Saisonabschluss

Nach Jürgens Abreise bewegen wir uns wieder Richtung Norden. Wie lange wir in der Türkei bleiben wollen, wissen wir noch nicht. Das Wetter ist auch im November noch warm und das Wasser lädt zum Baden ein. Die Strecke ist uns schon bekannt und wir ankern die erste Nacht in einer Bucht, in der wir schon waren. Es ist um einiges ruhiger, aber es ankern noch immer fünf, sechs Boote neben uns.

Evi kocht an Bord, schon sehr türkisch angehaucht. Die Gewürze schmecken uns beiden und auch die Vielfalt der türkischen Küche begeistert uns.

Am nächsten Tag segelten wir knapp vor Sonnenaufgang los, wir wollten soweit als möglich Richtung Norden kommen, da wir die Strecke schon kannten. Das klappte gut und wir konnten vorbei an Marmaris segeln und in einer kleinen Bucht ankern. Auch den nächsten Tag verbrachten wir unter Segel. Vorbei an der griechischen Insel Symi, überschritten wir mehrmals die Grenze zwischen den beiden Ländern. Die Fähre machte das auch, also nahmen wir uns die Freiheit.

Nach einem Zwischenstopp vor einer kleinen Insel, auf der es wilde Kaninchen gab, segelten wir nach Datca. Ein kleiner Ort mit einem Stadthafen und einer schönen Bucht. Da die Tiefen im Hafen mit weniger als zwei Metern angegeben waren, entschieden wir uns zu ankern. Datca ist für Mandeln bekannt. Im Geschäft fanden wir zehn verschiedene Mandelsorten, Nussmischungen, verschiedenste Honigsorten und auch türkischen Honig, den der zwischen den Zähnen pickt. Ein „Plombenziaga“ quasi.

Auf der Suche nach einem Friseur für mich, winkte auf einmal ein junger Mann sehr freundlich. Sein Beruf: Frisör oder Koför, wie es hier heißt. In der Türkei bekommt man beim Frisör auch gleich eine kurze Nackenmassage, eine Kopfmassage und alle Haare, wo man sie eh‘ nicht mag, werden entfernt. Als Aydin mit dem Wachsstab Richtung Nase fuchtelte, habe ich dann doch dankend abgelehnt. Was er auch perfekt konnte, waren alle weißen Haare so zu frisieren, dass die dunklen überdeckt waren, Danke!

Wir genossen die warmen Herbsttage und eine schwimmende Runde Bootreinigung war auch noch drinnen. Nach Datca steuerten wir Knidos an. Eine antike Stadt, in der es sehr viele Ausgrabungen gibt. Heute lebt niemand mehr dort, aber ca 600 v Chr. wohnten hier 80-120 tausend Menschen. Das Theater, das gerade wieder restauriert wird, fasste bis zu 5000 Besucher. Die Ausgrabungen zeigen Tempel, Warenhäuser, Hafenanlagen und vieles mehr.

Knidos wurde schon in der Bibel erwähnt und ganz besonders beeindruckt hat uns, dass es hier eine Ärzteschule gegeben hat. Diese vertraten die Meinung, dass Aderlass und Abführkuren schädlich sind und verließen sich mehr auf die Heilkraft der Natur. Das Gelände ist riesig und man kann einen ganzen Tag dort verbringen.

Das Wetter war herrlich und bei der Suche nach dem großen Theater kamen wir sogar ins schwitzen. Es hat uns leider nichts darauf hingewiesen, dass vom großen Theater nicht mehr als eine Mauer übrig ist, dafür war der Ausblick auf Kos sehr toll.

Und die Reise ging weiter. Nach Bodrum, unserem letzten Ziel in der Türkei, was wir zu der Zeit aber noch nicht wussten. Wir segelten vor Kos bei sehr wenig Wind und überschritten die Grenze nach Griechenland wieder einmal, um damit Meilen zu sparen. Relativ plötzlich waren Schaumkronen in der Ferne zu sehen, die rasch näher kamen. Zuerst befürchteten wir schon eine Nachtankunft in Bodrum, doch jetzt blies der Wind mit bis zu 20 Knoten. Die OF flitzte auf optimalen Kurs und wir konnten noch bei Dämmerung vor der Burg von Bodrum den Anker fallen lassen.

Die Stadt hat sich uns als sehr belebt und umtriebig gezeigt. Auch außerhalb der Saison ist hier Einiges los. Besonders das Museum im Schloss von St. Peter hat es uns angetan. Auch hier könnte man mehrere Tage verbringen. Es ist eine alte Kreuzritterburg, die beim herannahen der Osmanen aufgegeben wurde. Bis dahin wurde sie stetig erweitert und umgebaut. Jeder Turm wurde von einem anderen Land erbaut. So gab es einen englischen, französischen, deutschen und spanischen Turm.

Als Baumaterial verwendeten die Kreuzritter nichts geringeres als eines der sieben Weltwunder der Antike, die Steine des Mausoleums. Der König Mausolos ließ sich zu Lebzeiten ein riesiges Grabmal bauen und deshalb werden prunkvolle Grabstätten Mausoleen genannt. Vom einige hundert Meter entfernten Mausoleum stehen nur mehr die Grundfeste, aber in der Burg kann man die Marmorsteine erkennen und angreifen. Das fand ich schon sehr toll, dass ich eines der sieben Weltwunder der Antike angreifen durfte.

Im Laufe der Zeit fanden immer wieder Umbauten statt. Die kleine Kirche im Burggarten ist heute eine Moschee. Darunter wurden Gräber gefunden und in den Mauern sind die Steine des Mausoleums eingebaut.

Im Garten vor der Moschee ist eine Sammlung von Opferaltaren. Ich dachte immer, dass es sich um Teile von Säulen handelt. Dabei wurden solche Altare vor Gräbern aufgestellt und zu besonderen Anlässen versammelte sich die Familie des Verstorbenen, brachte Opfergaben dar, zündete Räucherstäbchen an und verstreute die Asche auf dem Grab.

Gleich daneben liegt eine Ankersammlung. Besonders faszinierend waren die Steinplatten mit den drei Löchern. In einem Loch befand sich das Seil zum Schiff und in den anderen beiden steckten Holzpflöcke, die sich als Kralle in den Boden pflügten. Das hatten wir so noch nie gesehen. Aus der Form der Steinanker entwickelten sich dann die verschiedenen Metallanker, einige der Formen werden bis heute verwendet.

In einem der vier kleinen Museen innerhalb der Burg befindet sich der original große Nachbau eines versunkenen Schiffes. Es sank nur wenige Meter vor der Küste von Bodrum und wurde in den 1960er Jahren gehoben. Das Schiff sank vor Christi Geburt. Die Beladung ist imposant. Im Bug waren Steinanker, danach Kupferplatten als Rohmaterial sowie jede Menge fertige Waren, wie Schmuck und Schwerter. Dahinter wurden Amphoren gestapelt. Gefüllt mit Wein, Olivenöl und Gewürzen. Die Ausstellung ist sehr realistisch präsentiert, gut beschrieben und informativ. Man bekommt nicht nur einen Eindruck, wie das Leben von Seemänner vor 2000 Jahren gewesen sein konnte, sondern man sieht auch, womit sie gehandelt haben und wie sie am Schiff lebten.

Das Ruder des Schiffes ist seitlich angebracht, an Steuerbord, daher der Name. Und da der Rudergänger seinen Rücken der anderen Seite zuwandte, wurde diese Backbord genannt. Auf englisch bleibt die Ruderseite starboard, die andere Seite nennt sich da aber port, wie der Hafen, da man das Ruder beim anlegen nicht beschädigen wollte, legte man auf der port side an.

Nach mehreren Stunden hatten wir noch immer nicht alles gesehen, aber die Aufnahmefähigkeit war zu Ende und der Durscht zu groß. Wir verließen das Bauwerk und schlenderten durch Bodrum auf der Suche nach einer Labestelle.

Nach der Stärkung trafen wir noch den ersten türkischen Weltumsegler, Sadun Bora, der in Bodrum gelebt hat. Er hat mit seiner Frau Oda 1965 die Welt umrundet. Als die beiden los segelten war ich drei Monate alt, ich kann mich noch dumpf erinnern.

Zurück an Bord schmiedeten wir die Pläne für den nächsten Tag. Es gab noch einiges zu sehen und ein Kabel hatten wir auch bestellt. Aber es kam anders. Mitten in der Nacht weckte mich Evi. Sie hatte in ihrer (täglichen) schlaflosen Phase die Wetterprognose für die nächsten zehn Tage durchgesehen und die verhießen nichts Gutes. Eigentlich nur Schlechtes. Regen, Starkwind und keine Ruhephase in der wir nach Griechenland segeln könnten. Nach einer Stunde Diskussion war der Entschluss gefasst, wir mussten am nächsten Tag ausreisen. Vorbereitet war schon vieles, sogar den benötigten Agenten hatten wir schon kontaktiert.

Der Rest der Nacht blieb dann recht schlaflos, da uns tausend Dinge durch den Kopf gingen. Wird uns die Küstenwache nach den Auspumpprotokollen unseres Fäkalientanks fragen? Sollen wir noch einmal auspumpen? Sollen wir noch tanken, der Diesel kostet in der Türkei € 1,3.

Die Entscheidungen fielen, wir schei… aufs auspumpen und tanken ein bisserl. Um 9 Uhr standen wir beim überraschten Agenten auf der Matte und innerhalb von 40 Minuten inklusive border police waren wir offiziell ausgereist.

Die Reise nach Leros war von gutem bis sehr gutem Wind begleitet und wir entschieden keinen Zwischenstopp einzulegen sondern direkt in die Bucht von Lakki zu segeln. Dort kamen wir bei Dämmerung an und ließen erschöpft aber erleichtert den Anker fallen. Sogar das bestellte Kabel konnten wir noch mitnehmen und damit ein Problem lösen, das uns schon lange sekkiert hat.

Und jetzt liegen wir in der Marina Leros, unserem Winterquartier. Die OF wird im Wasser auf uns warten, während wir mit unseren Lieben daheim Weihnachten und andere Anlässe feiern werden. Wir hatten eine sehr schöne Saison, fast ohne Krankheiten, fast ohne Schäden, mit sehr vielen lieben Besuchern. Wir sind sehr glücklich, dass wir so ein schönes Jahr verbringen durften. Danke, dass ihr uns begleitet habt, bis bald!

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Stammgast

Unser erster Gast heuer war auch gleichzeitig unser letzter Besucher. Jürgen kam uns wieder besuchen. Er flog nach Antalya und hat dort, das nicht ganz einfach zu verstehende, Bussystem ausprobiert. Dolmus heißen die Busse. Nummer gibt es keine und Fahrpläne nur als Ausdruck am zentralen Busbahnhof auf türkisch. Dafür sind sie billig und so kostet die 2 1/2 Stunden Fahrt von Antalya nach Finike 70 Lira, das sind 3,50 Euro. Wir warteten schon sehnsüchtig am Busbahnhof und konnten uns nur schwer gegen die Freundlichkeit der Einheimischen wehren, die uns in einen der Busse verfrachten wollten, wir wollten aber nicht. Wir erwarteten einen Gast. Die Begrüßung fiel nach so langer Zeit sehr herzlich aus.

Nach einem Willkommens-Efes an Bord der OF ging es zurück in die Stadt. Jürgen musste in die Geheimnisse des türkischen Essens eingeweiht werden.

Am Tag davor waren Evi und ich noch am Markt einkaufen. Evi war in ihrem Element, das Gemüse frisch und die Verkäufer sehr freundlich. Auch mittlerweile obligatorisch war der Besuch beim Palatschinkenstandl, das heißt auf türkisch übrigens Gözleme Evi. Evi bedeutet Haus auf türkisch.

Nach dem Markt montierten wir die beiden neuen Solarpanels, nachdem wir eine Nacht über die Montagemöglichkeiten nachgedacht und die verbohrten Löcher zugepickt hatten.

Mit Jürgen zurück auf der OF gab es viel zu erzählen. Das Lokal in Finike hat uns Alex empfohlen, der vor kurzem hier urlaubte und wir ihn leider um 3 Wochen verpassten.

Früh am Morgen ging es weiter. Die Segel wurden gesetzt und wir glitten langsam Richtung Demre, oder Myra, wie es früher hieß. Am Fußweg zum Taxistand blieb Seref stehen. Er nahm uns mit in die Stadt. Er hat vor drei Jahren seinen Job verloren und arbeitet jetzt in den vielen Gewächshäusern, wenn das Gemüse reif ist. Dazwischen fischt er dort, wo wir mit der OF lagen.

Als ich beim Aussteigen zum Börserl griff, schüttelte er entsetzt den Kopf. Dafür gab es ein Selfie und eine freundliche Verabschiedung.

Nach einem Fußmarsch vorbei an der Nikolokirche, kamen wir zu den Ausgrabungen von Myra, dem damaligen Zentrum der lykischen Kultur. Die Lykier hatten hier ihre Gräber. Später waren die Griechen und die Römer da, um eine Stadt mit Theater und allem was dazu gehört zu bauen. Unter neun Meter hohem Sediment, das zum Teil vom Fluss Myra angeschwemmt wurde, befanden sich die alten Mauern. Auch die typischen griechischen Masken, die im Theater getragen wurden, sind hier dargestellt. Die Masken halfen den Schauspielern einerseits in mehrere Rollen zu schlüpfen und andererseits ihre Stimme wie mit einem Megafon zu verstärken. Hier sieht man fünf solcher Schauspieler, zwei davon sind schon etwas älter :-).

Die lykischen Gräber waren wieder mit Inschriften und Reliefs verziert. Daraus kann die Stellung, Beruf und Reichtum der einst hier Begrabenen abgeleitet werden.

Da hier Audioguides ausgeborgt werden können, konnten wir neue Einblicke in diese Bestattungsform gewinnen. Oft war die ganze Familie in einer Kammer begraben, nach strengen Regeln, es darf geraten werden, wer ganz oben lag.

Weiter ging es zum Theater, das in den Hang gebaut war. Denn erst die Römer entwickelten Techniken um derart große Gebäude mit Stützmauern zu erbauen. Das beindruckende Schauspielhaus konnte 11.000 Personen fassen. Fast nicht vorstellbar. Inschriften zeugen von der griechischen Nutzung als auch von den Erweiterungen durch die Römer.

Was wir uns oft gefragt haben ist, wer diese riesigen Gebäude erbaut hat? Die Strabag mit einer starken Gewerkschaft zur Arbeitssicherheit im Rücken? Man weiß es nicht, oder besser wir wissen es nicht.

In der ersten Reihe waren auch damals schon die besten Plätze. Eigene Sessel aus Stein gehauen wurden für die prominenten Gäste aufgestellt. Auf dem mittleren Bild sieht man so einen Promi, wir sie den Schauspielern zuhört.

Die Stadt Myra verlor vermutlich durch Umweltkatastrophen ihre Bedeutung. Der Hafen, der ein wichtiger Handelsplatz war, versandete und die Stadt wurde durch Überschwemmungen zerstört. Danach verlor Myra seine Bedeutung und ist heute eine kleine Stadt am Meer, ohne Hafen.

Die Verkaufsstände vor der Kulturstätte beginnen gerade ihren Winterschlaf und verkaufen ihre letzten Efes und Cai. Wir entschieden uns für ersteres und als wir den freundlichen Wirt um ein Taxi fragten, witterte er ein kleines Zusatzgeschäft und fuhr uns selbst zurück zur neu gebauten, unfertigen Marina.

Zurück auf der OF wurden wir von Evi, wie immer haubenmäßig, bekocht und konnten einstweilen den Tag bei einem Efes nachbesprechen und den nächsten planen. Noch mehr Kultur stand auf dem Programm, wir waren ja im Zentrum der lykischen Zivilisation.

Eine Burg und lykische Gräber auf der Halbinsel Simena waren unser Ziel.

Hier der Beweis, dass Evi auch noch im November im Wasser war!

Wir ankerten direkt vor Simena, das heute Kekova heisst.

