Ein bisschen ruhiger

Wie unsere Wetterprognose uns schon prophezeit hatte, regnete es in Strömen. Das machte uns aber nichts. Evi war noch krank und ich war auch noch ein bisschen matsch. Außerdem war die OF schon lange keiner Süßwasserdusche ausgesetzt und die tat ihr richtig gut. Wenn das Salz über Wochen in feiner Gischt über das Boot sprüht, legt es sich in jede Ritze. Die Suppe wird dann leicht bräunlich und mit dem Süßwasser kann man das sehr gut wegwaschen.

Alle steif gewordenen Leinen wurden ebenfalls einer Regendusche unterzogen. Und zu unserer großen Freude blieb im Boot alles dicht.

Apropos dicht, erwähnte ich schon, dass unser Dinghy ein bisschen Luft verliert.

Nachdem der Regen auch die meisten Party- und Piratenboote abgehalten hat, gab es nicht so viel zum Tanzen. An Land wollten wir auch nicht. Das Restaurant am Strand hat die schlechteste Bewertung, die wir je gelesen haben. Und es waren auch ganz neue dabei. Sehr erstaunlich, dass dort noch jemand hingeht. Es soll nicht nur schlecht und unfreundlich, sondern auch erstaunlich teuer sein. Eine Superkombi sozusagen.

Also machten wir es uns gemütlich, luden unsere Kindel auf und unsere ebooks herunter.

Ein bisschen schwimmen, ein bisschen Wartungsarbeiten und immer wieder die „crazy guys“, die sich vom Babadag mit ihren Schirmen stürzen. Wenn sie ihre Loopings fliegen, schaut das recht spektakulär aus. Einer ist ins Trudeln gekommen und musste den Reserveschirm ziehen. Ist aber alles gut ausgegangen.

Nachdem der Regen vorbei war, konnten wir uns wieder ein Stückchen weiter begeben. Wir segelten an Ölüdeniz vorbei und entdeckten die Piratenschiffflotte. Die liegt im Sommer dort direkt am Strand und wartet auf Gäste. Der Ort dürfte ein reiner Touristenort sein. Die Seilbahn zum Babadag geht von hier weg und am Strand kann man die Landebahn von den Paragleitern sehen.

Gemütlich segelten wir einen größeren Schlag nach Kalkan. Dort ankerten wir direkt vor der Hafeneinfahrt recht ungeschützt, was uns eine wackelige Nacht brachte.

Evi kränkelte noch immer und ich fuhr in den Ort einkaufen und brachte ihr zur Stärkung Dürüm mit. Ich denke, dass sie das dann wieder fit gemacht hat.

Schnell flüchteten wir uns vor der Wackelei nach Kas (man spricht es Kasch, weil das s unten so ein dings dran hat – eine Cedille, schaut aus wie ein kleiner Fünfer). Dort ankerten wir vor der Marina. Wir hatten zwar angefragt, wie viel eine Nacht in der Marina kosten würde, aber 100€ für eine Nacht ist uns dann doch zu teuer.

Und Evi ging es immer noch nicht wirklich gut. Also musste ich schon wieder alleine los und die Stadt ein bisschen erkunden. In einem urigen Restaurant gab es gute Suppen und Internet. Ein paar Updates und ein Gözleme später, packte ich dann noch Hühnersuppe für meine Frau ein, das musste ja endlich wirken.

Und das tat es dann auch. Am nächsten Tag konnten wir endlich gemeinsam die Stadt besuchen und ich konnte ihr bereits entdecktes zeigen.

Mittlerweile wussten wir, dass wir beide Corona hatten. Zum ersten Mal wahrscheinlich und gerne hätten wir es ausgelassen. Blöde Krankheit.

