bleiben und so begann der Ort zu verfallen. Heute ist es eine Geisterstadt, ein paar Restaurants und Bars am Ortsrand versuchen mit den Touristen Geld zu verdienen. Vor einem ordentlichen Regenschauer mussten wir wieder flüchten. Wieder unter das Dach eines Hauses. Diesmal schaute der Besitzer nur kurz heraus und machte die Tür gleich wieder zu.

Nach einem ereignisreichen Tag ging es zurück nach Fethiye. Wir gaben den Roller zurück und gingen zum zweiten Mal zum „Picknick“, einem Schnellimbiss, der uns von Kaya, dem Messner aus der Moschee, empfohlen wurde.

Evi hat mich mit dem Spruch einzukaufen, wenn es günstig ist geködert und wir waren noch Jeans, Jacke, Ledertaschen, Brillen und Kleinzeug shoppen, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.

Aber dann war genug, wir waren schon eine Woche da und wir wollten wieder weiter.

Fünfzehn Seemeilen um die Ecke liegt Gemiler Adasi, die Nikolo Insel. Dahinter thront der Berg Babadag, ein Mekka für Paraglider. Als wir gemütlich Richtung unserem Ziel segelten, fielen uns die vielen Segler auf. Eigentlich waren es Stangerlschieber, also Segelboote ohne gesetzte Segel.

Viele hatten es recht eilig und noch mehr kamen uns beim Überholen nahe. Daher wussten wir, das waren alles Russen und die wollten alle dorthin wohin wir wollten.

Dazwischen überholten uns Piratenboote und große Gulets, na das wird lustig. Diese Insel ist das Highlight der Gegend und jeder muss einmal dort gewesen sein – wir natürlich auch. Selbst im Oktober zählten wir um die vierzig Yachten, die hier mit Landleine ankerten. Um besser Party machen zu können, legten sich die Boote zu acht aufs Päckchen.

Auf der Insel finden sich mehrere Kirchenruinen und alte Häuser. Gänge aus byzantinischer Zeit. Später soll die kleine Stadt Kreuzfahrern Schutz geboten haben. Die Attraktion ist aber, dass das Grab des hl. Nikolo, also Santa Claus, hier vermutet wird.

Also hinauf mit uns und schon sind wir auf der Suche nach Gängen, Gräbern und alten Mosaiken.

Am höchsten Punkt gibt es nicht nur eine tolle Aussicht, es wurden dort auch Grabstätten in den Fels gehauen. Da wollte jemand den Sonnenuntergang recht lange genießen.

Das ist übrigens eine der Attraktionen der Insel. Der Sonnenuntergang. Rechtzeitig pilgern die Bootsfahrer in Scharen zum kleinen Hügel, um das Verschwinden des Himmelskörpers beobachten zu können.

Wir beobachten vom Boot aus die Massen, die sich am Weg schlängeln oder auf den Booten bleiben und Party machen. Wir entscheiden uns für mittanzen, wenn sie vorbei fahren und zum Lächeln, wenn die Motorboote die OF zum Schwanken bringen. Dazwischen kommen kleine Boote und bieten Eis, Brot, Palatschinken und Dienstleistungen, wie Leinen festmachen an. Nein, danke sind schon fest.

Beim Abstieg klettert Evi dann noch eine Ziege vor die Linse.

Wir verbringen zwei Nächte in dem Wahnsinn und wollen dann weiter in die Cold water bay, von der uns schon einige Geschichten erreicht haben. Die ist nur eine Meile entfernt und damit nur ein kurzer Schlag. Es liegen einige Yachten vor Anker. Alle mit Landleine.

Wir warten brav, bis drei Boote ablegen und machen uns bereit zu Ankern, als eines der Ausflugsboote kommt. Der Platzhirsch macht uns klar, wer hier Vorfahrt hat, schmeißt den Anker und meint, dass der Strand privat ist und wir uns schleichen sollen.

Wir ankern trotzdem, machen an einer bereits in der Wand befindlichen Leine fest, was unseren Nachbarn zu erneuten lautstarken Äußerungen reizt. Ich erkläre ihm schwimmend, dass ich später bei ihm vorbei schauen werde und mache die zweite Leine fest. Da kommen auch schon Ausflugsboot zwei, drei und vier. Mittlerweile sind fast alle privaten Boote verschwunden. Die Anker fallen knapp bei unserem und es wird immer hektischer. Dies sollte aber unser Ankerplatz für zwei Tage sein, da schlechtes Wetter im Anflug ist. Nach zwanzig Minuten gebe ich w.o. und wir ziehen ab. Wieder zurück zum Nikolo.

Und da liegen wir jetzt. Die Ausflugsboote sind heute fast ganz ausgeblieben, da es regnete. Privatyachten sind auch sehr wenige hier und so können wir ein bisschen die Ruhe genießen, wenn da nicht … jetzt die Evi krank wäre …

Und trotz aller Krankheit hat mein Hasi einen Apfelkuchen und einen Marillenzipf gezaubert, damit der Skipper gut über die Runden kommt, während sich die Eignerin erholt.

Werbung

6 Gedanken zu „Fethiye und Umgebung

  1. Bin bei euren Ausflügen life dabei!
    Die Fotos von Evi und die Schilderungen von meinem Sohn, sind so lebendig,
    dass man sich mit auf der Reise befindet!
    Gespannt warte ich auf euren nächsten Blog!
    Liebe Grüße aus Wien – freu mich, euch bald in die Arme schließen zu können!
    Bussi 🙂

    Gefällt mir

  2. Hallo OF-Crew!
    Immer wieder spannenden und unterhaltsame Geschichten… wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, hat mal jemand geschrieben, so ist es. Schön, dass ihr es immer wieder mit uns Zuhausehockern teilt… Bis bald in Antalyia 🙂
    Ahoi, Jürgen

    Gefällt mir

  3. Hallo Evi & Michi!
    Es ist immer eine Freude Eure Ausflüge und Erlebnisse in Deinem Blog zu verfolgen. Wir freuen uns schon jetzt auf weitere Berichte.
    Ganz liebe Grüße Evi&Rudi☺️😎

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s