Sehr auffällig ist hier das Theater, das in den Fels gehauen ist. Wir vermuteten, dass es sich auch um eine Art Parlament gehandelt haben könnte und hielten eine spontane parlamentarische Diskussion mit Untersuchungsausschuss ab. Evi war zu langsam um die Sache filmisch fest zu halten.

Außerhalb der Burgmauern stehen einige Grabmäler herum. Alle natürlich aufgebrochen, irgendwer wollte unbedingt wissen, was da drinnen ist. Wieder wurde gerätselt, wie die schweren Dinger transportiert wurden und wie lange man an so einer Grabstätte baute. Nachdem unsere Fantasie wieder Galoppsprünge machte, drohte uns Evi an, uns in einen der Thombs einzusperren. Was wir nach kurzer Prüfung, dass wir beide und zirka sechs Kisten Bier hineinpassen, nicht mehr so schlimm fanden.

Heute besteht Kekova aus Restaurants, Souvenirshops und Eisverkäufern. Einer der Nachteile des Reisens im November ist, dass man den Verkäufern fast nicht auskommt. Ein freundliches Nein reicht aber meistens um durch die Gassen zu gelangen. Diese sind sehr eng. Straßen und Autos gibt es gar keine und die Fußwege sind so verwinkelt, dass die Bewohner manchmal Schilder mit „no way“ aufgestellt haben, hier geht’s nicht weiter.

Die Restaurants am Wasser bieten Seglern die kostenlose Möglichkeit anzulegen und bei Ihnen zu Essen. Ein fairer Deal, wenn man an die Marinapreise in der Türkei denkt.

Nach ausführlicher Besichtigung gingen wir Anker auf und nur zwei Meilen um die Ecke in eine tiefe, ruhige Bucht, nach Kaleücagiz. Von dort starten viele Touristenboote ihre Ausflüge in die Buchten der Umgebung. Der Ort ist touristisch und nicht sehr imposant.

Das Restaurant am Hafen war jedoch sehr gut, wenn auch etwas teurer.

Unser nächster Halt war Kas. Das kannten Evi und ich schon, wir ankerten vor der Marina. Hier konnten Jürgen und ich eine schöne Runde laufen gehen. Beachtlich wie steil kleine Hügel werden können, wenn man noch ein bisschen müde vom Vortagesbier ist.

Als wir wieder an Bord waren, verholten wir uns zur Tankstelle. Wir wollten Wasser tanken, den Fäkalientank leeren und ein bisschen Diesel tanken.

Das Prozedere kannten wir schon und waren auf etwas Wartezeit eingestellt. Diese wurde uns überraschend verkürzt. Die Dingis der Marina flitzen hier mit hohem Tempo durch die Gegend. Eines legte mit großer Eile direkt vor uns an und der Marinero sprang von Bord. Kurz danach sahen wir ein Segelboot kommen. Vorne standen drei Männer mit Uniform und Schwimmwesten und dahinter einige Personen, die wie eine normale Crew aussahen. Plötzlich tauchte auch noch ein Küstenwacheboot auf. Je näher die Boote kamen, desto hektischer wurde es. Jetzt sahen wir es auch, das Segelboot lag schon gefährlich tief im Wasser. Sie steuerten direkt auf den Kranplatz zu. Jürgen ging gerade dort vorbei und wurde zum Leinen fangen eingeteilt. Es wurde immer betriebsamer und Marineros, Küstenwache und Crew sprangen von und auf Bord. Der Kran war schon in Bewegung und die Gurten wurden montiert. Der Rest der Crew blieb beim Heben gleich an Bord und nach ein paar Minuten sah man das Malheur. Der Segler war mit hohem Tempo auf Grund gelaufen. Dabei wurde ein tiefes Loch in den Bug gerissen. Die Bilgepumpen arbeiteten auf Hochtouren und vorne lief das Wasser aus dem Schiff. Viel Zeit hätte nicht mehr gefehlt und das Schiff wäre gesunken. Böse Zungen haben behauptet, dass der russische Skipper beim Klettern von der Leiter gewankt hätte und bei der Beantwortung der Fragen der Küstenwache wäre ein Lallen zu hören gewesen. Guat is gangen, alle g’sund, die Rechnungen von Küstenwache, Marina und Schiffswerft wollten wir uns gar nicht vorstellen.

Die nächste Nacht verbrachten wir in einer ruhigen Bucht bei Kalkan. Essen an Bord, schwimmen und chillen war angesagt. Früh am Morgen ging es weiter nach Ölüdeniz, der Stadt des Babadag mit den Fallschirmspringern. Die boten wieder ein ordentliches Schauspiel. Formationsflug, Saltos, Loopings, enge Kurven und spannende Landemanöver mitten auf der Promenade ließen uns mit offenem Mund die Himmelskünstler bewundern.

Ein schöner Meerbusen direkt beim Strand darf nur ohne Motor befahren werden und so ruderten wir durch die idyllische und noch immer gut besuchte Landschaft.

Am nächsten Morgen war wieder eine Laufrunde angesagt. Im Slalom zwischen den landenden Gleitschirmfliegern, dann am Strand entlang und diesmal an Land entlang des kleines Golfes. Eine wirklich schöne Gegend. Im August wollen wir hier nicht sein, wenn wir uns vorstellen, was da los ist.

Beeindruckt von der Landschaft, dem schönen Berg, der sehr touristischen Stadt, segelten wir am nächsten Tag weiter nach Fethiye.

Vorbei an der Nikolo Insel, die Jürgen noch nicht kannte, bei schönem Segelwind.

Die Prognose versprach uns ein paar Regenwolken und die wollten wir in einer Stadt abwarten.

Fethiye eignet sich sehr gut zum Bummeln, Einkaufen und auch zum Laufen. Wir haben eine drei Kilometer lange Gummimattenlaufstrecke direkt an der Uferpromenade entdeckt. Zwei Kilometer davon werden mit Bildern von Mustafa Kemal geziert, sehr interessant. Dessen Todestag jährt sich am 10. November um 9:05. Bis heute wird an diesem Tag um 9:05 eine Schweigeminute eingehalten. Wir hätten das sehr gerne erlebt, aber leider verschlafen.

Der Regen fiel dann doch nicht so schlimm aus und wir konnten in unser Lieblingsstraßenlokal gehen. Gut, günstig und recht lustig auf den kleinen Schemeln zu sitzen.

Auch in Göcek, dem letzten Stopp unserer gemeinsamen Reise mit Jürgen erwischte uns eine kleine Regenwolke, die aber bald einem 180 Grad Regenbogen wich. Wir suchten bei einer Laufrunde beide Enden des Regenbogens ab, fanden aber nur zwei leere Bierdosen und ein Nylonsackerl.

Auch in Göcek konnten wir schon die Reiseführer spielen und zeigten unserem Gast die beste Konditorei, das beste Restaurant und den Supermarkt unserer Wahl.

Und schon wieder war ein Abschied da. Die Zeit verging wie beim Segeln und wir brachten unseren Freund zum Taxi, das ihn nach Dalaman zum Flughafen brachte.

Wir haben uns sehr gefreut, dass du uns auch hier in der Türkei besuchen gekommen bist und hoffen, dass wir uns bald wiedersehen, dann aber in der Heimat.

Ein bisschen ruhiger

Wie unsere Wetterprognose uns schon prophezeit hatte, regnete es in Strömen. Das machte uns aber nichts. Evi war noch krank und ich war auch noch ein bisschen matsch. Außerdem war die OF schon lange keiner Süßwasserdusche ausgesetzt und die tat ihr richtig gut. Wenn das Salz über Wochen in feiner Gischt über das Boot sprüht, legt es sich in jede Ritze. Die Suppe wird dann leicht bräunlich und mit dem Süßwasser kann man das sehr gut wegwaschen.

Alle steif gewordenen Leinen wurden ebenfalls einer Regendusche unterzogen. Und zu unserer großen Freude blieb im Boot alles dicht.

Apropos dicht, erwähnte ich schon, dass unser Dinghy ein bisschen Luft verliert.

Nachdem der Regen auch die meisten Party- und Piratenboote abgehalten hat, gab es nicht so viel zum Tanzen. An Land wollten wir auch nicht. Das Restaurant am Strand hat die schlechteste Bewertung, die wir je gelesen haben. Und es waren auch ganz neue dabei. Sehr erstaunlich, dass dort noch jemand hingeht. Es soll nicht nur schlecht und unfreundlich, sondern auch erstaunlich teuer sein. Eine Superkombi sozusagen.

Also machten wir es uns gemütlich, luden unsere Kindel auf und unsere ebooks herunter.

Ein bisschen schwimmen, ein bisschen Wartungsarbeiten und immer wieder die „crazy guys“, die sich vom Babadag mit ihren Schirmen stürzen. Wenn sie ihre Loopings fliegen, schaut das recht spektakulär aus. Einer ist ins Trudeln gekommen und musste den Reserveschirm ziehen. Ist aber alles gut ausgegangen.

Nachdem der Regen vorbei war, konnten wir uns wieder ein Stückchen weiter begeben. Wir segelten an Ölüdeniz vorbei und entdeckten die Piratenschiffflotte. Die liegt im Sommer dort direkt am Strand und wartet auf Gäste. Der Ort dürfte ein reiner Touristenort sein. Die Seilbahn zum Babadag geht von hier weg und am Strand kann man die Landebahn von den Paragleitern sehen.

Gemütlich segelten wir einen größeren Schlag nach Kalkan. Dort ankerten wir direkt vor der Hafeneinfahrt recht ungeschützt, was uns eine wackelige Nacht brachte.

Evi kränkelte noch immer und ich fuhr in den Ort einkaufen und brachte ihr zur Stärkung Dürüm mit. Ich denke, dass sie das dann wieder fit gemacht hat.

Schnell flüchteten wir uns vor der Wackelei nach Kas (man spricht es Kasch, weil das s unten so ein dings dran hat – eine Cedille, schaut aus wie ein kleiner Fünfer). Dort ankerten wir vor der Marina. Wir hatten zwar angefragt, wie viel eine Nacht in der Marina kosten würde, aber 100€ für eine Nacht ist uns dann doch zu teuer.

Und Evi ging es immer noch nicht wirklich gut. Also musste ich schon wieder alleine los und die Stadt ein bisschen erkunden. In einem urigen Restaurant gab es gute Suppen und Internet. Ein paar Updates und ein Gözleme später, packte ich dann noch Hühnersuppe für meine Frau ein, das musste ja endlich wirken.

Und das tat es dann auch. Am nächsten Tag konnten wir endlich gemeinsam die Stadt besuchen und ich konnte ihr bereits entdecktes zeigen.

Mittlerweile wussten wir, dass wir beide Corona hatten. Zum ersten Mal wahrscheinlich und gerne hätten wir es ausgelassen. Blöde Krankheit.

In Kas gab es eine griechische Siedlung, die unter Denkmalschutz steht und es stehen wieder überall Lykische Grabmäler herum. Mitten im Ort ein Königs Thomb. Alle aufgebrochen, immer wollte jemand wissen, was da drinnen ist. Und an dem Königsthomb liegen jetzt ein paar Pölster und Decken und darauf sitzen die Besitzer der Geschäfte in der Nähe und trinken Cai. Das Grabmal hat schon schwarze Flecken von den Köpfen, die sich anlehnen. Das finde ich sehr witzig, wenn man bedenkt, dass die Dinger seit zweieinhalbtausend Jahren da stehen. Wie viele haben sich da schon angelehnt, ausgeruht und Cai getrunken?

Beim Verlassen von Kas wollten wir noch schnell den Fäkalientank leeren und Wasser bunkern. Das stellte sich dann als sehr große Aufgabe heraus. Insgesamt pilgerte ich die 400 Meter von der Tankstelle zum Marinabüro dreimal. Das Schiff musste komplett registriert werden mit allen Papieren und Pässen und das nur damit man sein Gaxi dort lassen kann. Schweiß gebadet und mit ein paar Flüchen auf den Lippen – sicherheitshalber im ärgsten Dialekt, manchmal wird doch Deutsch gesprochen – legte Evi ab. Ich musste mich erholen und schüttelte noch immer den Kopf, als wir schon lange an der Marina vorbei waren. Eine sehr schöne Marina. Warum sich seit vorigem Jahr die Preise verdoppelt hatten, konnte mir nicht beantwortet werden.

Kas ist auch ein Mekka für Taucher. Es stehen zirka 15 Tauchboote bereit. Jedes fasst mindestens 30 Taucher. In der Nachbarbucht, in der wir am folgenden Tag auch ankerten, wurden Artefakte versenkt, damit die Taucher auch etwas zum Tauchen haben. Versunkene Flugzeuge und Panzer gibt es auch.

Und die Romea, die lag mitten in der Bucht vor Anker. Ein Riesentrum. Hinten auf der Plattform war ein kleines Kinderplantschbecken aufgestellt. Sie gehört übrigens … eh scho wissen.

Weiter gings in eine der ruhigsten Buchten, in denen wir je geankert hatten. Sie wird von einer Halbinsel sehr tief umschlossen und so verirrt sich keine Welle in diesen Meereseinschnitt.

Der perfekte Ort um unseren Hochzeitstag zu feiern. Gemeinsam bereiteten wir die überbackenen Schinkenfleckerl zu. Manche Dinge mussten improvisiert und ersetzt werden.

Statt Schinken gab es Sucuk, die türkische Wurst. Statt Sauerrahm Yoghurt, statt Parmesan einen normalen würzigen Käse und bei dem was wie Mehl aussah für den Mürbteigkuchen, waren wir uns auch nicht ganz sicher.

Trotz Google Lens, mit dem wir ja beim Einkaufen alles übersetzen können. Geniales Ding. Es wird halt eine Internetverbindung benötigt und ein paar Stunden später kommen dann plötzlich so Werbungen von ganz ähnlichen Sachen, komisch.

Der Rest des Hochzeitstages unterliegt strengster Geheimhaltung.

Vorbei an Simena, einer Stadt mit Burgmauern und lykischen Gräbern, schaut sehr toll aus, wollen wir noch besuchen, segelten wir Richtung Demre. Der Ankerplatz war beschrieben, als „in case of bad weather“. Hier soll einmal eine Marina entstehen, sie ist aber noch nicht fertig und das Projekt dürfte sich verzögern.

Wir fanden es sehr lustig.

Ein riesiger Hafen mit einer fünf Meter hohen Mauer rundherum und wir waren das einzige Schiff. An den Mauern fischten ein paar Männer und sonst gab es dort nichts.

Direkt beim Ankern entdeckte Evi einen Thunfisch, der einen Schwarm Fische jagte und das direkt hinter der OF. Wir schätzen, dass er einen Meter groß war und warfen sofort beide die Angeln aus. Ein kurzer Haken, weil ihm unsere nicht geheuer waren, und weg war er. Zweimal noch kurz gesprungen und das wars, kein Abendessen. Aber ein beeindruckendes Erlebnis so einen großen Fisch mitten im Hafen gesehen zu haben.

Demre hieß früher Mal Myra und da kommt der heilige Nikolo her, oder hl. Nikolaus oder Santa Claus. Er war Bischof in Myra und kümmerte sich unter anderem um Kinder, die er beschenkte. Es gibt auch einen zweiten Nikolaus aus der Gegend, der ein paar hundert Jahre früher lebte und diese beiden Personen sind verschmolzen und bilden die Geschichte vom heutigen Nikolo. Seinen Todestag kennt bei uns jeder und hier kann man seinen Sarkophag bewundern, wenn nicht gerade renoviert wird.

Die Kirche wird restauriert und was man bis jetzt sehen kann, sieht sehr schön aus.

Nikolaus war auch der Schutzpatron der Seefahrer, das wird durch ein Kreuz belegt, das an der unteren Seite einen Anker hat. Rund um die Kirche kann man ganzjährig Nikolaus Sachen kaufen und es stehen überall Weihnachtsmänner mit der Glocke herum.

Die Kirche ist doch recht weit von unserem Ankerplatz entfernt und bepackt mit unseren Einkäufen waren wir recht froh nach einer Stunde Marsch wieder an Bord zu sein.