In Kas gab es eine griechische Siedlung, die unter Denkmalschutz steht und es stehen wieder überall Lykische Grabmäler herum. Mitten im Ort ein Königs Thomb. Alle aufgebrochen, immer wollte jemand wissen, was da drinnen ist. Und an dem Königsthomb liegen jetzt ein paar Pölster und Decken und darauf sitzen die Besitzer der Geschäfte in der Nähe und trinken Cai. Das Grabmal hat schon schwarze Flecken von den Köpfen, die sich anlehnen. Das finde ich sehr witzig, wenn man bedenkt, dass die Dinger seit zweieinhalbtausend Jahren da stehen. Wie viele haben sich da schon angelehnt, ausgeruht und Cai getrunken?

Beim Verlassen von Kas wollten wir noch schnell den Fäkalientank leeren und Wasser bunkern. Das stellte sich dann als sehr große Aufgabe heraus. Insgesamt pilgerte ich die 400 Meter von der Tankstelle zum Marinabüro dreimal. Das Schiff musste komplett registriert werden mit allen Papieren und Pässen und das nur damit man sein Gaxi dort lassen kann. Schweiß gebadet und mit ein paar Flüchen auf den Lippen – sicherheitshalber im ärgsten Dialekt, manchmal wird doch Deutsch gesprochen – legte Evi ab. Ich musste mich erholen und schüttelte noch immer den Kopf, als wir schon lange an der Marina vorbei waren. Eine sehr schöne Marina. Warum sich seit vorigem Jahr die Preise verdoppelt hatten, konnte mir nicht beantwortet werden.

Kas ist auch ein Mekka für Taucher. Es stehen zirka 15 Tauchboote bereit. Jedes fasst mindestens 30 Taucher. In der Nachbarbucht, in der wir am folgenden Tag auch ankerten, wurden Artefakte versenkt, damit die Taucher auch etwas zum Tauchen haben. Versunkene Flugzeuge und Panzer gibt es auch.

Und die Romea, die lag mitten in der Bucht vor Anker. Ein Riesentrum. Hinten auf der Plattform war ein kleines Kinderplantschbecken aufgestellt. Sie gehört übrigens … eh scho wissen.

Weiter gings in eine der ruhigsten Buchten, in denen wir je geankert hatten. Sie wird von einer Halbinsel sehr tief umschlossen und so verirrt sich keine Welle in diesen Meereseinschnitt.

Der perfekte Ort um unseren Hochzeitstag zu feiern. Gemeinsam bereiteten wir die überbackenen Schinkenfleckerl zu. Manche Dinge mussten improvisiert und ersetzt werden.

Statt Schinken gab es Sucuk, die türkische Wurst. Statt Sauerrahm Yoghurt, statt Parmesan einen normalen würzigen Käse und bei dem was wie Mehl aussah für den Mürbteigkuchen, waren wir uns auch nicht ganz sicher.

Trotz Google Lens, mit dem wir ja beim Einkaufen alles übersetzen können. Geniales Ding. Es wird halt eine Internetverbindung benötigt und ein paar Stunden später kommen dann plötzlich so Werbungen von ganz ähnlichen Sachen, komisch.

Der Rest des Hochzeitstages unterliegt strengster Geheimhaltung.

Vorbei an Simena, einer Stadt mit Burgmauern und lykischen Gräbern, schaut sehr toll aus, wollen wir noch besuchen, segelten wir Richtung Demre. Der Ankerplatz war beschrieben, als „in case of bad weather“. Hier soll einmal eine Marina entstehen, sie ist aber noch nicht fertig und das Projekt dürfte sich verzögern.

Wir fanden es sehr lustig.

Ein riesiger Hafen mit einer fünf Meter hohen Mauer rundherum und wir waren das einzige Schiff. An den Mauern fischten ein paar Männer und sonst gab es dort nichts.

Direkt beim Ankern entdeckte Evi einen Thunfisch, der einen Schwarm Fische jagte und das direkt hinter der OF. Wir schätzen, dass er einen Meter groß war und warfen sofort beide die Angeln aus. Ein kurzer Haken, weil ihm unsere nicht geheuer waren, und weg war er. Zweimal noch kurz gesprungen und das wars, kein Abendessen. Aber ein beeindruckendes Erlebnis so einen großen Fisch mitten im Hafen gesehen zu haben.