Der Weg führte uns an unzähligen Glashäusern vorbei und wir erfuhren, dass hier die Obst- und Gemüseproduktion ganzjährig betrieben werden kann. Es werden Paradeiser, Paprika, Pfefferoni, Orangen, Zitronen, Grapefruit und vieles mehr angebaut.

Zum Frühstück gabs frisch gemachte Apfel und Marmeladenspitz, jetzt geht uns dann bald die Marillenmarmelade aus. Sehr köstlich.

In Demre gäbe es noch einiges zu sehen, aber wir haben uns Solarpaneele nach Finike bestellt. Die Türkei ist der weltweit viertgrößte Solarpanelhersteller. Alle Parameter, die wir vergleichen konnten deuten darauf hin, dass es sich um sehr gute Paneele handelt, wir sind gespannt.

Mehrfach habe ich versucht herauszubekommen, ob die Paneele schon verschickt worden sind oder nicht. Aber mit der Kommunikation läuft das hier nicht so, wie ich es gerne hätte. Antworten sind spärlich und kurz und erst in Demre, also einen Tag bevor wir in Finike ankamen, erhielten wir die Bestätigung, dass sie da wären, unsere Sonnenkollektoren.

Wir sind Mitglieder im deutschen Hochseeverein Trans Ocean. Die haben weltweit Stützpunkte, wo man sich Sachen hinschicken lassen kann. In Finike gibt es so einen Stützpunkt und dort konnten wir die Paneele in Empfang nehmen.

Um zwei der drei Solarmodule montieren zu können benötigten wir Aluminiumprofile. Wir streunten auf der Suche nach einem Imbiss durch die Stadt um bei einem kleinen Baumarkt nachzufragen, wo man solche Profile bekomme. Er habe sie nicht, aber in Sanai bekommt man sie. Also auf nach Sanai, 450 Meter laut google.

Wir schlenderten suchend durch die Straße. als uns Muammer ansprach. Er grinste über das ganze Gesicht, begrüßt uns, fragte uns woher wir kommen und sprach sehr gut deutsch. Er hatte es in der Schule gelernt. Also wenn ich mir alles aus der Schulzeit so gemerkt hätte, beeindruckend. Er bat uns in sein Geschäft, wir seien seine Gäste und er lud uns zum Cai trinken ein. Der Tee schmeckte gut, als das erste Ketterl auf Evis Handgelenk baumelte. Oha. Dann noch eines. Eine zweite Tasse Cai und er zog Evi einen Schuh aus, um seine heilbringenden Steine auch mit einem Fussketterl zu testen. Evi mag aber keine Fussketterl, nur Handketterl. Irgendwann gefiel ihr eines. Ein zweites für die Tochter muss auch sein und als Evi eines wieder zurückgeben wollte, schenkte er Ohrringe dazu, wenn wir beide nehmen. Aha, so geht also Geschäft. Wir bezahlten, machenten ein Selfie und Muammer sperrte sein Geschäft ab, um mit uns die Alu Profile zu besorgen. Wir kamen in die Handwerkergegend von Finike. Da hätten wir alleine nie etwas gefunden. Leider sind alle Aluprofile zu dünn für unseren Zweck. Wir wollen sicher sein, dass auch starker Wind unseren Sonnenmaschinen nichts anhaben kann.

Kein Problem, sein Freund Ali kann uns nach Kumluca führen, dort bekommen wir die Profile, es sind nur 18 Kilometer.

Schnell mussten wir noch zum Bankomaten, da uns Muammar die letzte Kohle abgenommen hat. Er setzte uns zu Ali ins Auto. Ich fand die ganze Sache komisch und fühlte mich nicht wohl. Evi kicherte die ganze Zeit und fand es ur lustig. Ali ist siebzig und seit sieben Jahren verwitwet, wie wir später bei einem Cai erfuhren. Er spricht sehr gut Englisch und wir konnten viele Fragen stellen, die uns schon lange auf der Zunge gebrannt haben. Ali hofft, dass nächstes Jahr im Juni ein Regierungswechsel erfolgt. Er ist sich 100% sicher, dass das passieren wird, passieren muss.

Nach kurzweiliger Fahrt, immer brav angeschnallt, wegen der Strafen, kamen wir im Aluparadies an. Wir stöberten herum und wurden fündig. Für 10 Euro bekamen wir die vier Stangen. Und schon ging es wieder zurück. Wir blieben an einer Tankstelle stehen und tranken Cai. Ali erzählte uns, dass es schwer sei eine Frau zu finden. Als er über seine verstorbene Frau sprach, werden seine Augen rot. Ich fragte ihn, warum er nicht das Internet zur Suche verwendet. Ali drückte mir sein Handy in die Hand und wollte die Seite einer Dating Plattform. Ich versuchte zu erklären, das hier nur Österreicherinnen zu finden sind, das ist ihm wurscht, ich soll die Seite eintippen. Ok, Ali ist jetzt auf Parship- glaub ich (nicht).

Wir näherten uns der Marina und hatten schon diskutiert, was wir ihm geben sollten. Wir schätzten den Taxipreis hin und zurück und fanden, dass 200 TRY (zirka 12 Euro) in Ordnung seien. Als ich ihm das Geld anbot nahm er es, verzog das Gesicht und meinte, ich soll noch einen hunderter drauf legen. Also 300, auch ok. Ali und Muammer haben uns wirklich geholfen, sie waren sehr nett, aber für mich war das schon ein bissi komisch, für Evi wars ok.

Mittlerweile haben wir das erste Solarmodul, das Mobile, getestet und sind zufrieden. Die anderen beiden müssen erst montiert werden.

Bei der Montage kamen uns fünf Schildkröten besuchen. Wir sahen schon den ganzen Tag aus der Entfernung die Köpfe auftauchen. Dann dürfte es aus dem Fluss einen Algenklumpen gespült haben, der anscheinend eine Schildkrötenleckerei ist. Die Schildkröten trieben samt Algen direkt auf uns zu und wir konnten sie wirklich lange beobachten. Ein tolles Erlebnis.

Die Montage muss warten.

Fethiye und Umgebung

Wir bleiben in der Gegend und segeln nur ein paar Meilen Richtung Fethiye um vor einem Resort vor Anker zu gehen. Der Zugang ist streng kontrolliert. Zaun, Schranken mit Chip und Security machen einen Zugang nicht möglich.

Also bleiben wir am Schiff und genießen das türkise Wasser und unseren neuen Rattenschutz. Den haben wir in Göcek erworben und probieren ihn gleich aus. Nach drei Stunden warten nehmen wir an, dass er funktioniert und beobachten nicht weiter.

Aber wir werden beobachtet. Von der Küstenwache. Sie klappern Schiff für Schiff ab und kontrollieren ganz genau. So auch uns. Am wichtigsten ist ihnen, dass wir unser Häusl ausgepumpt haben, der Rest wird eher nebenbei betrachtet. Sie sind sehr freundlich und Evi bittet um ein Selfie, das sie grinsend genehmigen.

Was lösen diese meist jungen Männer in Uniform eigentlich bei den Damen aus, dass diese immer so verzückt sind? Evi ist immer ganz begeistert, wenn wir kontrolliert werden. Es passt eh immer alles, trotzdem bin ich froh, wenn sie weg sind. „Ich weiß nicht, was du hast, die sind doch eh nett!“, meint sie dann.

Nach dem bisschen Ruhe begeben wir uns in die nächste Stadt, nach Fethiye. In dieser 170 tausend Einwohner Gemeinde wurlet es schon ganz ordentlich. Wir gehen in der Nähe der Marina vor Anker und staunen, was hier Mitte Oktober noch los ist.

Wir streunen durch die Gegend, lernen den Basar, den Fischmarkt und die Shopping Meile kennen. Am Fischmarkt werden wir von mehreren Personen angesprochen, die uns erklären, dass man sich den Fisch aussuchen und dann im Restaurant zubereiten lassen kann.

Gewürze duften überall und wenn man mehr als 7 Millisekunden hinschaut, kommt schon jemand, lässt kosten, bietet Granatapfelsaft an und drückt seine Klauen immer enger zusammen, bis man um etliche Lira erleichtert den Raum verlässt.

Direkt vor einer Moschee werden wir angesprochen. Sehr freundlich gefragt, ob wir uns – gegen eine kleine Spende zur Renovierung – die Moschee anschauen wollen. Wollen wir, wir wussten nicht, dass man da rein darf, also wir Andersgläubigen. Wir müssen uns nicht waschen, sondern nur umziehen. Die Gläubigen müssen sich waschen- „no wash, no inside“, wie uns Kaya, unser Führer erklärt. Die Schuhe werden ausgezogen und Evi bekommt einen Rock und ein Kopftuch. Nachdem das Erste Tuch nicht hält, zieht Kaya ihr mitten in der Moschee das Tuch weg und lässt sie in einen Kittel mit Gummizug steigen. „better!“. Wir dürfen nur in den oberen Bereich, dorthin wo die Frauen beten. Unten beten die Männer. Er erzählt sehr nett und manchmal auch lustig. Aber lachen dürfen wir nicht, schon gar nicht laut. Das fünfmalige Beten pro Tag ist immer schnell vorbei und dauert nur ein paar Minuten. Gebetet wird auf arabisch. Der Muezzin verwendet gleich ein Mikrofon, damit die, die nicht kommen konnten auch zuhören können.

Am Schluss bittet er uns mit recht genauen Angaben um die bereits angekündigte Spende. Er erwischt mich dann aber doch kalt, als ich ihm den Geldschein in die Hand drücke und er mich fragt, ob das für ihn oder die Moschee sei. Um Hilfe ringend suche ich mit Blicken meine Frau, die war aber schon in der Umkleide. Also muss noch ein Schein her, einer für Mohamed und einer für Kaya.

Beim Verlassen passiert Evi noch der Fauxpas, dass sie ihre Schuhe schon herinnen angezogen hat.

Eines war klar, als wir uns entschieden, die Türkei zu besuchen, wir wollen unbedingt in ein Hamam. Diese alte Form des Bades soll wahre Wunder bewirken. Wir googeln uns ein altes Bad mit recht guten Rezessionen. Wir wählen die Familien Variante, da dürfen wir beide rein. Wir waren dann eh alleine. Aufgewärmt wird zwanzig Minuten auf einem feuchten Steinsockel. Da kugelt man einfach herum. Dann kommen die beiden Waschmaschinen. Meine war männlich, Evis eine Dame. Zuerst wird mit warmen Wasser gespült. Mit Schalen wird man schwallartig überschüttet. Dann wird gerubbelt. Mit einem recht groben Handschuh wird man von oben bis unten geschrubbt, dabei wird das Handtuch immer kunstvoll um das Allerheiligste drapiert. Ein bisschen komisch ist es dann schon, wenn dann trotzdem eine Berührung in dieser Gegend zustande kommt.

Nach dem Rubbeln waren überall schwarze Hautwuzerln. Ich hab mich selten schmutziger gefühlt und es war ein bissi peinlich. Erst später wurde ich aufgeklärt, dass das normal sei.

Ich war ein bisschen an meine Kindheit und den Rand an der Badewanne, nach einer Stunde einweichen, erinnert.

Die letzte Stufe ist die Schaumphase. Ein zu einem Sack zusammengenähtes Handtuch wird in Seifenlauge getunkt, dann wird Luft in den Sack geschwungen und so entsteht eine Menge Schaum.

Wir haben uns danach richtig sauber gefühlt und gleich noch eine Aroma Wohlfühlmassage angehängt. Das Rotzen der Dame, die mich massiert hat, hätte mich wachsam machen sollen. Einen Tag Fieber und ein paar Tage Husti, husti hat es gekostet. Gut dass Evi so gern pflegt.

Aber der Ausflug am nächsten Tag mit dem Roller ging sich noch aus. Zuerst fuhren wir durch das Hinterland nach Tlos, einer lykischen Stadt in den Bergen. Sie überblickt ein ganzes Tal und hat uns zum Staunen gebracht. Eine riesige Arena für damalige Spiele, ein Theater mit mehreren tausend Plätzen und natürlich wieder die lykischen, in den Fels gehauenen, Gräber.

Interessant ist auch, welche Widmung ein Gebäude im Laufe der Zeit erfährt. War es in lykischer Zeit noch ein Bad mit einem Pool von dem man das ganze Tal überblicken konnte, wurde es später zur christlichen Kirche.

Ausgegraben wird auch an vielen Stellen und am Theater ist eine Gruppe beschäftigt die Grundmauern freizulegen.

Die einzelnen Abschnitte sind gut mit Tafeln erklärt und man kann sich vorstellen, wie hier früher das Leben so lief.

Hier wird mit Schubkarren gearbeitet. Eine kleine Ameisenstraße bringt den Aushub an eine andere Stelle und legt die Grundmauern unter strenger Aufsicht frei.

Direkt beim Ausgang gibt es noch zwei Wirten, die Granatapfelsaft und Gözleme anbieten, die türkische Palatschinke, diesmal mit Käse und Petersilie.

Am Weg zu unserem nächsten Halt sehen wir ein Baumwollfeld.

Wir besuchen den Yakapark. Ein natürlicher Wasserfall, der über einen 300 Meter langen Flusspfad zu erreichen ist. Zuerst geht man Stiegen bergab, dann den Fluss im Wasser entlang, um dann vor dem Wasserfall zu stehen.

Rundherum ist es sehr touristisch. Man kann eine Seilrutsche benutzen, raften, eine Jeep Safari machen und Paintball spielen. Das ganze wird von einigen Restaurants, Labestellen und der Vermietung von Schuhen für den Flussweg unterstützt.

Die Landschaft ist sehr reizvoll und wir werden an die Schwarza und ein bisschen an die Weichtalklamm erinnert.

Beim Wasserfall spielen sich dann Selfiedramen ab, die wir eine zeitlang fasziniert beobachten. Mit Hidjab oder ohne, mit Kind (schreiend und nicht schreiend) und Frau, ganz alleine am Felsen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das schiefe Selfiegrinsen kennen wir schon, das überrascht uns nicht so sehr.

Wir versuchen uns auch, und sind immer wieder verärgert, wie oft ein Finger im Bild ist, das Bild verwackelt ist und spiegelverkehrt sind sie so und so alle.

Am Rückweg erleben wir dann das Highlight unseres Ausflugs. Die drohenden Regenwolken rücken immer näher und als es tröpfelt versuchen wir Schutz zu finden. Beim ersten starken Guss biegen wir ab und stellen uns einfach unter ein Blechdach. Es ist ein kleiner Bauernhof. Verdutzt betrachten uns die Bauersleute und als es dann sogar unter dem Blechdach bachartig gießt, bitten sie uns in das kleine Haus. Es ist ein Raum mit einem vierflammigen Gasherd, einer Kredenz, einem Kühlschrank und sonst nichts. Am Boden wird gerade ein türkisches Fladenbrot zusammengefaltet. Sie haben die Monatsration vorgebacken und diese wird nun in Plastiksäcken portioniert.

Am Anfang stehen wir herum, nur die Bäuerin sitzt am Steinboden und faltet das Brot. Dann bringen sie uns zwei Plastiksessel, von denen einer zerbrochen ist und bieten sie uns an. Die 80 jährige Oma bleibt stehen. Wir lächeln uns an und können uns nicht verständigen. Kein Englisch, kein Deutsch, kein Türkisch.

Dann bricht Dr. Google das Schweigen. Ich lasse den Hausherren etwas in das Handy sagen und Dr. Google übersetzt. Meistens richtig. Es kommt eine richtige Unterhaltung zustande. Worüber man halt so spricht, die Familie, wie alt man ist, wie viele Kinder man hat usw. Mittlerweile wird Cai gereicht und dazu Feigen. Oma hat jetzt auch einen Sessel bekommen und zeigt uns ihr schönstes Lächeln. Die Türe wird mit einer Kiste Äpfel verschlossen, da sie immer wieder aufspringt und ein nasser Wind in den Raum dringt.

Jetzt kommen noch der Mann der Jungbäuerin und sein Freund dazu, die uns am Anfang sehr skeptisch begutäugeln.

Nach einer Dreiviertelstunde ist der Platzregen vorbei, wir bedanken uns höflich und verabschieden uns.

Die uns entgegen gebrachte Freundlichkeit werden wir nicht vergessen.

Schon in Tlos haben wir eine gesehen und auf einmal watschelte eine Schildkröte mitten auf der Straße, als wir mit dem Roller vorbei fuhren. Die musste gerettet werden. Die vorbei fahrende Polizei drehte kurz das Blaulicht auf und fuhr dann doch weiter. Schildkröte gerettet, wir hoffen sie wollte auf die Seite, auf die wir sie gebracht haben.

Als nächste Attraktion haben wir uns die Geisterstadt Kayaköy ausgesucht. Hier fand in den 19-zwanziger Jahren eine Zwangsumsiedlung griechisch stämmiger Christen statt. Das Ergebnis haben wir schon in Griechenland in einem Kloster bestaunen müssen.

Die Muslime aus Thessaloniki , die hier nach der Vertreibung der Christen angesiedelt werden sollten, wollten nicht bleiben und so begann der Ort zu verfallen. Heute ist es eine Geisterstadt, ein paar Restaurants und Bars am Ortsrand versuchen mit den Touristen Geld zu verdienen. Vor einem ordentlichen Regenschauer mussten wir wieder flüchten. Wieder unter das Dach eines Hauses. Diesmal schaute der Besitzer nur kurz heraus und machte die Tür gleich wieder zu.

Nach einem ereignisreichen Tag ging es zurück nach Fethiye. Wir gaben den Roller zurück und gingen zum zweiten Mal zum „Picknick“, einem Schnellimbiss, der uns von Kaya, dem Messner aus der Moschee, empfohlen wurde.

Evi hat mich mit dem Spruch einzukaufen, wenn es günstig ist geködert und wir waren noch Jeans, Jacke, Ledertaschen, Brillen und Kleinzeug shoppen, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.

Aber dann war genug, wir waren schon eine Woche da und wir wollten wieder weiter.

Fünfzehn Seemeilen um die Ecke liegt Gemiler Adasi, die Nikolo Insel. Dahinter thront der Berg Babadag, ein Mekka für Paraglider. Als wir gemütlich Richtung unserem Ziel segelten, fielen uns die vielen Segler auf. Eigentlich waren es Stangerlschieber, also Segelboote ohne gesetzte Segel.

Viele hatten es recht eilig und noch mehr kamen uns beim Überholen nahe. Daher wussten wir, das waren alles Russen und die wollten alle dorthin wohin wir wollten.

Dazwischen überholten uns Piratenboote und große Gulets, na das wird lustig. Diese Insel ist das Highlight der Gegend und jeder muss einmal dort gewesen sein – wir natürlich auch. Selbst im Oktober zählten wir um die vierzig Yachten, die hier mit Landleine ankerten. Um besser Party machen zu können, legten sich die Boote zu acht aufs Päckchen.

Auf der Insel finden sich mehrere Kirchenruinen und alte Häuser. Gänge aus byzantinischer Zeit. Später soll die kleine Stadt Kreuzfahrern Schutz geboten haben. Die Attraktion ist aber, dass das Grab des hl. Nikolo, also Santa Claus, hier vermutet wird.

Also hinauf mit uns und schon sind wir auf der Suche nach Gängen, Gräbern und alten Mosaiken.

Am höchsten Punkt gibt es nicht nur eine tolle Aussicht, es wurden dort auch Grabstätten in den Fels gehauen. Da wollte jemand den Sonnenuntergang recht lange genießen.

Das ist übrigens eine der Attraktionen der Insel. Der Sonnenuntergang. Rechtzeitig pilgern die Bootsfahrer in Scharen zum kleinen Hügel, um das Verschwinden des Himmelskörpers beobachten zu können.

Wir beobachten vom Boot aus die Massen, die sich am Weg schlängeln oder auf den Booten bleiben und Party machen. Wir entscheiden uns für mittanzen, wenn sie vorbei fahren und zum Lächeln, wenn die Motorboote die OF zum Schwanken bringen. Dazwischen kommen kleine Boote und bieten Eis, Brot, Palatschinken und Dienstleistungen, wie Leinen festmachen an. Nein, danke sind schon fest.

Beim Abstieg klettert Evi dann noch eine Ziege vor die Linse.

Wir verbringen zwei Nächte in dem Wahnsinn und wollen dann weiter in die Cold water bay, von der uns schon einige Geschichten erreicht haben. Die ist nur eine Meile entfernt und damit nur ein kurzer Schlag. Es liegen einige Yachten vor Anker. Alle mit Landleine.

Wir warten brav, bis drei Boote ablegen und machen uns bereit zu Ankern, als eines der Ausflugsboote kommt. Der Platzhirsch macht uns klar, wer hier Vorfahrt hat, schmeißt den Anker und meint, dass der Strand privat ist und wir uns schleichen sollen.

Wir ankern trotzdem, machen an einer bereits in der Wand befindlichen Leine fest, was unseren Nachbarn zu erneuten lautstarken Äußerungen reizt. Ich erkläre ihm schwimmend, dass ich später bei ihm vorbei schauen werde und mache die zweite Leine fest. Da kommen auch schon Ausflugsboot zwei, drei und vier. Mittlerweile sind fast alle privaten Boote verschwunden. Die Anker fallen knapp bei unserem und es wird immer hektischer. Dies sollte aber unser Ankerplatz für zwei Tage sein, da schlechtes Wetter im Anflug ist. Nach zwanzig Minuten gebe ich w.o. und wir ziehen ab. Wieder zurück zum Nikolo.

Und da liegen wir jetzt. Die Ausflugsboote sind heute fast ganz ausgeblieben, da es regnete. Privatyachten sind auch sehr wenige hier und so können wir ein bisschen die Ruhe genießen, wenn da nicht … jetzt die Evi krank wäre …

Und trotz aller Krankheit hat mein Hasi einen Apfelkuchen und einen Marillenzipf gezaubert, damit der Skipper gut über die Runden kommt, während sich die Eignerin erholt.

Türkei

Einen kleinen Nachtrag zu Griechenland habe ich noch, weil es so lustig war. Wir ankerten in Gyali, als ein Charterboot angesegelt kam. Sie fuhren sehr langsam zum Ankerplatz. Die junge Dame am Steuer rief die Tiefe des Wassers nach vorne und der junge Mann am Anker nickte beflissen. Wir waren uns einig, die haben ein Problem. Sie hatten nämlich noch das Großsegel gesetzt. Und unter Segel zu Ankern macht man entweder zum Üben oder wenn man ein Problem hat. Irgendwann fiel der Anker und die Crew begann sich abzukühlen. Das Boot schwojte bedenklich hin und her, da der Wind immer wieder in das Segel blies und das Schiff damit auf die Seite drückte. Als dann auch noch der junge Mann ins Wasser sprang und damit niemand mehr an Bord war, musste ich handeln. Die Yacht drehte sich manchmal sehr zur Seite und ihr Bug zeigte genau auf uns, wenn da der Anker nicht hält, nicht auszudenken. Also hüpfte ich ins Wasser und schwamm zur vierköpfigen Crew. Eine der Damen fragte ich, wer denn der Skipper sei. Sie deutete auf den jungen Mann und ich fragte ihn: „Sorry, do you have a problem with your boat, can i help you?“ „Why?“ war die verdutzte Antwort. „Because you have your sail up“. Worauf seine Augen größer wurden „Oh my goodness, i forgot it“. Er schwamm zurück zum Boot und barg das Segel und ich zurück zur OF um Evi zu berichten. Es gab doch ein Problem, aber ein anderes…

Beim setzen der türkischen Flagge fiel mir gar nicht auf, dass die griechische Flagge bei mir im A… war. Was für ein Fauxpas.

Welcome Marmaris – Nachdem wir ein gutes Platzer gefunden hatten um mit unserem Dingsy Dongsy anzulanden, begannen wir Marmaris kennen zu lernen. Als erstes wollten wir (oder ich?) türkisch Essen gehen. Wir hatten schon viel von der türkischen Küche gehört und nach sechs Monaten Souvlaki et al stand uns der Sinn nach Abwechslung.

Und wir wurden nicht enttäuscht. Wir empfinden die Küche in diesem Land als eine Gaumenfreude.

Es gibt Suppen, viel frisches Gemüse, auch als Vorspeisen und die Hauptspeisen werden reichlich mit unterschiedlichsten Beilagen garniert. Die Schärfe variiert nach belieben. Das Fleisch ist saftig und nicht zu lange gegrillt oder gebraten.

In jeder Stadt gibt es einen Atatürk Boulevard, einen Platz und auch ein Denkmal. In den meisten Geschäften hängt ein beeindruckendes Bild von ihm. Im Marinegeschäft unseres Vertrauens hing das Foto des Geschäftsinhabers mit seinem Vater direkt neben dem Konterfei von Mustafa Kemal Atatürk.

Sogar fast hundert Jahre nach seinem Tod wehen die Flaggen an seinem Sterbetag auf Halbmast. Ein beeindruckendes Vermächtnis.

Der Spruch auf dem Sockel seines Denkmals hat uns sehr gut gefallen: „Peace at home. Peace in the World“

Leider hat ein riesiger Waldbrand unseren Besuch überschattet. Vier Löschflugzeuge zogen ihre Runden über der Bucht von Marmaris. Über Funk hörten wir immer wieder die Aufrufe, dass die Schiffe auf die Seite fahren sollten, damit die Flugzeuge Wasser tanken konnten.

Die Anzahl der Helikopter schätzen wir auf 15, die mit ihren riesigen Wassersäcken auch am Löschen beteiligt waren. Das Feuer wurde durch einen 83 jährigen Imker ausgelöst, der beim Entfachen des Rauches für seinen Job etwas Glut verloren hat, der Arme.

Für den nächsten Tag hatten wir eine Flussfahrt gebucht. Der Bus kam um 8:30. Das bedeute für uns, dass wir wieder einmal dieses Ding, wie heißt es doch gleich, aja Wecker benötigen.

Wir waren beide gespannt, ob wir ihn hören würden, waren dann aber vor Aufregung schon beide vor dem Klingeln wach. Das Dingsy legten wir wieder am Strand ab und gingen zu Fuß zum vereinbarten Treffpunkt. Fast pünktlich erschien der gelbe Doppeldecker. Es waren noch genau zwei Plätze im oberen Stockwerk frei, leider nicht nebeneinander. 100 Leute in einem Bus, Corona lässt grüßen. Wir hatten als Einzige Masken auf. Nachdem die Türkei eines der wenigen Länder ist, das russische BürgerInnen bereisen können, war der Bus mit zirka 90% Russen belegt. Der Rest waren Briten und wir zwei. Unser Reiseführer, Dimitri, war einer von der ganz lustigen Sorte, was haben wir gelacht. Dimitri ist vor zehn Jahren aus Russland in die Türkei ausgewandert. Sein gutes Englisch hat er sich in den USA angeeignet. Und so erzählt er zuerst auf Russisch und dann auf Englisch den Tagesablauf. Als wir zum zweiten Mal auf die Frage „where are my English speakers?“ nicht laut aufschreien, wirft er uns einen bösen Blick zu. Als wir dann noch bei „are we having fun?“ nicht laut grölen, sind wir unten durch und werden dem Boot B zugewiesen. Im A Boot sitzen nur Russen und im B Boot der Rest. Warum wir bei voll besetztem Boot alleine auf einem sechser Tisch sitzen, wissen wir auch nicht.

Nun lernen wir die feinen Unterschiede zwischen „a meal is served“ und „a meal is included“ sowie „there are beach chairs“ und „beach chairs are included“. Als Mittagsmenü stehen zur Auswahl Fisch (Seabream = Dorade) oder Chicken. Für den Abend können wir zwischen Fisch und Krabbe wählen.

Evi und ich beraten kurz und ich bestelle für den Mittagstisch einmal Fisch und einmal Krabbe. An seinem Gesicht entdecke ich in Millisekunden meinen Fehler, dass es zu Mittag keine Krabben gibt. Ich öffne den Mund um mich zu entschuldigen und die Bestellung zu korrigieren, doch es ist zu spät. Ein „you don’t listen, do you?“ trifft mich voll ins Antlitz und wir sind endgültig unten durch.

Die Landschaft entschädigt und für alles. Der See ist wunderschön und die bergige Landschaft liegt in einem leichten Dunst. So geht es über eine Stunde lang quer über den See. Unsere jungen Nachbarn dürstet es. Der frisch gepresste Granatapfelsaft ist nicht das, was sie wollen. Sie verlangen Vodka. Unser Schiffsmann mit den vielen Funktionen (Koch, Anlegehilfe, Krabbenalleinunterhalter, Getränkelieferant,…) schreit dem Kapitän etwas zu.

Darauf hin wird unser Boot Seite an Seite mit dem anderen Boot gebracht. Ein, zwei Personen steigen über, ein paar Gläser kommen zu uns an Bord und eine Flasche mit klarer Flüssigkeit. Seref serviert den jungen Gästen die türkische Antwort auf Vodka, Raki. Nachdem anscheinend nicht zu oft Raki verlangt wird, erhellen sich die Gesichter unserer Freunde als Seref die Viertelgläser gut mit dem Anis-Schnaps füllt. Zum Herunterspülen wird Granatapfelsaft, Wein und Bier gereicht. Die Sonne am Oberdeck wird dann später den Rest mit unseren Nachbarn erledigen.

Die erste Station unserer Reise ist das Schlammbad. Es werden uns noch an Bord die Verhaltensregeln erklärt. Eine lautet, dass wir mit dem Dreck am Körper nicht ins Wasser hupfen dürfen, zuerst duschen.

Wir suhlen uns genüsslich im leicht faulig riechenden Schlamm, das muss gesund sein. Danach muss man den Matsch trocknen lassen um die volle, gesunde Wirkung zu erreichen. Als wir uns nach dem Duschen dem See zuwenden, sind wir erstaunt, welche Menge an Ungeduschten gleich ins Wasser hüpft. Wir springen auch hinein und versuchen den feinen Schlamm aus dem Badegewand zu waschen, er wird uns noch Tage begleiten.

Danach genießen wir das 40 grädige Thermalwasser. Eine Kuppel sorgt für interessanten Lichteinfall und dafür, dass die Dämpfe im Raum bleiben. Die sind laut Dimitri sehr gesund für unsere Lungen, sprachs und zündete sich eine Papirossa an.

Während wir plantschten und gatschten wurde am Schiff fleissig gekocht. Der Fisch war schon gegrillt als wir wieder an Bord kamen. Mit Salat und Brot gereicht, waren wir erstaunt wie in der Miniküche unter Deck so eine Menge an Essen, und das durchaus gut gebraten, serviert wurde. Während wir aßen wurde abgelegt und wir fuhren in den mäandernden Fluss ein. Hier konnten wir die lykischen Felsengräber bewundern. Eine Art der Bestattung, die für besonders Reiche um 600 vor Christus gewählt wurde. Die Gräber hatten ungeplündert bis in das 11 Jahrhundert überdauert, bis sie von den Osmanen ausgeraubt wurden, wie uns Dimitri grinsend erzählte.

Ab jetzt gab es auch die Möglichkeit, dass Schildkröten auftauchen könnten, wir sollten auf der Hut sein. Wie auf Befehl reckten alle ihre Hälse, entdeckten aber nichts.

Die beschauliche Landschaft mit Eseln, Ziegen, Kühen zog an uns vorbei und wir genossen es sehr, dass wir uns weder um die Tiefe des Wassers noch um den Wind kümmern mussten.

Als nächste Attraktion wurden uns die blauen Krabben, die unser Nachtmahl darstellten präsentiert. Jeder musste sie einmal halten und unser Unterhaltungschef zeigte seine schönsten Zahnlücken, bis die jungen Damen zu kieren begannen.

An der Mündung des Flusses liegt eine sehr schöne Sandbank. Hier landen drei verschiedene Schildkrötenarten und legen ihre Eier ab. Viele Schilder erklären den Ablauf und verschiedene Bereiche sind zum Schutz abgesperrt. Wir verbringen knappe zwei Stunden am Strand – ohne Liegen – und genießen das Rauschen der Wellen.