Demre hieß früher Mal Myra und da kommt der heilige Nikolo her, oder hl. Nikolaus oder Santa Claus. Er war Bischof in Myra und kümmerte sich unter anderem um Kinder, die er beschenkte. Es gibt auch einen zweiten Nikolaus aus der Gegend, der ein paar hundert Jahre früher lebte und diese beiden Personen sind verschmolzen und bilden die Geschichte vom heutigen Nikolo. Seinen Todestag kennt bei uns jeder und hier kann man seinen Sarkophag bewundern, wenn nicht gerade renoviert wird.

Die Kirche wird restauriert und was man bis jetzt sehen kann, sieht sehr schön aus.

Nikolaus war auch der Schutzpatron der Seefahrer, das wird durch ein Kreuz belegt, das an der unteren Seite einen Anker hat. Rund um die Kirche kann man ganzjährig Nikolaus Sachen kaufen und es stehen überall Weihnachtsmänner mit der Glocke herum.

Die Kirche ist doch recht weit von unserem Ankerplatz entfernt und bepackt mit unseren Einkäufen waren wir recht froh nach einer Stunde Marsch wieder an Bord zu sein.

Der Weg führte uns an unzähligen Glashäusern vorbei und wir erfuhren, dass hier die Obst- und Gemüseproduktion ganzjährig betrieben werden kann. Es werden Paradeiser, Paprika, Pfefferoni, Orangen, Zitronen, Grapefruit und vieles mehr angebaut.

Zum Frühstück gabs frisch gemachte Apfel und Marmeladenspitz, jetzt geht uns dann bald die Marillenmarmelade aus. Sehr köstlich.

In Demre gäbe es noch einiges zu sehen, aber wir haben uns Solarpaneele nach Finike bestellt. Die Türkei ist der weltweit viertgrößte Solarpanelhersteller. Alle Parameter, die wir vergleichen konnten deuten darauf hin, dass es sich um sehr gute Paneele handelt, wir sind gespannt.

Mehrfach habe ich versucht herauszubekommen, ob die Paneele schon verschickt worden sind oder nicht. Aber mit der Kommunikation läuft das hier nicht so, wie ich es gerne hätte. Antworten sind spärlich und kurz und erst in Demre, also einen Tag bevor wir in Finike ankamen, erhielten wir die Bestätigung, dass sie da wären, unsere Sonnenkollektoren.

Wir sind Mitglieder im deutschen Hochseeverein Trans Ocean. Die haben weltweit Stützpunkte, wo man sich Sachen hinschicken lassen kann. In Finike gibt es so einen Stützpunkt und dort konnten wir die Paneele in Empfang nehmen.

Um zwei der drei Solarmodule montieren zu können benötigten wir Aluminiumprofile. Wir streunten auf der Suche nach einem Imbiss durch die Stadt um bei einem kleinen Baumarkt nachzufragen, wo man solche Profile bekomme. Er habe sie nicht, aber in Sanai bekommt man sie. Also auf nach Sanai, 450 Meter laut google.

Wir schlenderten suchend durch die Straße. als uns Muammer ansprach. Er grinste über das ganze Gesicht, begrüßt uns, fragte uns woher wir kommen und sprach sehr gut deutsch. Er hatte es in der Schule gelernt. Also wenn ich mir alles aus der Schulzeit so gemerkt hätte, beeindruckend. Er bat uns in sein Geschäft, wir seien seine Gäste und er lud uns zum Cai trinken ein. Der Tee schmeckte gut, als das erste Ketterl auf Evis Handgelenk baumelte. Oha. Dann noch eines. Eine zweite Tasse Cai und er zog Evi einen Schuh aus, um seine heilbringenden Steine auch mit einem Fussketterl zu testen. Evi mag aber keine Fussketterl, nur Handketterl. Irgendwann gefiel ihr eines. Ein zweites für die Tochter muss auch sein und als Evi eines wieder zurückgeben wollte, schenkte er Ohrringe dazu, wenn wir beide nehmen. Aha, so geht also Geschäft. Wir bezahlten, machenten ein Selfie und Muammer sperrte sein Geschäft ab, um mit uns die Alu Profile zu besorgen. Wir kamen in die Handwerkergegend von Finike. Da hätten wir alleine nie etwas gefunden. Leider sind alle Aluprofile zu dünn für unseren Zweck. Wir wollen sicher sein, dass auch starker Wind unseren Sonnenmaschinen nichts anhaben kann.