Besonders ermahnt wurden wir pünktlich zurück zu sein. Da gäbe es dann die große Möglichkeit Schildkröten zu beobachten. Wir lieben es auch, diese riesigen Meeresbewohner zu betrachten. Das Schauspiel hier an Bord ließen wir aber aus. Sie wurden mit den Resten der Krabben angelockt und unser Schiff senkte sich bedenklich als sich fast die gesamte Besatzung am Heck versammelte. Unter lautem „oh“ und „ah“ konnten wir rein akustisch feststellen, wann sie auftauchten. Dimitri schüttelte nur mehr den Kopf, als er uns alleine auf unserem Tisch sitzen sah, ohne das Spektakel mitzumachen.

Die Krabben wurden kalt in einer Plastikschale serviert. Dazu gab es einen kleinen Hammer, mit dem man direkt am Tisch die Scheren zertrümmern konnte. Viel dran ist nicht, aber schmecken tut es gut.

Die Reste wurden sauber getrennt, wir nehmen an, dass sie am nächsten Tag als Schildkrötenfutter dienen sollten.

Schön langsam ging es wieder zurück. Viele Hotels und Restaurants sowie eine kleine Stadt finden sich links und rechts am Ufer. Eine Hochzeitsfeier war gerade im Gange, als wir daran vorbei fuhren.

Eine Gulet Werft konnte man auch sehen, hier werden große Holzboote nach alter Tradition gebaut, da würde ich gerne einmal mitarbeiten. Der Rückweg verlief ruhig und man konnte sich vom Plätschern der Wellen zum träumen anregen lassen. Auch unsere Freunde am Nebentisch lagen übereinander auf den Bänken in einem gewissen Erschöpfungszustand.

Wir ergatterten zwei Sitzplätze nebeneinander im Bus und ich war erstaunt, dass alles was einen Motor hatte unseren Bus überholte. Nur an zwei Pferdefuhrwerken fuhren wir unter lautem Hupen vorbei. Müde und geschafft, aber sehr zufrieden, stiegen wir am Atatürk Platz wieder aus und verabschiedeten uns höflich. Auch wenn der Zynismus im Bericht auf Anderes schließen lässt, der Ausflug hat uns wirklich gefallen.

Dingsy Dongsy picki

Wie schon hinlänglich bekannt geht unserem Dingsy wieder einmal die Luft aus. Wir verbrachten einige Zeit mit der Suche und fanden auch wieder eine Stelle. Leider blubberte es unter einer frischen Klebestelle heraus.

Es half alles nichts, ein Spezialist musste her. Den fanden wir dank google auch recht schnell. Wir vereinbarten ein Treffen am Strand und nach Kurzem war klar, dass uns rasch geholfen werden konnte.

Wir sollten am nächsten Tag in den Fluss bei der Marina einfahren und das Brüderpaar dort treffen. Schnell war unser Scooter aus dem Wasser gehoben und auf den Pickup verladen. Die Werkstatt der Beiden ist der Gehsteig. Dort wurde das Dingsy nass gemacht und dann mit einem Besen und viel Spüli ordentlich eingeweicht. Links, rechts, umdrehen, oben und unten. Drei Minuten später war die Stelle gefunden und wir hörten die Botschaft „not today“. Er musste den Schlauch von innen und außen kleben, das ging sich nicht an einem Tag aus. Es war Freitag und wir einigten uns auf Montag, dafür bekamen wir ein Ersatzdinghy, allerdings ohne Motor. Evi ging zu Fuß und ich ruderte gegen Wind und Welle. Nach drei Minuten brach eine Ruderhalterung und den Rest musste ich unter erschwerten Bedingungen mit einem Provisorium arbeiten.

Am Montag darauf ruderte ich wieder zurück und wir konnten unser repariertes Dinghy übernehmen. Seit dem sind wir stolze Besitzer eines Schlauchbootes mit Luft.

Immer wieder kreuzten Militärschiffe unseren Weg. Dieses war mit dem Flaggen Alphabet über Topp und Takel beflaggt. Die ganze Mannschaft war herausgeputzt und hatte ihre weißen Galauniformen an. Und nein, wir fahren jetzt da nicht zu den jungen Männern, sagte ich zu Evi, als ich ihr das Fernglas wegnahm, von dem Sie schon rote Ringe um die Augen hatte.

Die Bucht von Marmaris ist sehr gut geschützt und am Abend, wenn sich der Wind legt, glaubt man in einem Ententeich zu sein. Wir wachten in der Nacht auf, ungläubig ob wir nicht an Land stehen.

Danke Christian für den Tipp, dass dieses Schiff ein Müllsammelschiff ist. Mit einem Rechen und einem Förderband fährt es durch die Bucht und liest den Abfall auf.

Den Sonntag ließen wir nicht ungenutzt verstreichen und widmeten uns wieder einmal der Kultur.

In der Burg von Marmaris ist ein Museum eingerichtet und man kann bestaunen, wie eng die griechische und türkische Geschichte in dieser Gegend verbunden ist.

Amphoren dienten viele hunderte Jahre als Transportmittel für Wein, Öl, Oliven und anderer Handelsware, die bis England transportiert wurde. Natürlich waren auch wieder überall Kanonenkugeln und anderes Kriegszeug als Zeugen des Jahrtausende langen Schädeleinschlagens, das scheint ja bis heute nicht aufzuhören.

Mit unserem Ersatzdinghy ruderten wir von der OF in die Stadt und zurück. Beim Streunen hatte Evi ein Elektronikgeschäft entdeckt, der auch gebrauchte Sachen verkaufte, als sie meinte „Dem verkaufen wir jetzt den alten Plotter“

Gesagt getan nahmen wir unseren alten, defekten Plotter in einem Sackerl mit und boten ihn an. Der Verkäufer testete ihn gleich und beim Test hat alles einwandfrei funktioniert. Ich bremste seine Euphorie um ihm zu sagen, dass er dann in fünf Minuten nur mehr Streifen sehen werden, der Plotter ist nicht ok. Die Verhandlungen überließ ich dann meiner Frau. Sie kicherten hin und her und Evi versuchte keinen Preis zu nennen.

Eigentlich wollten wir ihn wegschmeißen und wären so mit jedem Betrag zufrieden gewesen. Irgendwann öffnete der Kaufmann sein Geldbörserl und nahm einen Hundert-Euroschein heraus. Evi lachte vor Freude und ich steckte ihn gleich ein. Damit hätte ich nicht gerechnet. Schnell noch ein Selfie vom Vertragsabschluss und wir verplanten schon, was wir mit dem überraschenden Geldsegen machen wollten.

Montag Früh wickelten wir den Dinghytausch ab und dann war es genug. Eine Woche Marmaris reicht uns vollkommen, wir wollten hier raus und in eine einsame Bucht. Richtung Göcek, dort soll es tolle Buchten geben. Nach einem wirklich geilen Segeltag erreichten wir eine nette kleine Bucht im Ententeich von Göcek.

Mit Landleinen und Anker legten wir in an. Das Manöver mag ich eigentlich nicht, da bei Problemen wenig Zeit zum Reagieren bleibt. Bei wenig Wind und Welle ist es nett, man hat dann sein eigenes Pool.

In diesem Fall nicht ganz, da hier Mistkübeln abgestellt sind. Die werden von den Bootsfahrern gut besucht. Aber nicht nur die Bootsfahrer freuen sich, sondern auch die Ziegen. Immer wenn ein Sackerl in den Kübel fällt, springt auch schon eine Ziege hinterher und schaut, was es Neues gibt. Auch am Strand werden die Müllsäcke gleich inspiziert oder zumindest eine Streicheleinheit abgeholt.

Wenn die Ziegen dann zur Kontrolle aus dem Kübel blicken, schaut das dann recht witzig aus, besonders wenn zwei gleichzeitig heraus gaffen. Täglich werden die Kübel in Säcke umgeladen und vom Müllschiff mitgenommen.

Und wenn man ihnen dabei hilft zwischen dem Leinengewirr durchzukommen, dann holen sie sogar den Müll direkt vom Boot ab, sehr praktisch.

Schwimmende Kaufläden haben wir schon einige gesehen. Ob Brot, Obst, Getränke, das kannten wir schon. Neu war hier der Kaffee und Kuchen Service, das Eisboot und das Massage Boot.

Ganz toll fanden wir, dass die beiden Supermärkte Migros und Carrefour schwimmende Filialen betreiben.

Am Heck hat man einen Dinghy Landeplatz und drinnen kann man mit dem Einkaufswagerl fahren.

Also ganz toll nur solange, bis uns der Nachbar verriet: „they have no beer“. Ok, dann muss ich dort jetzt doch nicht unbedingt hin.

Nach zwei Nächten segelten wir zur nächsten Bucht. Wir wollten wieder frei Ankern. Dort lernten wir Österreicher kennen, die seit langem in der Türkei segeln. Sie gaben uns den Tipp, dass man in der Gegend auf einen Zweitausender mit einer Seilbahn fahren kann, das werden wir probieren.

Beim Einklarieren bekamen wir unsere Bluecard zugewiesen. Mit diesem Code kann man dann bei einer Abpumpstation seinen Schwarzwassertank entleeren. Das hält die Buchten sauber und ist schnell erledigt. War für uns auch neu, hat gut geklappt.

Nächster Stopp war Göcek. Schon wenn man sich dieser sehr touristischen Stadt nähert, kann man nicht glauben wie viele riesige Motoryachten hier stehen. Dazwischen Ankern die großen Gulets und irgendwo gibt es ein kleines Ankerfeld für alle anderen. Man muss bei zirka 20 Meter Tiefe ankern, was recht tief ist und einiges an Kette bräuchte. Die kann man aber nicht, wie es man sich wünscht, stecken, da die Nachbarn so nahe sind.

Eine Marina bezeichnet sich gleich als Megayacht Marina, entsprechende Boote waren dort zu sehen. Wir gingen an Land und schauten uns um.

Im D-Resort, das zur D-Marina gehört kann man direkt an einem Kanal ein Häuschen mieten und mit dem Boot gleich davor anlegen.

Und dann haben wir die Quelle des türkischen Honigs entdeckt. Daheim war er uns eher als hart und Plomben ziehend in Erinnerung. Hier ist er ganz weich, in vielen Geschmacksrichtungen und eigentlich unwiderstehlich.

Ein ganzes Kilo wanderte in unsere Einkaufstasche, für daheim, für die Verwandtschaft. Aus heutiger Sicht wird daraus leider nichts, ein Drittel haben wir schon verputzt. Er passt einfach zu jeder Tageszeit und zu jedem Getränk.

Den Abend verbrachten wir wieder in einem ausgezeichneten Restaurant. Der Fisch war mit Gemüse und Erdäpfelstampf garniert und sehr gut gebraten.

Am Sonntag gibt es hier einen Markt. Eine Halle mit alten Segeln als Dach bietet alles mögliche an Gewand an. Original Gucci Taschen und Hugo Boss Jeans können zu einem sehr guten Preis erworben werden. Uns interessiert aber vielmehr die Gemüse- und Obsthalle. Gleich beim Eingang werden Fladenbrote mit verschiedensten Füllungen angeboten. Dazu frisch gepresster Granatapfelsaft, sehr sauer oder gemischt mit Organgensaft.

Die Füllungen reichen von süß, über Früchte bis zu frischem Gemüse mit Käse. Wir könnten uns eingraben.

Am Markt gab es alle Sorten von Gemüse und Obst, sehr frisch und für uns zu sehr günstigen Preisen.

An so herrlichen Waren können wir nicht vorbeigehen und es wandern einige Kilo Obst und Gemüse in unsere Einkaufstaschen.

Evi versucht zwei Handtücher zu erwerben und lässt nicht locker, als der Verkäufer keinen Rabatt gewähren möchte. Evi bleibt auch konsequent und der Deal kommt nicht zu Stande.

Mit gefüllten Taschen ging es zurück zur OF.

Um Mitternacht, wir wollten gerade ins Bett gehen, begann ein stärkerer Wind zu wehen. Unsere Ankerwache verriet uns, dass unser Anker hält. Nicht so bei den Nachbarn. Zuerst trieb ein kleinerer Gulet an uns vorüber. Die Mannschaft war recht entspannt und zündete sich erst mal eine Zigarette an. Erst als sie auf unseren Hintermann trieben und sich die Anker verhedderten kam Leben in die Bude. Wilde Vor- und Zurückmanöver ließen uns dann doch auch den Motor starten. Der Wind frischte weiter auf, um uns waren zirka 20 Boote. Von denen kamen jetzt im fünf Minuten Abstand ungefähr die Hälfte ins Rutschen. Die meisten weit genug weg, dass es uns nicht betraf. Da wir nicht wussten, wie lange der Wind anhält ging ich schlafen und Evi hielt Wache. Sie weckte mich noch zwei Mal, als direkt vor uns sich zwei Boote bedrohlich nahe kamen. Dann legten sich der Wind und kurz darauf auch Evi.

Es reicht, kurz nach dem obligatorischen Frühstück, früher Kaffee mit Milch, jetzt Kaffee mit Milch und türkischem Honig, brachen wir auf. Genug der Hektik. Alleine, wie viele Dinghys mit ordentlicher Geschwindigkeit durchs Ankerfeld rasten, war zu anstrengend.

Als die Küstenwache unseren Nachbar kontrollierte und sich dann einiger rasender Dinghys annahm, kamen uns doch ein paar Grinser aus. Besonders, wenn die Fahrer nichts merkten und die Coast Guard mit immer lauter werdender Stimme den Rasern nachfuhr.

Wir wollten wieder in eine einsame Bucht. Am Weg dorthin besuchten wir noch eines der Postkartenmotive der Region und um die Ecke lag die viertgrößte Yacht der Welt. Sie gehört dem Roman.

Auf die Frage, ob wir auf einen Kaffee kommen dürften, ernteten wir nur ein kurzes „Njet“ und so segelten wir weiter. Zum ersten Mal sahen wir auch ein Gulet unter Segel.

Nur fünf Meilen weiter fanden wir unsere Bucht vor einem Campingplatz. Wir waren das einzige Boot und hatten herrliche Ruhe am Ankerplatz. Beim Spaziergang am Strand stellte ich fest, dass jedem Zeltplatz ein eigener, normal großer Kühlschrank, der im Freien steht, zugewiesen ist. Schaut lustig aus.

Hier verbrachten wir eine friedliche Nacht mit einem leichten Geschaukel, das uns in den Schlaf wiegte.

Behörden Schei… Wege

Um die EU verlassen zu können, muss man ausklarieren. So heißt das Fremdwort, damit ein Schiff den Hafen verlassen darf.

Ein ähnliches Prozedere kannten wir schon, als wir von Kroatien nach Griechenland segelten.

Damit wir nichts falsch machen, befragten wir als Ersten den Hafenmeister. Der hat zwar nichts mit dem Ausklarieren zu tun, sollte aber Bescheid wissen. Sollte! Er schickte uns, ohne zu zögern, zuerst zur Coast Guard (Küstenwache). Dann sollten wir die Port Police (Hafen Polizei) und zum Schluss den Custom (Zoll) aufsuchen.

Gesagt getan. Irgendwie habe ich aber schon im linken Zeh gespürt, dass das ganze nicht so leicht wird. Deshalb packte ich eines unserer Räder aus. Ich radelte also mit allen Papieren und Pässen bewaffnet zur Coast Guard. Das Gebäude wird gerade renoviert und deshalb kann man den Eingang nicht als solchen erkennen. Sehr freundlich wird man zur richtigen Tür gewiesen, um dann noch freundlicher zuerst zur Port Police geschickt zu werden. Die muss nämlich als erstes aufgesucht werden.

Sie liegt zirka 1,5 km am Hafen entlang beim Kreuzfahrt-Terminal. Zum Glück war ich ja mit dem Rad da. Der Security am Gate muss man erklären was man möchte und da diese von zirka 9.000 Kreuzfahrern, die dort vorbeispazieren genervt sind, dauert die Erklärung ein bisschen länger. (Gestern aßen wir in einem Lokal, wo um 1500 die Kreuzritter wohnten und heute stand ich unter einem Schiff mit 20 Decks, wo die Kreuzfahrer einquartiert sind)

Die Port Police war schnell erledigt und ich hatte drei Stempel auf drei Zetteln. Der Polizist wollte drei, genau drei.

Dann schickte er mich zum Zoll. Dort wurde ich erstaunt beäugt und befragt, ob ich denn die Steuer für Seefahrer bezahlt hätte. Natürlich hatte ich. Und seit wann wir denn da wären, in Griechenland. Wahrheitsgemäß nannte ich den Juli 2021. Aber da sind ja keine Zahlungen zwischen Dezember und April. Ja, da stand das Schiff auch im Trockenen. Nein, nein so geht das nicht, wenn man sich nicht abmeldet muss man zahlen. In der Zwischenzeit hat der recht ahnungslos schauende Beamte Verstärkung einer resoluten Dame bekommen, die ihm kräftig zustimmte. Mit Schweißperlen auf der Stirn loggte ich mich am Handy in das Zahlungssystem ein und zeigte Frau und Herrn Beamten, welche Zahlungen wir gemacht hatten. Irgendwann war es mir zu blöd und ich beantwortete die zum fünften mal gestellte Frage, ob ich denn bezahlt hätte einfach mit Ja. Warum ich überhaupt hier sei und warum mich der Polizist zu ihnen geschickt habe. Das wusste ich natürlich nicht und zog Schweiß gebadet, aber glücklich keine zusätzlichen Zahlungen aufgebrummt bekommen zu haben, von dannen. Kein Zettel, kein Stempel, kein Gruß begleiteten meinen Abgang.

Next Stop: Coast Guard (die zweite). Stolz wies ich nach meiner kleinen Radstrecke die gestempelten Dokumente vor. Die nette Dame hinter dem Schalter beäugte jeden Zettel kritisch. Die Wartezeit vertrieb ich mir mit lesen, der in Englisch verfassten Nachricht, dass sich das Gesetz bezüglich Versicherungen geändert hätte. Und als die Dame zum vierten Mal mit dem Finger über die selbe Zeile auf unserer Versicherungspolizze strich, ahnte ich Übles. Unser Versicherungszettel passt nicht, der muss ausgebessert werden. Ich solle doch der Versicherung eine Mail schicken, die machen das schon.

Kein Stempel, kein Zettel, dafür ein freundlicher Gruß. Ich verließ gesenkten Hauptes die Behörde und radelte zurück zum Schiff. Tränenerstickt berichtete ich meiner Gattin vom erlittenen Übel. Sie tröstete mich mit Nahrung und Bier. Frisch gestärkt versandten wir die Mail zu unserem Versicherer. Nach ein paar Stunden wurde ich dann doch nervös und rief dort an. Die Dame am Telefon versicherte mir, dass die EDV derzeit nicht funktioniere, sie aber sehr bemüht sei, das Problem zu lösen. Jo genau, die EDV. Dann verband sie mich mit meiner neuen Betreuerin, die den Fall in zwei Minuten löste und mir das gewünschte Zettelchen per Email schickte. Schnell war es ausgedruckt und mit vor Stolz geschwellter Brust ging es zurück zur Coast Guard (die dritte).

Mittlerweile war Schichtwechsel und ich erklärte selbstbewusst mein Anliegen, fuhr mit dem Finger über die besagte Stelle, wie ich es vor ein paar Stunden bei der Kollegin gesehen hatte.

Das Antlitz der hübschen uniformierten erhellte sich und ein Lächeln war zu sehen. Sie lächelte immer noch, als sie die Papiere prüfte und zustimmend nickte. Ohne nach oben zu sehen, fragte sie mich nach dem Zettel vom Zoll. Welchen Zettel? Ich habe keinen Zettel beim Zoll bekommen, die haben mir gesagt, dass ich mich schleichen soll.

Naja, aber sie braucht doch den Zettel vom Zoll, ohne den geht’s nicht. Als ich glaubhaft versicherte wirklich beim Zoll gewesen zu sein, rief die Dame dort an. Es wurde immer lauter am Hörer und am Ende wurde mir Schulter zuckend mitgeteilt, dass ich jetzt zum Zoll muss.

Ich überlegte kurz, ob ich jetzt zum Rauchen anfangen soll, entschied mich dann aber dafür, mich auf das Rad zu schwingen und zum Zoll zu radeln. Dort war inzwischen Schichtwechsel und ich musste dem Security erklären, was ich wollte. Ich kannte die gewünschten Reizworte bereits und konnte sogar auf das richtige Gebäude deuten.

Beim Zoll saß eine sehr freundliche Dame und ihr Vorgesetzter. Der interviewte mich zuerst einmal, ob ich wirklich schon einmal da war und wann genau und wie der Herr und die Dame ausgesehen haben. Nachdem ich meistens in solchen Situationen die Wahrheit sage, dürfte ich glaubwürdig genug gewesen sein und man schritt zur Amtshandlung. Ich zeigte die Papiere vor, die Originale bitte, nicht die Kopien und erhielt nach kurzem den kleinen, A6 großen, handgeschriebenen Zettel, der mir das Glück bei der Coast Guard bescheren sollte.

Nach dem ersten Besuch beim Zoll und dem Schock mit den nicht bezahlten Steuern, haben Evi und ich gegoogelt und die richtigen Informationen gefunden. Sobald ein Schiff aus dem Wasser ist, muss man keine Steuern zahlen. Also hatten wir nichts falsch gemacht. Mit den entsprechenden Links aus dem Internet ging es weiter.

Zurück zur Coast Guard (die vierte). Eher kleinlaut als stolz zeigte ich den kleinen Wisch her. Den Kopf devot gesenkt erwartete ich das nächste Unheil.

Die hübsche junge Dame war glücklicherweise die selbe geblieben und ich musste nicht von vorne anfangen. Sie musterte den kleinen Schaaszettel, die anderen Papiere, die Stempel und alles schien zu passen und verlangte nach dem Transitlog. Wir haben aber keines. Ja, wieso, warum wir denn keines hätten. Wusste ich nicht, wir hatten aber keines, auch keines bekommen als wir im Juli des Vorjahres in Korfu einreisten. Den dort ausgestellten Schaaszettel tat sie als solchen ab und bestand auf dem nicht vorhandenen Transitlog. Als ich den Kopf zum dritten Mal auf der Theke aufschlug (das ist jetzt etwas übertrieben) holte sie ihren Vorgesetzten.

Der sehr freundliche, fesche Mann blätterte die Papiere durch, nickte das griechische, zustimmende Nicken (das schräge Nicken) zuerst bei den Stempeln der Port Police, dann beim Zoll Schaaszettel und noch einmal bei der Versicherungspolizze, um mich dann zu fragen wo das Transitlog sei. Die Corona-Plastikwand hinderte mich am Sprung an seine Gurgel und irgendwann, nach einer gefühlten Unendlichkeit, fragte er mich nach der Flagge des Schiffs. Austria, oh Austria, „you don’t need transitlog, you are EU“. Da fiel es mir auch wieder ein, dass wir keines brauchen, wir sind ja in der EU.

Nach der Bezahlung von fünf Euro – in bar – nein, wir können nicht auf 10 heraus geben – zog ich verwirrt von dannen. Dass sie gnadenhalber einen Zettel kopiert haben, weil der erste Polizist eigentlich vier Zettel herausrücken hätte sollen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Ich setzte mich an den Straßenrand, atmete tief durch und versuchte mich an alle Details zu erinnern. Einerseits um sie Evi zu erzählen und anderseits um damit den Blog zu befüllen. Als die erste Münze neben mir auf den Boden fiel, raffte ich mich auf und fuhr heim.

Fertig! Ich und die Papiere, wir waren bereit zur Ausreise aus der EU. Das ganze in zirka 7 Stunden und einigen Kilometern am Rad.

Dazu muss erwähnt werden, dass alle Beamten, bis auf eine, sehr freundlich und hilfsbereit waren.

In der Zwischenzeit hatten wir mit unserem türkischen Agenten (ohne geht hier gar nix) Kontakt aufgenommen, der die Einreise für uns abwickelt. Ich musste ihm alle möglichen Dokumente vorab per Mail schicken und er träfe uns dann am Q-Dock, dem Ponton an dem man einklarieren muss.

Der Wind war stark, der Agent noch nicht da und wir verweigerten den kleinen Ponton und legten direkt neben einer Megayacht an. Kurz darauf war Bruno am Steg, begrüßte uns freundlich und bat uns zur Passkontrolle. Nach erfolgter Kameraerfassung nahm er unsere Papiere und teilte uns mit, dass wir schon mal zum Ankerplatz fahren können und später im Büro die Papiere holen sollten. Das wars, fertig, willkommen in der Türkei, dort hinten links gibt’s das beste Kebap.

Nach dem Ankern besorgten wir uns als erstes eine SIM Karte, da wir eine SMS unseres Handybetreibers bekommen haben, dass ein MB 15€ kostet. Hat jemand in letzter Zeit probiert, mehr als einen Tag ohne Internet auszukommen? Wie ist das? Wieder mit Internet ausgestattet, gingen wir zur Agentin, bezahlten unsere 200€ Einreisegebühren, erhielten die Papiere und plauderten über die türkische Inflation und ihre Ursachen, die ich aber hier nicht schreiben darf.

Und jetzt liegen wir da, in Marmaris vor Anker zwischen sehr vielen Spaßbooten, 50 anderen Ankerliegern und vielen, vielen Jetskis und Wasserskifahrern.

Schäffe an Bord

Oder eigentlich Ex-Chef oder eigentlich mittlerweile guter Freund. Franz und Noemi haben uns für ein paar Tage besucht. Eigentlich hätten wir geplant gehabt mit ihnen ein bisschen in der Türkei zu segeln, aber der Wind hat uns wieder mal den Plan ändern lassen.

Ihr Flug war so und so nach Kos gebucht und so kamen sie in Kardamena an Bord. Zum ersten Mal hatten wir mit Noemi einen Gast, den wir gar nicht kannten. Wir haben auf Franz guten Geschmack vertraut und schnell eine neue Freundin gefunden. Wir gingen noch in ein gutes griechisches Restaurant direkt am Kai und lichteten den Anker Richtung Gyali. Franz hatte uns eine ziemliche Aufgabe gestellt, er wollte einen Fisch fangen, Delfine sehen und gut Essen gehen. Nummer drei war schon gut erledigt und in Gyali fing ich mit Thomas die beiden Barracudas.

Bei Dämmerung rüsteten wir uns mit Angeln und Haken aus und gingen im Riff auf Lauer.

Und wirklich ging uns wieder ein kapitaler Barracuda an die Angel. Wir konnten ihn schon sehen und der Kescher war schon ausgebracht, als sich der Lauser vom Haken riss und im Dunkel des Riffs verschwand. Konnte man das schon als „gefangen“ zählen? Man weiß es nicht, spannend war es auf jeden Fall.

Auch das Tauchen in der Bucht bescherte uns wieder Rochen, Seesterne und Plattfische. Beim Bimsstein sammeln musste ich Evi zurückhalten, unsere OF hat schon Schlagseite.

Franz ist auch Imker und so bekamen wir nicht nur die bestellten Weizenkeime sondern auch selbst gemachten Honig, Marmelade, harte Würstel, Salami und guten Wein. Vielen Dank für die lieben Mitbringsel.

Der nächste Tag brachte uns bei tollem Segelwind nach Tilos. Wir ankerten vor der kleinen Stadt und gingen mit dem Dinghy an Land. Evi hat eine verlassene Stadt als Sehenswürdigkeit gefunden.

Zuerst ging es der Straße entlang immer bergauf Richtung Dorf. Als wir den markierten Wanderweg fanden, konnten wir wilden Oregano erschnüffeln und auch tote Ziegen. Der Oregano riecht besser und wurde beim Rückweg ordentlich gerupft.

Der Oregano wurde nach dem Pflücken im Cockpit für drei Tage getrocknet und dann mit der Hand von den Stielen und anderem Unkraut befreit. Danach wurden die letzten Unreinheiten mit dem Sieb entfernt.

Am Schluss wurde das Gewürz in Gläser gefüllt, beschriftet und Noemi bekam ein großes Glas zum mit nach Hause nehmen.

Einen griechischen Salat mit selbst gepflücktem durften wir gleich an Bord genießen.

Ziegen haben uns den ganzen Weg begleitet und im Dorf erschreckten sie uns, als sie unvermutet aus Fenstern hüpften. Der Ausblick von da oben war hinreißend.

Mikro Chorio heißt die verlassene Stadt. Es gibt Steinhäuser, eine Kirche und ein Kaffeehaus, das wieder in Betrieb ist. Leider nicht, als wir da waren. Man konnte sich gut vorstellen, wie die Leute hier gelebt haben und auch wie mühsam die Häuser gebaut werden mussten.

Die Stadt wurden in den 1950ern verlassen, warum genau konnten wir nicht herausfinden.

Jetzt wird sie von Ziegen und Katzen bevölkert und von Touristen besucht. Eine eigene, neue Straße wurde dazu gebaut.

Vor fast jedem Haus steht eine Ölmühle und oft fanden wir tiefe, verputzte Gruben, deren Sinn sich uns nicht erschloss.

Nach einem sehr guten Abendessen im Ort ging es am nächsten Tag weiter nach Symi. Wir hatten den beiden schon vom Mönch mit den komischen Lauten erzählt. Beim diesmaligen Besuch des Klosters hörten wir aber nichts, zum Glück.

Dafür schwammen jede Menge Schildkröten um uns herum und wir konnten wieder das Spielchen „Wer sieht die Schildkröte“ spielen. Das Spiel gefiel den beiden so gut, dass Franz es als Ersatz für eine Delfinsichtung akzeptierte.

Bei der Windmühle bereiteten wir uns diesmal professioneller auf den Sundown vor. Mit Kühltasche und entsprechendem Inhalt warteten wir, bis der Gluatmugel hinter der kleinen Insel im Meer versank. Die letzten Sonnenstrahlen nutzten wir für schöne Fotos.

Bei tollen Windverhältnissen ging es am nächsten Tag weiter. Der Wind kam direkt von hinten und wir konnten mit dem ausgebaumten Yankee und dem Grossegel Schmetterling segeln. Rascher als gedacht waren wir an unserem nächsten Ziel, Rhodos. Vielleicht auch deshalb, weil wir einen Abschneider genommen hatten und zwei Stunden lang in der Türkei gesegelt sind. Keiner hat’s gemerkt, glauben wir, zumindest hat uns keiner geschimpft. Evi hat am Vortag am Funk gehört, dass ein „turkish warship“ einen Segler gerufen hat, der zu nahe segelte. Wo genau zu nahe fanden wir aber nicht heraus.

Die Reise war ein bisschen rollig und Franz musste unsere Akkupressurbänder ausprobieren, die aber gut halfen.

Am Ankerplatz gab es ein kleines Riff zum Tauchen, das die beiden mit Taucherbrille und Schnorchel besuchten.

Hinter uns lag die riesige Segelyacht von Bill Joy, einem Mitbegründer von Sun Systems und Entwickler des vi. Wir prägten uns sein Gesicht ein, vielleicht würden wir ihn ja in der Stadt treffen.

Die Altstadt von Rhodos hat uns alle verzaubert. Umzäunt von einer intakten Stadtmauer findet man im Inneren zahlreiche mittelalterliche Häuser. Wir speisten sehr gut in einem Haus, das um 1500 die Ritter der Zeit beherbergte.

Ritterrüstungen kann man überall in Rhodos kaufen, genauso wie Pelzmäntel und Ledertaschen.

Jeden Tag legen hier mindestens drei Kreuzfahrtschiffe an. Pro Schiff zirka 3.000 Gäste, die dann auf die Altstadt losgelassen werden.

Da für den nächsten Tag leider schon die Abreise von Franz und Noemi geplant war, verlegten wir uns in den Stadthafen, von dem aus die Fähre nach Kos gut erreichbar war.