Kein Problem, sein Freund Ali kann uns nach Kumluca führen, dort bekommen wir die Profile, es sind nur 18 Kilometer.

Schnell mussten wir noch zum Bankomaten, da uns Muammar die letzte Kohle abgenommen hat. Er setzte uns zu Ali ins Auto. Ich fand die ganze Sache komisch und fühlte mich nicht wohl. Evi kicherte die ganze Zeit und fand es ur lustig. Ali ist siebzig und seit sieben Jahren verwitwet, wie wir später bei einem Cai erfuhren. Er spricht sehr gut Englisch und wir konnten viele Fragen stellen, die uns schon lange auf der Zunge gebrannt haben. Ali hofft, dass nächstes Jahr im Juni ein Regierungswechsel erfolgt. Er ist sich 100% sicher, dass das passieren wird, passieren muss.

Nach kurzweiliger Fahrt, immer brav angeschnallt, wegen der Strafen, kamen wir im Aluparadies an. Wir stöberten herum und wurden fündig. Für 10 Euro bekamen wir die vier Stangen. Und schon ging es wieder zurück. Wir blieben an einer Tankstelle stehen und tranken Cai. Ali erzählte uns, dass es schwer sei eine Frau zu finden. Als er über seine verstorbene Frau sprach, werden seine Augen rot. Ich fragte ihn, warum er nicht das Internet zur Suche verwendet. Ali drückte mir sein Handy in die Hand und wollte die Seite einer Dating Plattform. Ich versuchte zu erklären, das hier nur Österreicherinnen zu finden sind, das ist ihm wurscht, ich soll die Seite eintippen. Ok, Ali ist jetzt auf Parship- glaub ich (nicht).

Wir näherten uns der Marina und hatten schon diskutiert, was wir ihm geben sollten. Wir schätzten den Taxipreis hin und zurück und fanden, dass 200 TRY (zirka 12 Euro) in Ordnung seien. Als ich ihm das Geld anbot nahm er es, verzog das Gesicht und meinte, ich soll noch einen hunderter drauf legen. Also 300, auch ok. Ali und Muammer haben uns wirklich geholfen, sie waren sehr nett, aber für mich war das schon ein bissi komisch, für Evi wars ok.

Mittlerweile haben wir das erste Solarmodul, das Mobile, getestet und sind zufrieden. Die anderen beiden müssen erst montiert werden.

Bei der Montage kamen uns fünf Schildkröten besuchen. Wir sahen schon den ganzen Tag aus der Entfernung die Köpfe auftauchen. Dann dürfte es aus dem Fluss einen Algenklumpen gespült haben, der anscheinend eine Schildkrötenleckerei ist. Die Schildkröten trieben samt Algen direkt auf uns zu und wir konnten sie wirklich lange beobachten. Ein tolles Erlebnis.

Die Montage muss warten.

Werbung

4 Gedanken zu „Ein bisschen ruhiger

  1. Hallo ihr 2!
    Na Gottseidank habt ihr jetzt das Virus 🦠 überstanden… und es geht euch hoffentlich wieder gut!!??
    Das waren ja spannende türkische Erlebnisse und Eindrücke und sehr toll verfasst!
    Du solltest beginnen ein Buch zu schreiben ✍️!
    Dix Bussi 😘 an euch 2
    Manuela

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s