Wir verbrachten den zweiten Tag in der mittelalterlichen Stadt mit streunen und baden. Am Badestrand entdeckten wir einen Sprungturm. Der war mitten ins Meer gebaut und hatte vier Sprungebenen. Wir testeten alle Höhen und von ganz oben gesprungen, schießt das Salzwasser direkt bis ins Hirn, wenn man sich nicht die Nase zuhält.

Den Abend verbrachten wir wieder in der Altstadt. Die vielen Händler preisen ihre Waren an und es ist recht schwierig ihren Angeboten zu entgehen.

Der letzte Abend wurde zu einem Wok Abend mit anderen als griechischen Geschmäckern. Nachdem wir alle vier Freunde des asiatischen Essens sind, war uns die Abwechslung willkommen.

Wir hatten viel Zeit an Bord zu plaudern und Noemi hat uns viel über Ihren Beruf als Pferdetrainerin und Westernreiterin erzählt. Komplettes Neuland für uns und damit sehr interessant.

Auch, dass die beiden unter die Hendlzüchter gegangen sind war spannend. Mittlerweile wuselt schon einiges an Tieren auf ihrem Hof.

Wir waren froh, so nette Gäste gehabt zu haben und freuen uns schon auf ein Wiedersehen in der Heimat.

Die Heimreise mit Fähre, Bus, Flug und Auto klappte gut und noch vor Mitternacht waren die zwei nach einem anstrengenden Reisetag daheim.

Ulli und Erich an Bord

In Kardamena auf Kos haben wir unsere lieben Gäste abgeholt. Der Meltemi war wieder einmal aktiv und die Prognose für die nächsten Tage war lila in den Böen, das bedeutet mehr als 35 Knoten. Kein Wind bei dem man segeln möchte. Nachdem wir die Prognose schon gekannt haben, wurden die beiden über den bevorstehenden Wind informiert.

Nachdem wir nun mit dem Meltemi etwas Erfahrung haben, sie aber nicht, kam es ein bisschen zu unterschiedlichen Vorstellungen. Sie sahen sich bibbernd vor Kälte und Regen unter Deck ausharrend, bis der Wind wieder nachlässt.

Das Taxi brachte sie vom Flughafen direkt vor die Bar, wo wir warteten. Sie kamen direkt von ihrem Segeltörn auf einer Bali 42, Open Space. Einem Katamaran mit sehr viel Platz. Die Anreise war spannend und anstrengend mit Flügen von Zadar nach Mailand und dann nach Kos.

Aber alles hatte gut geklappt und unter den erstaunten Blicken der Barbesucher umarmten wir uns alle mit Pippi in den Augen. Nach dem Begrüßungsdrink genossen wir ein sehr gutes Essen in einem Tripadvisor Tipp weiter hinten im Ort. Die OF wartete wackelnd auf uns und am nächsten Tag war frühes Aufstehen mit starkem Wind angekündigt. Da wir mit dem Wind segelten war es nicht so schlimm. Nur die Genua war gesetzt und wir überlegten lange, ob wir eine Abkürzung durch türkische Gewässer nehmen sollen. Von „sicher nicht“ bis „ged scho“ war alles dabei. Ich entschied dann eine kleine Abkürzung zu machen, um zu sehen was passiert. Es ist nix passiert, keine Cost Guard und der Anker fiel nach einer flotten und doch ein bisschen wackeligen Überfahrt. Die tiefe Bucht auf Symi beherbergt ein Kloster und ein paar Häuser, eine Taverne und ein Kaffeehaus. Reicht doch für zwei Tage.

Mit Symi hatten wir uns eine Insel ausgesucht, die nicht ganz in der Meltemi Zone liegt. Der Wind dort war dann sogar schwächer als angekündigt. Wir konnten Baden, das Kloster besuchen und den Dorfwirten einen Besuch abstatten.

Das Kloster ist dem Erzengel Michael gewidmet und der beschützt hier die Seeleute. Einmal im Jahr wird das auch groß gefeiert. Pilger bringen Besen mit, damit das große Kloster auch immer schön sauber ist – kein Scherz.

Mönche gibt es auch hier und die nehmen ihre Aufgabe anscheinend sehr ernst. Als wir uns in einen der Arkadengänge zur Besichtigung wagten, hörten wir das Schmerz erfüllte Stöhnen. Beim ersten Mal zuckten wir zusammen, beim zweiten Mal ergriffen Erich und ich die Flucht. Nur Evi hörte es sich ein drittes Mal an. Wir nehmen an, dass es sich um selbst beigefügte Schmerzen als Bestrafung handelte. Die Fantasie war ausreichend beflügelt und wir spazierten lieber zur Windmühle, zum Sonnenuntergang des vergessenen Sundowners.

Überall fanden wir Steinmuster am Boden, die aus schwarzen und weißen, runden Steinen in mühsamer Kleinarbeit verlegt wurden. Auch später in der Hauptstadt der Insel fanden wir die schöne Handarbeit.

Anlegende Fähren und ein bisschen Ankersalat verkürzten uns den Tag. Als ein Nachbar das Schiff verließ und sich der OF bis auf zwei Meter näherte waren wir auch wieder einmal Teil des Hafenkinos.

Dabei haben wir ein fast immer wirkendes Abwehrsystem. Kommt uns ein Anfängerboot zu Nahe beginnt unser mehrstufiger Plan. Zuerst geht Evi nackert an Deck und schaut mal, was sie so treiben. Hilft das nicht, folge ich, auch nackert. Ist die Reaktion nicht wie gewünscht, fangen wir langsam an die Fender zu montieren. Hilft das auch nicht, frage ich den Skipper wie viel Kette er gesteckt hat.

Das führt meistens zu einem klärenden Gespräch. So konnten wir für zwei andere Schiffe und uns eine ruhigere Nacht garantieren. Einer wusste aber alles besser und kam uns dann sehr nahe. Diesen, die gleiche Sprache sprechenden Skipper, mussten wir dann doch bitten seinen Anker aufzunehmen und ein bisschen wo anders fallen zu lassen. Murrend und Zähne knirschend wurde unserer Bitte folge geleistet.

Als wir wieder einmal am Ufer entlang sparzierten fiel uns eine große Flasche auf, die verkehrt herum in einem Gestell montiert war. Unten war eine kleiner Hahn angebracht, aus dem man die Flüssigkeit in kleine Gebinde umfüllen kann. Die kleinen Fläschchen waren aus Plastik, zirka 3 Zentimeter groß, wie Augentropfen, die Flüssigkeit Öl. Nach kurzem Rätseln sprachen wir den Mann an und fragten ihn ob er Englisch kann. Er konnte es nicht, dafür aber Deutsch. Er erklärte uns, dass es sich um Olivenöl handelt. Der Großteil aus dem Supermarkt und ein kleiner Teil aus dem Olivenhain hinter dem Kloster. Dazu hob er eine kleine Wasserflasche, gefüllt mit Olivenöl über den Trichter und füllte demonstrativ ein paar Schlucke in die Flasche. Aha, das Öl wird also gestreckt und dann als „original Symi Kloster Öl“ verkauft. Aber, das kleine Fläschchen kann noch mehr, es wird nämlich in der Kirche geweiht, was der Mann so ausdrückte: „Ich fülle ab, dann kommt in Kirche, dann macht Pope ein bisschen Bla Bla und dann wird verkauft“.

Wir konnten uns fast nicht halten vor lauter Lachen.

Einen „schen Donk“ auch noch für die sehr liebe Geste uns ein paar Heimatgrüsse mit zu nehmen und das trotz Handgepäcks und Direktanreise vom letzten Segeltörn.

Den kleinen Rubik haben wir verdreht und so wird er jetzt wohl ein Zeitl herumliegen.

Nach zwei Tagen in dieser sehr sicheren Bucht umsegelten wir Symi, auf deren Ostseite sich Pedi befindet. Auch eine sichere Bucht und der Weg zur Hauptstadt, Symi ist nicht weit. Man kann zu Fuß gehen oder bei der Hitze, mit dem Taxi oder Bus fahren.

Symi und die Oberstadt sind sehr pittoresk und wir verbrachten einige Zeit durch die Straßen zu streunen.

Wir hatten genug Zeit um verschiedene Lokale bei uns in der Bucht, in der Oberstadt und auch in Symi am Hafen auszuprobieren. Für einen schnellen Snack wollten wir direkt am Meer sitzen und die Aussicht genießen. Diese Aussicht wird auch der Grund sein, warum sich die Kellner nicht um ihre Gäste bemühen müssen. Es war ein bisschen eine Tourifalle.

Die beiden Lokale in der Bucht waren sehr griechisch, freundlich und gut, so wie wir es kannten. Das Lokal in der Oberstadt war vom Feinsten.

Überall in der Stadt gibt es nette Plätze, die auf einen Drink einladen.

Ulli und Evi besuchten das kleine Museum in der Oberstadt. Erich und ich hatten einen trockenen Mund, den wir dann aufgrund fehlender Lokalitäten doch nicht benetzen konnten. Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass das Museum SEHR sehenswert sei. Erst Stunden später wurde uns in kleinen Happen erzählt, was es alles so tolles dort gegeben hat.

In der Zwischenzeit konnten wir unseren Spinnaker über Willhaben verkaufen und Erich half mir das 25 kg Ding zum örtlichen Paketdienst zu bringen. Schweiß gebadet fanden wir dort endlich eine Mundbenetzungsversorgungsstelle.

Wahrscheinlich war es ihr Segeltörn mit den wenigsten Meilen bisher. Wir konnten aber aufgrund der Windsituation nicht riskieren noch andere Inseln zu besuchen. Sie haben uns bestätigt, dass es ihnen trotzdem gut gefallen hat und wir haben uns sehr gefreut, dass sie mit uns Zeit verbracht haben.

Schon wieder war Abschiedstag, die beiden hatten eine lange Reise vor sich. Zuerst mit dem Dinghy an Land, mit dem Taxi nach Symi, mit der Fähre nach Kos, mit dem Bus zum Flughafen, mit dem Flieger nach Wien und den Rest kann man sich denken. In Kos konnten sie noch ein bisschen chillen und das Meer genießen.

Danke, dass ihr da wart und, selbstredend, hatten wieder alle vier beim Abschied Pippi in den Augen.

Ein bisschen Technik gefällig?

GPX Datei übertragen

Wenn wir nicht gerade Besuch haben, schauen wir auf unsere Liste und da findet sich immer etwas, was repariert gehört.

Für unsere Routenplanung bei längeren Strecken, so ab 40 Seemeilen, verwenden wir ein Routingprogramm. Es heißt QtVLM und wird von einem Franzosen programmiert. Hat man Fragen, gibt es ein Forum und bekommt, sehr prompt, sehr gute Antworten.

Bei der Planung gibt man den Startpunkt, das Ziel und die Uhrzeit der Abfahrt ein. Dann werden die Winddaten aus dem Internet geladen. Diese verstecken sich in GRIB Dateien und stehen kostenlos zur Verfügung. Wir verwenden XyGrib, einfach googeln bei Interesse. Ein weiterer Eingabeparameter ist eine Polar-Datei des Bootes. Diese beschreibt, wie schnell das Boot bei welchem Kurs und Wind fahren kann. Wir planen fast alle Richtungen und Winde mit 5 Knoten. Wir haben schon erlebt, dass wir bei viel Wind und starker Welle nur 3 Knoten fahren konnten und bei wenig Wind und wenig Welle bis zu 7 Knoten flitzen. Nach der Berechnung ist das Ergebnis eine Routendatei, die wir auch auf unseren Plotter laden können. Dort sehen wir dann, ob wir am richtigen Ort zur richtigen Zeit sind.

Nur wie kommt die gpx-Datei vom Computer auf den Plotter. Ganz einfach: Der Plotter hat hinten einen Anschluss für eine micro-SD Karte. Da steckt aber die Navionics Seekarte drin. Außerdem kann man die kleine Karte nicht greifen, wenn man den Plotter nicht abbaut. Der Vorgang ist also: gpx Datei am Computer auf microSD Karte kopieren, Karte in Software am Plotter auswerfen, Plotter abschrauben, Karte herausfummeln, andere microSD-Karte einlegen, gpx-Datei importieren, Karte am Plotter auswerfen, Navionics Karte einstecken, Plotter montieren.

Viel zu mühsam. Der Plotter hat ja drahtlose Verbindungen. Zuerst Wifi. Damit kann man sich mit einem Handy zum Plotter verbinden und ihn fernsteuern, aber keine Dateien kopieren. Man kann auch damit ins Internet um z.B.Netflix zu schauen, aber Dateien kopieren kann man nicht. Ganz genial zur Fernwartung kann man auch AnyDesk verwenden (sowas ähnliches wie mein Bruder und ich verwenden, wenn wir Mutti am PC helfen), aber Dateien kopieren ist deaktiviert. Was soll’s,gibt ja auch noch Bluetooth, damit kann man ja auch kopieren. Aber nicht bei Raymarine. Bluetooth ist dazu da um Audiodateien abspielen zu können. Man kann also mit dem Handy Musik hören und das am Plotter wiedergeben.

Aber es gibt noch einen microUSB Anschluss. Da braucht man dann nur mehr ein micro-USB OTG Kabel, das es beim großen Fluss um 5€ gibt, aber an Bord nicht vorhanden ist. Dafür aber alle benötigten Stecker. Nach ein paar heißen Finger konnten wir dann die Dateien relativ einfach durch Anstecken eines USB-Sticks mit dem selbst gemachten Kabel übertragen, ohne den Plotter abzubauen.

Unser „Freund“ Panos

Immer des G’schiss mit den Handwerkern. Panos kann gut malen, wir sind nach wie vor mit den Lackierarbeiten zufrieden. Aber was alles rundherum schief gegangen ist, füllt eine Liste. Es war wieder Zeit für einen neuen Eintrag. Das Bimini, unser Sonnenschutz, ist mit einem Gestänge montiert. Dieses wurde abmontiert, damit darunter schön lackiert werden konnte.

Schon länger hatten wir den einen Beschlag argwöhnisch im Auge, da er einen Luftspalt zum Deck hatte, aber nur auf der Steuerbord Seite, nicht an Backbord. Und plötzlich ging es Klonk und der Beschlag war mit allen vier Schrauben ausgerissen. Wie vermutet wurde beim Zusammenschrauben wieder gepfuscht. Zwei Schrauben haben gar nicht gehalten und die anderen beiden schafften den Druck nicht. Glücklicherweise haben wir solche Probleme schon öfter gelöst. Selbst bei Dämmerung konnten wir die Löcher aufbohren, normale Buchenholzdübel auf die richtige Länge bringen und mit Epoxy einkleben. Das musste über Nacht trocknen.

Auf diesem Bild sieht man einen Teil des Übels, es wurden zu lange Schrauben verwendet, die dann den Luftspalt ergaben und damit die vier anderen Schrauben nicht genug tief angeschraubt werden konnten.

In der Früh konnten dann die Löcher in die Dübel gebohrt werden und der Beschlag, nach einer Reinigung, angeschraubt werden.

Mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden und es hält bis heute sehr stabil.

Und das alles mit Bordmitteln ohne einkaufen gehen zu müssen.

Unser lieber Watermaker

Der tut nicht mehr so wie er soll. Er produziert nur mehr um die 40 Liter pro Stunde, obwohl er eigentlich 55 Liter können sollte.

So richtig bewusst ist es uns erst geworden, als wir mit Kamila und Christian, unseren neuen Freunden von der SY Bluefish, geplaudert haben. Die haben genau den selben Watermaker.

Exkurs Freunde: Eine der Sachen, die mir am besten an unserer Reise gefällt ist, dass wir sehr leicht mit Leuten ins Plaudern kommen und dabei immer wieder sehr nette Leute kennen lernen.

Ich finde, das ist ein bisschen so, wie in der Sandkiste. Kinder fragen nicht nach Stand, Einkommen, Rasse und haben, nach fünf Minuten gemeinsamen sandkuchenbacken, einen neuen Freund/Freundin. Fast so unbeschwert kommen wir uns auch vor. Ich gebe zu, dass man am Schiff der Anderen schon einiges vermuten kann, aber trotzdem geht man sehr unbeschwert an solche Begegnungen, wie eben mit Kamila und Christian, heran. Und das finden wir sehr schön.

Evi und ich dachten eigentlich, dass unser Watermaker nur 50 Liter kann, nicht 55. Deshalb haben wir ihn auch immer mit dem Maximum von 50 Litern verwendet. Der Hersteller, Aquatec hat ein ganz tolles Service. Meistens wird eine Frage per Email am selben Tag beantwortet, auch am Wochenende. Und so wussten wir nach kurzem, dass entweder elektrisch was nicht passt, oder die Membran defekt ist. Um den elektrischen Teil auszuschließen zerlegten wir – immer mit tatkräftiger Unterstützung von Evi – die Hochdruckpumpe (HP) und konnten die vermeintlichen Abnutzungen nicht finden. Als nächstes wurde die Spannung an der HP gemessen. Oje, zu wenig, nur 11,7 V statt erforderlichen 12,5V

Was kann denn das schon wieder sein. Evi fragte mich, warum ich so viele Schweißperlen auf der Stirn hätte. Erwischt! Ich habe beim Kabelquerschnitt gespart. Ich dachte, es geht auch mit einem dünneren Kabel und habe den Verlust auf einer Länge von fast 10 Metern unterschätzt. Also mussten wir in Kos zum Apothekerpreis des lokalen Seefahrerbedarfsgeschäftes 35mm² dicke Kabel kaufen.

Das ist ganz schön dick und ziemlich umständlich zu verlegen. Noch dazu war es schon Abend und das ist nicht meine Lieblingsarbeitszeit. Unter gutem Zureden und dem Versprechen auf ein gutes Essen von Evi, machten wir uns aber doch noch daran die Kabel in den Untiefen der OF einzuziehen. Kurz vor 23 Uhr war alles fertig und wir freuten uns auf eine richtige Plätscherdusche in der Marina.

Duschen so lange man will, kein Wassersparen, einfach laufen lassen. Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass die Duschen um 21:30 zugesperrt wurden. Mist, wieder nur Sparduschen.

Am nächsten Tag, außerhalb der Marina war Showdown. Wasser machen mit den neuen Kabeln. Aber leider, leider sagt der Schneider, wieder nur 40 Liter.

Der Anruf unter Tränen beim Hersteller erweckte sein Mitleid und er gab uns den Tipp die Alkaline Spülung durchzuführen, wenn das nicht hilft, jene mit Zitronensäure und wenn das nix nutzt, dann ist die Membran kaputt.

Und da stehen wir jetzt, wir wissen wie man Alkaline spült, Zitronensäure spült und dass die Membran defekt ist.

Anscheinend habe ich sie durch die zu dünnen Kabel und damit geringerer Drehzahl der HP Pumpe, kaputt gemacht.

Wir werden uns jetzt noch bis Ende November mit der geringen Leistung abfinden und dann im Frühjahr die neue Membran einbauen.

Evi und ich kennen die Anleitung schon fast auswendig. Manchmal wache ich auf und Frage sie schlaftrunken, Seite 14, 2ter Absatz. „Langsam den Druck auf 30bar erhöhen“ kommt wie aus der Pistole geschossen.

Und da war sie wieder unsere Diskussion. Was ist langsam? Evi und ich hatten hier komplett andere Ansichten. Für mich war langsam so zirka 10 Sekunden, vielleicht 15. Evi meinte, dass 2 Minuten langsam sind. Um den Druck zu erhöhen, dreht man an einem Druckregelventil, solange bis der gewünschte Druck am Manometer angezeigt wird. Wie löst man diese Frage? Herr Matz muss wieder her. Ich habe dann bei der Formulierung ein bisschen geschummelt und geschrieben, dass ich immer 20 Sekunden bis 30bar benötige. Die Antwort war klar. 20 Sekunden sind das Minimum, ein zu lange gibt es nicht.

Und täglich grüßt das Dinghy

Wir wissen schon ganz gut, wie man Löcher in einem Dinghy findet und noch besser, wie man sie flickt. Auch dazu haben wir alles an Bord. Evi kennt sich aus mit Millilitern und Spritzen und was 4% Verdünnung bedeuten. Ich schmiere den Batz dann gekonnt auf, und meistens ist es dann auch dicht.

Wenn man das Dinghy nicht unter einer Betonmole mit scharfen Kanten parkt. Die vorbei fahrenden Fähren haben unser Kleines unter die Kante gedrückt und die Wellen haben dann lange Zeit daran gescheuert.

Diesmal hat sich Evi am Anfang geweigert zu helfen, da sie mich energisch auf die Verwendung des kleinen Heckankers hingewiesen hat, mit dem es zu diesem Schaden nicht gekommen wäre. „Ah, des geht scho!“ führte dazu, dass ich die erste halbe Stunde alleine Flicken schneiden musste, bis sie sich doch erbarmte. Jetzt hat das Dinghy wieder sieben neue Flicken. Evi meint wir sollten bunte kaufen, dann schaut es aus wie ein Marienkäfer. Die sieben Flicken picken hervorragend. Leider ist das Dinghy nicht dicht und wir sind auf der Suche nach weiteren Löchern …

Spinnaker Baum

Der Spinnaker Baum wird, wie der Name verrät, verwendet um einen Spinnaker zu segeln. Unseren Spinnaker haben wir bisher gaaanz tief unten im Boot verstaut und mittlerweile haben wir ihn auch verkauft. Zu zweit ist er uns zu schwer zu handhaben und ich habe noch nie einen Spinnaker gesegelt.

Man kann den Spinnaker Baum aber auch dazu verwenden um das Vorsegel, in unserem Fall einen Yankee (eine hoch geschnittene Genua) auszubaumen. Aber auch das war mir bisher zu gefährlich. Als ich einmal bei der Round Palagruza Regatta mitfahren durfte, hatten die, die für den Spinnaker Baum zuständig waren Helme auf. Auch Unfallstatistiken wiesen auf die Gefährlichkeit dieses Ausrüstungsgegenstandes hin.

Mit nicht ausgebaumter Genua zu segeln bedeutet aber, dass sie oft einfällt, um sich kurz darauf mit einem lauten Knall wieder mit Wind zu füllen. Ein Geräusch, das mitten in die Magengegend drückt. Also haben wir (hauptsächlich Evi) sich eingelesen und viel über den sicheren Umgang mit Spinnaker Bäumen gelernt – theoretisch. Alle beschriebenen Leinen kamen mir bekannt vor, so eine hatte ich doch irgendwo an Bord gesehen. Als Thomas uns besuchte, wagten wir den Versuch. Zwei starke Männer am Vordeck, eine starke Frau an der Winch, was soll da schief gehen. Und wirklich, wenn alle Leinen richtig angebracht sind, verliert der Spinnaker Baum seine Gefährlichkeit und kann gut bedient werden. Wichtig ist, dass man ausreichend viele Leine verwendet. Das sind mindestens drei, besser vier. Wir werden dann vier verwenden.

Zuerst ist da der Toppnant. Der zieht den Baum nach oben. Er ist ganz vorne am Baum und hoch auf dem Mast montiert, umgelenkt durch den Mast ins Cockpit. Und als wir ihn zum ersten Mal verwendet haben, merkten wir, dass wir ihn gar nicht bedienen müssen. Wenn der Baum am Mast abgesenkt wird und dabei die Spitze des Baumes nach außen geht, stimmt die Länge des Toppnants automatisch und er muss – bei uns – nicht verändert werden.

Der Niederholer verhindert das Steigen des Baumes. Er ist auch vorne am Baum angeschlagen. Er wird über eine Umlenkrolle zum Cockpit geführt und kann von dort bedient werden. Einmal festgemacht bleibt der Baum an seiner Position und kann nicht mehr schwingen.

Die dritte Leine ist die Spinnaker Schot, die hält Segel und Baum nach außen und stabilisiert zusätzlich. Sie ist am Schothorn der Genua angeschlagen und führt außen über eine Umlenkrolle zum Heck und zurück ins Cockpit.

Die beiden Genuaschoten bleiben angeschlagen und werden lose gefahren.

Die vierte Leine, die man am Bild noch nicht sieht, ist der Achterholer, eine Leine die dann den Baum in einer Position hält, auch wenn die Spinnaker Schot gefiert werden muss, um zum Beispiel das Segel zu reffen.

Wir haben diese Technik bei leichterem Wind auch schon ausprobieren können und waren mit dem Ergebnis sehr zu frieden. Ein bisschen viele Schnüreln an Deck, dafür gab es keine schlagende Genua und keinen schwingenden Spinnaker Baum. Wir werden fleißig weiter üben.

Solche lustigen Dinge machen wir, wenn wir gerade keinen Besuch haben.

Mein Sohn

Nach unseren Abenteuern in Kalimnos freuten wir uns schon sehr auf Thomas, meinen Sohn. Er flog nach Kos und in wir holten ihn an der Nordseite, in Mastichari ab. Der Wind war ein bissi mau, aber der Hunger trieb Tom in ein Lokal am Kreisverkehr. Von dort schickte er uns ein kleines Video mit einem Schwenk von seinem Bier zur OF, die in der Entfernung vor sich hin wackelte. Trotz des wenigen Windes war eine ordentliche Dünung recht störend beim Dinghy ins Wasser bringen. Ich habe mich sehr gefreut meinen Buben nach so langer Zeit wieder umarmen zu können und Evi musste noch ein bisschen warten, bis wir unser Begrüßungsbierchen getrunken hatten. Wieder an Bord war das hochkurbeln des Dinghys eine sehr wackelige Angelegenheit. Nachdem wir eine ruhige Nacht wollten, segelten wir um Kos herum und ankerten in einer Bucht im Süden. Es war schon fast finster als der Anker fiel.

Am nächsten Tag war mehr Wind angesagt und deshalb hatten wir den längeren Schlag nach Astypalea geplant.

Früh waren alle auf und nach einem Kaffee ging es gleich los. Am südlichen Kap von Kos befragte ich noch unser Routing Programm, wohin es uns denn leiten möchte. Eigentlich wären wir ziemlich gerade auf Astypalea zugesegelt, doch das Programm schickte uns zuerst Richtung Norden um dann nach einer Wende das Ziel anzuvisieren. Und gut war es. Eine ziemlich dicke Gewitter Wolke zog südlich durch und wir konnten Blitze sehen und Donner hören. Das Sekundenzählen ergab eine Entfernung von vier Kilometern. Dort wären wir gesegelt, wenn wir nicht das Programm befragt hätten.

In der Abenddämmerung näherten wir uns der Insel und sahen seit langem wieder Thunfische jagen. Das Wort jagen löst bei Thomas einiges aus und so sind wir eine halbe Stunde mit den Angeln im Kreis gefahren, um die Sprudel der Fische zu verfolgen. Leider ohne Erfolg.

Die erste Nacht verbrachten wir in einer ruhigen Bucht.

Der nächste Morgen brachte uns nur ein paar Meilen weiter in die Hauptstadt.

Wir ankerten um die Ecke und fuhren zur Stadtbesichtigung mit dem Dinghy in den Hafen. Die Straßen sind steil, die Burg am höchsten Punkt. Eine erstaunliche Geschichte wurde uns von den Schautafeln erzählt. Die Burg wurde von den Venezianern erbaut. Hauptsächlich um vor Piraten zu schützen, dann von den Osmanen erobert und irgendwann dann wurde sie wieder griechisch. Jetzt hat man einen tollen Ausblick von da oben.

Am Hauptplatz stehen die Windmühlen, die jetzt als Bibliothek, als Wohnhaus oder als Bar dienen. Das Rätsel, wie das Getreide zu den Mühlen gekommen ist, konnten wir noch immer nicht lösen. Auch diese Insel schaut nicht so aus, als ob hier je Getreide angebaut wurde.

Wir staunen, dass die vorbei ziehende Hochzeitsgesellschaft nicht vor Hitze umkommt. Die Männer mit Anzug und Krawatte, Thomas und ich schwitzen schon im Leiberl mit kurzer Hose.

Die Häuser der ganzen Stadt sind weiß und blau. Alle Kirchen sind auch im typischen blau-weiß gestrichen, dahinter das blaue Meer. Eine Postkartenidylle, wie man sie von den Dodekanos Inseln kennt.

Die nächste Nacht verbrachten wir in einer tiefen Bucht noch auf Astypalea. Thomas musste schauen, was die Thunfische machten. Mit dem Dinghy jagte er ihnen hinter her und erst als es schon zappenduster war, hörte der besorgte Papi das knatternde Geräusch des Zweitakters. Leider ohne Fang, dafür mit einem Grinsen kam der Bub zurück an Bord.

Der nächste Schlag, wieder Richtung Osten war länger und deshalb war frühes Aufstehen angesagt. Auch in der Früh bissen die Thunfische leider nicht und wir segelten in den Sonnenaufgang.

Die kleine Insel Gyali südlich von Kos war unser Ziel. Ein türkises Meer mit Sand als Untergrund wurde uns versprochen. So war es dann auch. Beim Tauchen entdeckten wir Plattfische, die das schleifen der Ankerkette am Grund als willkommene Unterstützung sahen, um nicht selbst buddeln zu müssen.

Außerdem sehen wir den ersten Rochen unserer Reise. Es ist ein Stachelrochen, eines der acht giftigen Tiere in Griechenland. Kurze Zeit später sehen wir dann Nummer zwei und das näher als wir wollten. Ein Petermännchen ging uns sogar an den Haken.

Thomas hat die Umgebung der Insel erkundet und ein Riff als optimalen Fischgrund erkoren. Alleine war das Leinenhandling etwas umständlich, also durfte Papi mit.

Langsam tuckerten wir um die Insel herum und schwupp – di wupp ging uns ein Barrakuda an den Haken. Der Kampf war eher mau, wir waren schon anderes gewohnt. Am nächsten Abend nutzten wir wieder die Dämmerung für unser Anglerglück. Als erstes war das Petermännchen dran, das wir gleich wieder zurück setzten. Und kurz darauf, es wurde schon dunkel, zappelte der zweite Barrakuda. Schnell wurde Evi angerufen, die bereits den ersten Barrakuda in den Ofen schob. „Stopp, wir ham no an!“. Petri Heil, Petri Dank. Evi zaubert uns ein herrliches Fischgericht. Die Köpfe mussten runter, zu groß war der Fang für den Ofen.

Den Rest der Zeit verbrachten wir im Wasser, am Strand bei der Bimssteinsuche. Auf den Fotos sieht man nicht, dass es sich um ein Bergwerk im Tagebau handelt. Den ganzen Tag quietschten Planierraupen, die den wertvollen Rohstoff zu den Förderbändern bringen. Am Ende des Förderbandes liegen die großen Schiffe, Bulk carrier. Wir beobachteten zwei Tage und Nächte, wie der Massengutfrachter immer tiefer im Wasser versank, bis er schließlich voll beladen ablegte, nach Hull, in England.

Wir sammelten Bimsstein, der soll ja ganz toll als Hornhautraspel geeignet sein.

Ein wirklicher netter Ort mit türkisem Wasser, reinem Sandgrund, vielen Tieren, wenn man nach links schaut, rechts ist das Bergwerk und die Quietschefahrzeuge. Evi hat meistens nach Links geschaut, wir nach rechts.

Am Weg zurück nach Kos versuchten wir uns zum ersten Mal an unserem Spinnaker Baum. Wir wollen ihn zum Ausbaumen der Genua verwenden. Mit der dritten Hand von Tom gelang es auf Anhieb gut und wir sind zuversichtlich, dass wir das Ding auch zu zweit gut handhaben können.

So schnell war eine Woche wieder um. Wir ankerten vor der Stadt Kos und gingen in Kos Essen. Am nächsten Morgen war Abschied angesagt. Ich begleitete Thomas zum Busbahnhof und nach einem Kaffee war es dann wirklich so weit. Der Bus zum Flughafen war da und Tom eingestiegen. Die verflixten Scheiben waren verdunkelt, dass ich nur ins leere Winken konnte. Mit Pipi in den Augen machte ich mich auf den Weg zurück zur OF.

Danke Thomas, dass du da warst, ich bin sehr stolz auf dich!